„Barrierefreiheit bedeutet mehr als eine Rollstuhl-Rampe“

Christoffel-Blindenmission fordert weltweite Umsetzung der Standards – das Beispiel Haiti macht Mut.

Haiti ist ein auf der Insel Hispaniola in den Großen Antillen gelegener Inselstaat. Hauptstadt ist Port-au-Prince. (Foto: Shutterstock)

Haiti ist ein auf der Insel Hispaniola in den Großen Antillen gelegener Inselstaat. Hauptstadt ist Port-au-Prince. (Foto: Shutterstock)

Barrierefreiheit rettet Leben: Denn Vorkehrungen wie stufenlose und ausreichend breite Fluchtwege sowie optische und akustische Warnsignale sorgen dafür, dass sich bei Katastrophen wie Bränden, Erdbeben oder Überschwemmungen auch Menschen mit Behinderungen rechtzeitig in Sicherheit bringen können. Deshalb fordert die Christoffel-Blindenmission (CBM) anlässlich des Internationalen Tags der Menschen mit Behinderungen am 3. Dezember, Barrierefreiheit weltweit konsequent umzusetzen. Aktuelle Erfahrungen der CBM in Haiti würden zeigen, dass dies auch in Entwicklungsländern gelingen kann.

Beispiel Haiti: Barrierefreier Wiederaufbau

Nach dem Erdbeben in Haiti hat die CBM eigenen Aussagen zufolge die Chance für einen barrierefreien Wiederaufbau genutzt. Sie habe die Regierung bei der Planung und beim Bau von Schulen und anderen öffentlichen Gebäuden beraten sowie andere Hilfsorganisationen, haitianische Architekten, Ingenieure und Behörden zum Thema Barrierefreiheit geschult. So wurde der Zugang zur Stadtverwaltung von Petion-Ville, einem Viertel von Port-au-Prince, mit Unterstützung der CBM barrierefrei umgebaut. Bei knapp hundert weiteren Bauprojekten haben Experten der CBM beratend mitgewirkt.

Standards für alle Projekte der Entwicklungszusammenarbeit notwendig

CBM-Geschäftsführer Dr. Rainer Brockhaus betont:

„Barrierefreiheit bedeutet mehr als eine Rampe an Gebäuden: Rollstuhlfahrer müssen sich in der ganzen Stadt selbstständig bewegen können, blinde Menschen dürfen nicht durch mangelnde bauliche Vorkehrungen in den Straßenverkehr geraten, gehörlose Menschen müssen durch zusätzlichen optischen Alarm vor Feuer gewarnt werden.“

Daher sei es für die CBM ein positives Signal, dass die neuen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen das Thema Barrierefreiheit in mehreren Punkten aufgreifen. Konkret benannt werden unter anderem der ungehinderte Zugang zu Schulen und Bildungseinrichtungen, zum Personenverkehr sowie zu öffentlichen Gebäuden und Plätzen. Aus Sicht der CBM ist jetzt eine konsequente Umsetzung dieser Ziele zwingend. „Ein umfassendes Verständnis von Barrierefreiheit muss in alle Projekte der deutschen Entwicklungszusammenarbeit einfließen“, fordert Brockhaus. „Erst wenn weltweit jeder Architekt, jeder Stadtplaner und jedes Bauunternehmen Barrierefreiheit ganz selbstverständlich mitdenkt, haben wir Inklusion wirklich verstanden.“

(RP/PM)

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