Bayern: SPD will 200 Millionen Euro in behindertengerechte Bahnhöfe investieren

Damit würden endlich alle 1.000 Bahnhöfe im Freistaat barrierefrei. Das Ganze hat aber noch einen Haken.

Beispiel für einen nichtbehindertengerechten Bahnhof in Bayern: Miltenberg

Die gute Nachricht: Die SPD will Behinderten das Bahnfahren in Bayern erleichtern. „Wir werden bei einer Regierungsübernahme in den kommenden zehn Jahren insgesamt 200 Millionen Euro bereitstellen, um im Freistaat vor allem Bahnhöfe barrierefrei auszubauen“, kündigte SPD-Landeschef Florian Pronold in München an. Ein entsprechendes Sonderprogramm will die bayerische SPD auf ihrem Infrastruktur-Parteitag am 14. Juli in Amberg beschließen.

Pronold erklärte, von den rund 1.000 Bahnhöfen in Bayern seien allenfalls 20 Prozent behindertengerecht. „Hier besteht ein riesiger Handlungsbedarf“, sagte der SPD-Politiker und fügte an: „In einer älter werdenden Gesellschaft ist Barrierefreiheit eine Investition in die Zukunft für uns alle.“

Der Wahlkampf hat schon begonnen

Die schlechte Nachricht in dieser Angelegenheit: Vielleicht schmort die SPD in Bayern noch viel länger auf der Oppositionsbank, als ihr lieb ist. Eine aktuelle Forsa-Meinungsumfrage sieht die SPD bei den Landtagswahlen im Herbst 2013 nämlich bei nur 23 Prozent und die Regierungspartei von Horst Seehofer bei 43 Prozent. Ihre Ankündigung könnte die SPD nur realisieren, wenn sie gemeinsam mit den Grünen und Freien Wählern eine Mehrheit schafft. Aber bis dahin kann man sie ja mal versprechen, diese 200 Millionen Euro.

Ist das eigentlich viel Geld? Oder müssen wir von der SPD-Ankündigung etwa gar nicht so beeindruckt sein? Auch wenn wir uns nun als arme Schlucker outen, müssen wir ehrlicherweise zugeben, dass ROLLINGPLANET-Redakteure noch nie so viel Kohle in der Hand hatten. So viel kann das aber wohl nicht sein. Ungefähr 200 Millionen Euro würde nämlich auch ein neuer Konzertsaal in München kosten, über den Bayern ernsthaft nachdenkt – damit, wie Kritiker spotten, einige Musiker des Symphonie-Orchesters des Bayerischen Rundfunks endlich happy sind.

Text: dapd-bay/RP. Foto: Wikipedia/Rosenzweig. GNU-Lizenz für freie Dokumentation, Version 1.2 oder eine spätere Version.

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