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Behinderte Tochter lärmt zu viel – 82-jährige Mutter verurteilt

Wenn sie ihr Kind nicht zur Ruhe bringt, drohen Ordnungsgeld oder Ordnungshaft.

(Foto: Dieter Schütz/pixelio.de)

Bitte einmal Ruhe! (Foto: Dieter Schütz/pixelio.de)

In den USA drohten einem behinderten Mann 15 Tage Haft, weil er seine Nachbarn auslachte und die Nachtruhe störte (ROLLINGPLANET berichtete) – ein offensichtlich ähnlicher Fall ereignet sich nun offensichtlich in Nordrhein-Westfalen.

Die 82 Jahre alte Mutter einer geistig behinderten Frau muss nach einem Urteil des Bonner Amtsgerichts dafür sorgen, dass ihre Tochter weniger Krach macht. Trotz der hohen Lärm-Toleranz für Behinderte hätten auch die Nachbarn ein Recht auf körperliche Unversehrtheit, wozu die nächtliche Nachtruhe gehöre, entschied das Gericht am Donnerstag.

Nachbarn klagten wegen extremer Ruhestörung

Ein benachbartes Ehepaar hatte die 82-Jährige, die mit ihrer Tochter seit Jahrzehnten unter einem Dach lebt, wegen extremer Ruhestörung in einer Reihenhaussiedlung in Bornheim auf Unterlassung verklagt. Durch heftiges Schlagen gegen Wände und Fenster sowie durch stundenlanges Gebrüll und auch Beleidigungen terrorisiere die 57-jährige Tochter regelmäßig morgens und abends die Siedlung – sie hole die Nachbarn morgens aus dem Schlaf.

Der Amtsrichter urteilte, die tägliche Ruhestörung sei extrem. In diesem Fall müsse das verfassungsrechtlich geschützte Gebot, auf die Belange Behinderter besonders Rücksicht zu nehmen, zurückstehen. Der Richter zeigte sich davon überzeugt, dass es noch Möglichkeiten wie therapeutische und medizinische Maßnahmen (ROLLINGPLANET fragt: Meint er damit eine Packung Valium?) gebe, Einfluss auf die Tochter zu nehmen. Darum soll sich jetzt die Mutter kümmern. Andernfalls muss die 82-Jährige mit einem Ordnungsgeld oder Ordnungshaft rechnen (Az: AG Bonn 101 C 194/13).

(RP/dpa)

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2 Kommentare

  • Rolli-Franz

    Behindert oder nicht, selbst der toleranteste Nachbar kann so etwas nicht dauerhaft hinnehmen. Zudem besteht ja auch die Gefahr, dass die Frau sich selbst verletzt. Klar ist aber auch, dass die beiden offensichtlich Hilfe in irgendeiner Form benötigen, da ist der Start in der Pflicht.

    28. März 2014 at 07:30
  • Heidi

    Ich habe mehrere Jahre in einer Schule für geistig- und körperlich behinderte Kindern gearbeitet. Es gibt Gendefekte die geistige Behinderungen verursachen, die viel schwerer einschränken als ein Down Syndrom. Je nach Schwere des Gendefekts sind die Betroffenen nur sehr schwer bis nahezu gar nicht kontrollierbar. Von ihnen geht sehr viel Unruhe aus. Sie bleiben keine zehn Sekunden auf ihrem Stuhl sitzen und wandern ständig hin und her. Sie stoßen schrille Schreie aus und hauen mit Händen und Fäusten unkontrolliert auf Möbel und Zimmerwände, um sich anschließend mit lautem Gelächter an den entstandenencGeräuschen und Bewegungen zu erfreuen. Pädagogisch auf dieses Fehlverhalten Einflußnehmen kann man nicht. Auch Beruhigungsmedikamente ändern so ein Verhalten kaum. Man kann nur versuchen diese Menschen ab zu lenken. Das ist jedoch ein 24 Stunden Job, den einer alleine gar nicht stämmen kann. Schon gar nicht eine 84 Jahre alte Frau. In der Schule und teilweise auch daheim, hatten besonders anstrengende Schüler ihren eigenen Ziwi. So etwas bräuchte die geistig behinderte Tochter dieser alten Dame auch. Ich wünsche der alten Dame das sie Zugang zu den nötigen Hilfsangeboten bekommt und eine ähnliche Unterstützung beantragen kann, wie es die jungen Eltern unserer schwierigsten Schüler auch beantragen konnten.

    31. März 2014 at 10:11

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