Behinderte Kinder in Heimen eingesperrt und fixiert: Bayerns Sozialministerin kündigt Kontrolle an

Erst ein Medienbericht veranlasst Müller zu reagieren – zuvor hatte ihr Ministerium die skandalösen Zustände in den Einrichtungen geleugnet.

Die bayerische Ministerin für „Arbeit und Soziales, Famile und Integration“, Emilia Müller (CSU) will künftig genauer hinschauen lassen, was mit behinderten Kindern in bayerischen Heimen geschieht. (Foto: Nicolas Armer/dpa)

Die bayerische Ministerin für „Arbeit und Soziales, Famile und Integration“, Emilia Müller (CSU) will künftig genauer hinschauen lassen, was mit behinderten Kindern in bayerischen Heimen geschieht. (Foto: Nicolas Armer/dpa)

Bayerns Sozialministerin Emilia Müller (CSU) will sich die Zustände in bayerischen Heimen genau anschauen. „Ich habe eine umfassende Kontrolle aller 104 Heime angeordnet“, sagte sie am Donnerstag in München nach einem Treffen mit den zuständigen Aufsichtsbehörden. „Das Wohl der behinderten Kinder steht für mich an erster Stelle. Deshalb haben wir bereits heute damit begonnen, die Verhältnisse in den Heimen für behinderte Kinder aufzuklären.“

Hintergrund des Treffens ist ein Bericht („Eingesperrt, isoliert, fixiert“) des Bayerischen Rundfunks über sogenannte „freiheitsbegrenzende Maßnahmen“ für geistig behinderte Kinder in einem Großteil der größten Heime im Freistaat. Von 30 befragten Einrichtungen räumten laut BR 18 derartige Maßnahmen ein, neun antworteten nicht und nur drei gaben an, bei ihnen gebe es sie nicht.

Die Aufklärung der Verhältnisse solle „auf eine breite Basis“ gestellt werden, sagte Müller. Darum habe sie für die kommende Woche einen Expertenkreis zusammengerufen, dem Vertreter der Einrichtungsträger, der Bezirke als Kostenträger, der Behindertenverbände und Eltern betroffener Kinder angehören sollen. Vor Ausstrahlung der Reportage hatte das bayerische Sozialministerium laut BR noch „bestritten, dass geistig behinderte Kinder in bayerischen Heimen eingesperrt werden.“

(RP/mit Materialien von dpa/lby)

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3 Kommentare

  • Sabine Schaetzle

    Ist unglaublich!für grenzschließung und überwachung ist Geld ohne ende da. Für mehr und qualifiziertes Personal in Heimen nicht. Und noch unglaublicher ist, dass es sich ja oft um kirchliche und oder kommunale heime handelt.

    7. April 2016 at 20:05
  • Manuel Quinckardt

    Ankündigungen sind immer gut. „hat meine Mama auch immer gemacht,“!. Hat, für den Moment, immer geholfen. Haha

    7. April 2016 at 20:45
  • André Rabe

    Schockierend. Das so etwas immer noch passiert. Erinnert einen an die Zustände in Kinderheimen aus den 50er und 60ern.

    11. April 2016 at 13:23

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