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Barrierefreie Haushaltsgeräte für gehörlose Menschen

Studierende der FH Frankfurt a.M. entwickeln ein Assistenzsystem, um das tägliche Leben zu vereinfachen. Von Nicola Veith

Prof. Dr. Gerd Döben-Henisch koordiniert das Projekt (Foto: privat)

Prof. Dr. Gerd Döben-Henisch koordiniert das Projekt (Foto: privat)

Sechs Studierende des Master-Studiengangs Barrierefreie Systeme (BaSys) der Fachhochschule Frankfurt am Main (FH FFM) entwickeln seit zwei Semestern ein Assistenzsystem für gehörlose Menschen. Ziel ist es, akustische Signale von elektronischen Haushaltsgeräten durch den Einsatz von Smartphones als Medium wahrnehmbar zu machen.

„Das System erfasst alle elektronischen Geräte und benachrichtigt die Benutzerin oder den Benutzer nach Beendigung des Gerätevorgangs mit Licht- und Vibrationssignalen, aber auch Text und Piktogrammen. Ist beispielsweise der Waschvorgang der Waschmaschine beendet, blinkt ein Licht und es geht eine Nachricht ein“, erklärt Ronald Winter, Mechatroniker im Projekt.

Für das Projekt arbeiten Studierende aller drei fachlichen Ausrichtungen des BaSys-Studiengangs – Planen und Bauen, Intelligente Systeme sowie Case Management – zusammen.

Wie alles begann

Grafische Darstellung der Aufgabenstellung für die Studierenden

Grafische Darstellung der Aufgabenstellung für die Studierenden

Die Studierenden Olga Gisik, Pflegefachkraft, und Meike Wambold, Soziale Arbeit, führten zuerst eine gebärdensprachlich begleitete Befragung mit gehörlosen Menschen durch. Sie thematisierten unter anderem Hindernisse durch Nicht-Hören akustischer Signale und Erfahrungen mit bereits existierenden Hilfssystemen.

Um Wohnsituationen „simulieren“ zu können, entwickelten die Studierenden eine Beispielwohnung und verorteten dort die wichtigsten elektronischen Geräte. „Das Assistenzsystem muss flexibel auf die verschiedenen Gegebenheiten individueller Wohnsituationen anpassbar sein“, so Informatiker Jonas Heil.

„Je nach Aufteilung der Wohnräume bestehen zwischen den einzelnen elektronischen Geräten teilweise Distanzen über mehrere Geschosse“, ergänzen Ann-Kathrin Lorek und Ina Hinz, Architektinnen im Projekt. So ergeben sich bauphysikalische Barrieren, die das System überwinden muss.

Für die Installation des Assistenzsystems müssen daher zuvor Messungen in den Wohnungen vorgenommen werden, um Metallbauteile zu lokalisieren, die den Funkkontakt zwischen den Modulen stören könnten.

Lösung per Funknetz

Die Studierenden recherchierten auch nach technischen Ansätzen, um unzureichende Leistungen bereits auf dem Markt befindlicher Produkte zu vermeiden, darunter die begrenzte Reichweite derartiger Systeme. „Wir entschieden uns für ein Funknetz, das über Module mit verschiedenen Funktionalitäten verfügt, wie sie beispielsweise auch schon von Feuermeldern, Strommess-Adaptern oder dem Baby-Phone her bekannt sind“, erklärt Ronald Winter.

Das System besitzt ein Schnittstellen-Modul, das Nachrichten von ihm untergeordneten Funkmodulen empfängt. Diese Nachrichten übermittelt die Schnittstelle an das Smartphone des Nutzers.

„Die Besonderheit unserer Entwicklung liegt darin, dass die einzelnen Module ihre Nachricht über die anderen Module übermitteln. Die Reichweite des Funknetzes wächst mit jedem zusätzlichen Modul“, so Heil. Das Studierenden-Team versucht eine generische Schnittstelle zu schaffen, die sich mit möglichst vielen verfügbaren Haushaltsgeräten verknüpfen lässt.

Nicht nur für behinderte Menschen

„Der Studiengang Barrierefreie Systeme geht auf den Menschen in seiner Vielfältigkeit und seinen gesamten Lebenszyklus ein. ‚Barrierefrei‘ bedeutet Zugänglichkeit und Nutzbarkeit für alle sowie Flexibilität in der Benutzung. Das kann bedeuten, barrierefrei für körperlich Beeinträchtigte zu sein, aber auch wandelbar für Kinder, Erwachsene oder ältere Menschen. Die Systeme, die die Studierenden in den Projekten entwickeln, sollten möglichst alle Kriterien aufweisen“, erklärt Prof. Dr. Gerd Döben-Henisch, Koordinator und Sprecher des Studiengangs.

Weitere Infos zum Projekt unter: http://www.basys.fh-frankfurt.de/dokuwiki/de:asgm

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