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Behinderte Frauen sind keine leichten Mädchen

Diakonie fordert Ende der Gerüchte um angebliche Prostitution Behinderter in ihrer Einrichtung in Hildesheim.

Pastor Ulrich Stoebe (Foto: dapd)

Im Fall der gemutmaßten Prostitution behinderter Bewohner der Diakonie Himmelsthür in Hildesheim fordert die Heimleitung ein Ende der „Gerüchteküche“. Die Vorwürfe hätten sich nicht bestätigt und sich als Unterstellungen erwiesen, sagte der Direktor, Pastor Ulrich Stoebe. Die Heimleitung habe nach Bekanntwerden selbst den Kontakt zu den Ermittlungsbehörden gesucht, um an einer schnellen Aufklärung mitzuarbeiten.

Ohne belegbare Fakten sei Prostitution mit behinderten Menschen in Verbindung gebracht worden. Das führe dazu, dass gegen diese Menschen Vorbehalte und Vorurteile geschürt würden, kritisierte Stoebe. Durch die teils diffamierende Berichterstattung sei der Eindruck erweckt worden, Behinderte pflegten einen freizügigeren Umgang mit der Sexualität als der Rest der Gesellschaft. Das könne ebenfalls Voreingenommenheit begünstigen und belaste die uneingeschränkte Teilhabe Behinderter am gesellschaftlichen Leben, mahnte er.

Die „reißerische Behauptung“ sei zudem der Nährboden für sexuelle Gewalt gegenüber Behinderten, warnte der Pastor. Niemand könne Einzelfälle ausschließen, aber zum Schutz der Heimbewohner sehe sich die Diakonie „verpflichtet“, die haltlosen Vorwürfe zurückzuweisen, betonte er. Gerade behinderte Frauen „sind nicht die leichten Mädchen, die ihren Körper für kleine Gefälligkeiten hergeben“. Sie würden bedauerlicherweise häufig selbst Opfer von Sexualverbrechen, merkte Stoebe an.

Ermittlungen ergaben bislang keine Hinweise

Ermittlungen der Hildesheimer Staatsanwaltschaft hatten keine Hinweise auf Straftaten in dem Fall ergeben (ROLLINGPLANET berichtete: Keine geile Sache: Ein Sex-Skandal ohne Fakten). Bislang vernommene Zeugen hätten ihre Informationen nur vom Hörensagen, sagte eine Sprecherin.

Medien hatten am Wochenende berichtet, Diakonie-Bewohner prostituierten sich für Geld und Zigaretten. Sie beriefen sich vor allem auf die Angaben des Vaters einer Bewohnerin sowie eines früheren Zivildienstleistenden. Der heute 21-jährige habe „schwarze Zuhälterlimousinen“ beobachtet, die vor den Wohnanlagen vorfuhren und ihm zufolge bis zu vier Frauen auf einmal mitnahmen.

(dapd)

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1 Kommentar

  • Gast

    Dass nichts „rauskommt“ heißt nicht, dass es nichts gibt – siehe Studie des Bundesfamilienministeriums zu tausendfachem Missbrauch in Einrichtungen: in den wenigsten Fällen wurden Verfahren eingeleitet. Wie die „Ermittlungen“ in solchen Fällen laufen, ist ein Skandal. In diesem Fall hatten sich zunächst mehrere ernst zu nehmende Zeugen geäußert – aus reiner Sensationslust oder um „Behinderte zu diskriminieren“? Staatsanwaltliche Ermittlungen in Heimen laufen fast immer ins Leere. Warum wohl?

    16. Januar 2013 at 20:11

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