Barrierefreiheit im Nahverkehr in NRW noch mangelhaft

Behindertenbeauftrager klagt über Probleme für Rollstuhlfahrer. Wow: Der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr will nun den Fahrplan um Hinweise auf Aufzüge erweitern…

Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR)

Die Züge und Busse im Nahverkehr in Nordrhein-Westfalen sind für viele Rollstuhlfahrer und Gehbehinderte nur eingeschränkt nutzbar. „Mit einem Rollstuhl sind Sie nicht frei, überall einzusteigen und überall auszusteigen. Sie werden behindert“, sagte Norbert Killewald (SPD, seit September 2010 Behindertenbeauftragter in NRW) der Nachrichtenagentur dapd in Düsseldorf. Rollstuhlfahrer und gehbehinderte Menschen könnten sich im öffentlichen Personennahverkehr nicht frei bewegen.

Norbert Killewald (Foto: KAWA)

Ein Problem seien die unterschiedlichen Schienenhöhen. Selbst wenn ein Rollstuhlfahrer an einem Bahnhof ohne Schwierigkeiten einsteigen könne, sei das beim Aussteigen an einem anderen Bahnhof nicht immer der Fall.

Die vom Sozialverband Deutschland aufgestellte Forderung, die staatlichen Subventionen an Verkehrsunternehmen von der Barrierefreiheit abhängig zu machen, unterstütze er. „Öffentliche Förderung muss an die vollständig gleichberechtigte gesellschaftliche Teilhabe gekoppelt werden“, sagte Killewald.

40 Jahre, bis alle Züge umgerüstet sind

Er betonte jedoch, um einen barrierefreien Zugverkehr zu ermöglichen, müssten alle Gleise auf ein einheitliches, niedriges Niveau gesenkt und auch die Züge angepasst werden. „Bis alle Züge umgerüstet sind, dauert es wohl 40 Jahre.“ Da geriet der Anspruch der UN-Konvention, wonach alle Behinderten die gleichen Möglichkeiten wie Nichtbehinderte haben müssen, mit der Wirklichkeit aneinander. Er habe Verständnis dafür, dass in NRW nicht alle Busse neu bestellt werden können, damit sie von Rollstuhlfahrern nutzbar seien. „Es muss dem Behinderten aber bekannt sein, wann der barrierefreie Bus fährt.“

Nicht nur Rollstuhlfahrer und Gehbehinderte seien von zu hohen Gleisen oder fehlenden Aufzügen in Bahnhöfen betroffen. „Das Thema Barrierefreiheit ist nicht auf Behinderte beschränkt.“ Es gebe 300.000 Babys und Kleinkinder, die in Wagen und Buggys transportiert würden. „In den vergangenen fünf Jahren wurden etwa 400.000 Rollatoren verkauft. Wir haben eine Viertel Millionen Menschen, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind“, zudem gebe es eine nicht zählbare Größe, die gerade an Krücken gehe. „Es sind zehn Prozent der Bevölkerung, die im Moment so eine Hilfe brauchen. Und dafür lohnt es sich, den öffentlichen Personennahverkehr umzugestalten“, sagte Killewald.

Die Sprecherin des Verkehrsverbunds Rhein-Ruhr (VRR), Sabine Tkatzik, kündigte an, der Verbund wolle seine Fahrplanauskunft im Internet um Informationen zu Aufzügen und Rolltreppen erweitern. „Dieses System soll in den nächsten Jahren ertüchtigt werden“, kündigte sie an. Betroffene können dann erfahren, ob die Aufzüge auch tatsächlich funktionierten. Sie betonte, es liege ein großer Schwerpunkt auf dem Ausbau der Barrierefreiheit. Bei Ausschreibungen im Schienenverkehr verlange der VRR, dass die Züge beispielsweise ebenerdige Einstiege und behindertengerechte Toiletten hätten.

(dapd)

Diesen Artikel teilen:
ROLLINGPLANET

ROLLINGPLANET

Wir sind geil aufs Leben, seriös, oft fröhlich und ironisch, manchmal schräg, hin und wieder ungerecht, aber in den seltensten Fällen ideologisch: ROLLINGPLANET, Deutschlands führendes Online-Magazin für Behinderte, Senioren und Freunde. ROLLINGPLANET ist ein ehrenamtlich realisiertes Non-Profit-Projekt. Wir freuen uns, wenn Sie via Facebook, Twitter oder per Mail ROLLINGPLANET empfehlen. Mehr Infos: Über uns

2 Kommentare

  • Hans Stattkus

    Es ist doch eine regelrechte Diskriminierung und ein Hohn die Aussage der Frau Sabine Tkatzik:
    Zitat:
    Die Sprecherin des Verkehrsverbunds Rhein-Ruhr (VRR), Sabine Tkatzik, kündigte an, der Verbund wolle seine Fahrplanauskunft im Internet um Informationen zu Aufzügen und Rolltreppen erweitern. „Dieses System soll in den nächsten Jahren ertüchtigt werden”, kündigte sie an. Betroffene können dann erfahren, ob die Aufzüge auch tatsächlich funktionierten. Sie betonte, es liege ein großer Schwerpunkt auf dem Ausbau der Barrierefreiheit. Bei Ausschreibungen im Schienenverkehr verlange der VRR, dass die Züge beispielsweise ebenerdige Einstiege und behindertengerechte Toiletten hätten.
    Frage an Frau Tkatzik, seit wann gibt es denn Behinderten seit einem Jahr oder zwei Jahre. Dann könnte man sagen, daß alles zu schnell geht, da man noch keine Zeit hatte etwas für Rollstühle, Behinderte jedenfalls für die Barrierefreiheit etwas zu tun. Aber nicht immer diese Ausreden nächstes Jahr und in den nächsten Jahren wird etwas gemacht.
    Gruß Hans Stattkus

    13. November 2012 at 12:37
  • Hans Stattkus

    Mache einen Kurzbericht und werde in diesem Zusammenhang einen Link einsetzen um zu zeigen was für Schwierigkeiten ich habe mit der Behindertenfeindlichen speziell E-Rollstuhlfahrern und das unfreundliche Verhalten vieler Busfahrer der VRR DSW21 hier in Dortmund.

    1. http://www.ruhrnachrichten.de/lokales/dortmund/sueden/Darum-blockierte-Hans-Stattkus-20-Minuten-lang-den-Busverkehr;art2575,1729613

    2. http://www.ruhrnachrichten.de/lokales/dortmund/sueden/Bus-Blockierer-scheitert-an-Stufe-vor-Polizei-Wache;art2575,1737736

    diese beiden Sachen sind von der Staatsanwaltschaft Eingestellt worden. Bin mittlerweile bis Dato schon das 71te mal an verschiedenen Bushaltestellen stehen gelassen worden.
    Hier in Dortmund sind die Firmen die für DSW21 fahren angehalten worden, keinen Rollstuhl aus oder einsteigen zu lassen, wenn kein Erhöhter Bordstein an den Haltestellen vorhanden ist. Es sind (laut Aussage der DSW21) 70% der Haltestellen ohne Erhöhung hier in Dortmund

    13. November 2012 at 12:15

KOMMENTAR SCHREIBEN