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Autobahnraststätten-Test 2012 des ADAC: Alle Details

Wie ROLLINGPLANET gestern berichtete, brachte der Automobilclub erhebliche Mängel hinsichtlich Familienangeboten und Barrierefreiheit ans Licht. Hier nun weitere Fakten – manches wirkt fast wie bei den Schildbürgern.

Der Autohof EuroRastpark Guxhagen (Hessen) mit Restaurant Zum Brunkelsberg gehört zu den Siegern im ADAC Rastanlagentest 2012 (Foto: Heiko Meyer)

Behindertentoilette, Wickeltisch – auf dem Autohof Kappel-Grafenhausen an der Autobahn A 5 Basel-Karlsruhe ist alles da, hygienisch und auf modernstem Stand. Nur leider: Der Wickeltisch ist so installiert, dass ein Rollstuhlfahrer die Toilette nicht benutzen kann. Während es bei der Hygiene gut aussieht, hapert es bei den Angeboten für Familien und Behinderte.

Der Autoclub nahm 65 Betriebe entlang wichtiger Reiserouten in 13 europäischen Ländern unter die Lupe, darunter zwölf in Deutschland. Keine Rastanlage schaffte eine glatte eins. Gut die Hälfte (33) bekam aber die Note „gut“, 27 Mal gab es „ausreichend“. Fünf Anlagen fielen mit „mangelhaft“ durch.

Seriös, aber Kritik an der Kritik

Fast 35.000 Kilometer spulten die ADAC-Tester herunter, so viel wie noch nie seit dem ersten Test 1999. Doch es gibt auch Kritik an der Untersuchung. Mitten im Winter, zwischen dem 16. Januar und dem 8. Februar, waren sechs Gastronomen unterwegs, um anhand von gut 110 Einzelpunkten die Raststätten zu testen – ganz andere Bedingungen als im Sommer zu Hauptferienzeit.

„Wenn ich als Reisender in der Urlaubszeit diesen Test sehe, stimmt er einfach nicht“, sagt der Geschäftsführer der Vereinigung Deutscher Autohöfe VEDA, Herbert Quabach. „Im Januar ist nichts los, da sind die Parkplätze leer, da sind die Toiletten sauber, weil keiner hingeht.“

Der hessische Autohof Guxhagen bietet laut ADAC ein umfangreiches Shopangebot zu günstigen Preisen. (Foto: Heiko Meyer)

Schwierig sei auch ein direkter Vergleich zwischen Raststätten und den ursprünglich auf Lastwagenfahrer ausgerichteten Autohöfen. „An manchen Stellen werden Äpfel und Birnen miteinander verglichen.“ An einem auf Lkw-Fahrer orientierten Autohof werde nun mal relativ wenig gewickelt. Dennoch betont Quabach: „Die Ansätze des ADAC sind seriös.“

Ähnlich sieht es die Autobahn Tank & Rast, die meist mit privaten Pächtern fast alle Autobahnraststätten in Deutschland betreibt. „Der ADAC-Raststättentest findet große Beachtung“, sagt Sprecher Andreas Rehm. „Natürlich kann es sich bei den vereinzelten Stichproben immer nur um Momentaufnahmen handeln. Wir gehen aber generell davon aus, dass die Methode des Tests so gewählt ist, dass sie aussagekräftige Ergebnisse liefert.“

ADAC-Testleiterin Simone Saalbach erläutert, der Test müsse früh im Jahr stattfinden, da er zur Reisezeit ausgewertet sein solle. „Man kann nie garantieren, dass auf einer Anlage gleich viel los ist. Aber es soll ja immer sauber und immer gut sein.“

Rollis müssen akrobatische Fähigkeiten haben

Vor allem kritisiert der ADAC zu wenig Angebote für Familien und mangelnde Barrierefreiheit. Kurioses Beispiel: An drei von fünf getesteten Raststätten in den Niederlanden wurden nachträglich Bezahlschranken vor den Toiletten eingebaut – an die Rollstuhlfahrer dachte niemand. Wenn sie in die Anlage wollen, muss nun ein Teil der Schranke abgebaut werden. In einem anderen Fall war die Rampe zu einem Aufzug sehr steil und die Tür öffnete sich nach außen – ohne akrobatische Fähigkeiten für Rollstuhlfahrer kaum zu bewältigen.

Auch bei den Preisen gab es teils ein dickes Minus, vor allem in der ohnehin teuren Schweiz, aber auch in Österreich, Frankreich und den Niederlanden. Bei der Sicherheit für Fußgänger und der Verkehrsgestaltung haperte es ebenfalls gelegentlich.

Deutliche Fortschritte gibt es bei der Sauberkeit. „Die Hygienewerte werden immer besser“, sagt Saalmann. Früher seien oft hohe Keimzahlen gemessen worden, teils von gefährlichen Erregern. „Da haben wir dieses Jahr wirklich nur noch Einzelfälle.“ Und: „Die Gastronomie wird immer besser, und auch beim Service gab es nicht viel zu meckern.“

Sofort wegen blockierter Behindertentoilette reagiert

Das ADAC-Urteil wird ernst genommen. Die Autohöfe haben massiv aufgeholt und sind längst nicht mehr Anlaufstellen nur für Lkw-Fahrer, sondern auch für Familien. Teils wurden laut Quabach auf die ADAC-Kritik hin Picknicktische aufgestellt. Es gibt Spielplätze, Spielecken, Wickelräume und Behindertentoiletten.

Auf dem Autohof Kappel-Grafenhausen ist in Sachen blockierte Behindertentoilette ebenfalls schon Abhilfe in Arbeit. „Wir haben wegen der fehlenden WC-Zugängigkeit sofort heute Kontakt mit dem Ausstatter aufgenommen“, sagt Quabach. „Das ist wirklich eine perfekt ausgestaltete neue Station. Aber funktional muss es natürlich sein.“

(dpa)

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1 Kommentar

  • Sammy

    habe vorletzte Woche erst (alleine) mein Auto von Mallorca geholt, bin von Barcelona ueber Lyon und Luxembourg nach Deutschland gefahren, bei einem Tankstop Naehe Koeln fiel mir gleich die Barriere-Unfreiheit auf, kein Tankservice (nachts um 12) dafuer aber eine hohe Stufe zur Tankstelle rein…
    ganz anders hingegen in Frankreich oder Spanien: kaum stell ich meinen Rollstuhl zum Tanken raus kamen sie angerannt 😉
    warum ist so etwas in Deutschland (noch) nicht selbstverstaendlich???
    woran hapert es nur??? ich sitze jetzt 17 Jahre im Rolli, habe davon 13 Jahre auf Mallorca gelebt, ich erlebe fast taeglich den Unterscheid zw. Deutschland und anderen europ. Laendern…
    eine Lanze muss ich aber brechen:
    hier oben in Friesland ist es absolut barrierefrei,auch die Behindertenparkplaetze werden kaum missbraucht 😉

    22. Juni 2012 at 13:13

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