Behinderte Menschen weggesperrt und gehalten wie Tiere

„Leben in der Hölle“: ROLLINGPLANET zeigt schockierende Fotos aus Indonesien – Human Rights Watch macht auf das Problem aufmerksam.

Der Indonesier Engkos Kosasih hielt seine 50-jährige Tochter 15 Jahre lang in einem Zimmer eingesperrt, weil er dachte, sie wäre verflucht und vom Teufel besessen. „Sie grub Ernte anderer Leute aus und aß rohen Mais. Ich war beschämt und verängstigt“, sagt Kosasih. Zuerst band er ihre Handgelenke und Knöchel mit einem Kabel zusammen, aber sie schaffte es, sie zu lösen. Darum sperrte er die Tochter in der Dunkelheit ein, denn Bretter an den Fenstern sollten ihr Entkommen verhindern. Zweimal täglich schob er ihr einen Teller mit Essen durch ein Loch in der Wand rein. Das Zimmer wurde nie geputzt, weil keiner den Raum betreten hat.

Kein Einzelfall. Geistig Behinderte sind vom Teufel besessen und gehören eingesperrt oder gefesselt – so der weit verbreitete Glaube in Indonesien (Asien), dem mit 238 Millionen Menschen viertbevölkerungsreichsten Staat der Welt.

Die Dörfer der Verdammten

Unsere Bilder von Getty Images wurden in diesem Monat in Ponorogo, einem Regierungsbezirk Indonesiens, der im Osten der Insel Java liegt, aufgenommen. In den dortigen Dörfern wie Sidoharjo, Karangpatihan und Krebet („Bild“ nannte sie, ausnahmsweise nicht übertrieben, „Die Dörfer der Verdammten“) vegetieren mehr als 400 Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit psychosozialen Erkrankungen und Behinderungen vor sich hin, viele von ihnen sind geistig stark zurückgeblieben. Sie leben mit einer Erkrankung, die in der Gegend „Kampung Idiotie“ genannt wird und laut Medienberichten dem Down-Syndrom sehr ähnlich ist.

Das Einsperren und Unterdrücken von Familienmitgliedern mit psychischen Problemen, das so genannte Pasung, wurde 1977 in Indonesien verboten, doch in der Praxis bleibt dieses Problem bestehen. Laut einem neuen Bericht („Leben in der Hölle“) von Human Rights Watch werden mehr als 57.000 Menschen mit echten oder vermeintlichen geistigen Behinderungen mindestens einmal in ihrem Leben gefangen gehalten.

(RP)

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3 Kommentare

  • Andrea Bröker

    Furchtbar!

    31. März 2016 at 22:56
  • Karin

    Entsetzlich! Die Bilder und Berichte erinnert mich an rumänische Behinderteneinrichtungen wie Cigit, in denen man Behinderte ähnlich verwahrlost dahinvegetieren ließ. Aufgedeckt wurden diese katastrophalen Lebensbedingungen behinderter Menschen in Rumänien 1990, nach dem Zerfall des Ostblocks. Damals sorgten Medienberichte dafür, daß Hilfsorganisationen gründet wurden, die den Behinderten und deren Betreuern zeigten, wie man menschenwürdig unterbringen, fördert und integriert kann. Ich finde für die Behinderten in Indonesien sollten die Medien genauso intensiv berichten, wie damals über die Behindertenheime in Rumänien, damit auch diesen Menschen durch Spenden ein besseres Leben ermöglicht werden kann.

    http://www.spiegel.de/einestages/kinderheimskandal-in-rumaenien-a-947428.html

    1. April 2016 at 10:17
    • Achim Morina

      Wie Recht Sie damit haben. es ist wahrlich schockierend. Wenn man solches erblickt, sollte man ja eigentlich froh drüber sein, in einer entsprechend priveligierten Stellung zu sein bzw. gesund zu leben

      4. April 2016 at 03:29

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