""

Behinderte wissen halt einfach, was zweckmäßig ist und funktioniert

Im PIKSL-Labor entwickeln Menschen mit Behinderung intuitive und barrierefreie Technik. Das Projekt gehört zu den Preisträgern 2012 im Wettbewerb „365 Orte im Land der Ideen“.

Das PIKSL Labor will laut den Initiatoren eine "gute Stube für gute Ideen" sein.

Multimediale Kommunikation ist ein fester Bestandteil des Alltags geworden. Doch Menschen mit geistiger Behinderung bleibt der Zugang aufgrund von Barrieren häufig versperrt. Das Projekt „PIKSL – Personenzentrierte Interaktion und Kommunikation für mehr Selbstbestimmung im Leben“ will hier Abhilfe schaffen. Betreiber ist die gemeinnützige Gesellschaft In der Gemeinde leben (IGL). Die Initiatoren berichten.

Gleichberechtigte Experten für barrierefreie Lösungen

Die Besonderheit von PIKSL: Es bezieht geistig behinderte Menschen als Entwickler in die Erarbeitung und Umsetzung neuer Kommunikationstechnik mit ein. Im PIKSL-Labor in Düsseldorf-Flingern arbeiten sie gleichberechtigt mit Experten aus Forschung und Wissenschaft an barrierefreien Lösungen. Die Vorgehensweise im Projekt steht für einen neuen Umgang mit Behinderung. Der behinderte Mensch wird nicht als betreuungsbedürftig gesehen, sondern als kompetenter Partner im Abbau von Komplexität. Auf diese Weise zeigen Menschen mit Behinderung auch Nichtbehinderten im Umgang mit Technik neue Lösungswege auf. Mit diesem innovativen Projektansatz gehört PIKSL zu den Preisträgern 2012 im Wettbewerb „365 Orte im Land der Ideen“, der von der Standortinitiative „Deutschland – Land der Ideen“ in Kooperation mit der Deutschen Bank und unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten durchgeführt wird.

Besprechungszimmer mit mehreren Leuten und ein an die Wand projiziertes Alphabet mit der Überschrift 26 Bildzeichen oder Millionen Wörter

Designer und Behinderte suchen gemeinsam Lösungen

„Menschen mit Behinderung liegt viel daran, so selbstständig und selbstbestimmt wie möglich leben zu können. Das wäre viel selbstverständlicher, wenn sie für ihre Bedürfnisse schnell und einfach auf moderne Kommunikationstechnik zugreifen könnten“, erläutert Tobias Marczinzik, Projektleiter PIKSL. „Die Menschen die wir unterstützen wissen sehr gut, was für sie zweckmäßig und funktional ist. Sie sind Fachexperten für klare und einfache Strukturen und zeigen uns, wie weit wir die Komplexität technischer Gegenwart auf einen simpleren Nenner bringen müssen. Deshalb sind unsere Klienten gleichzeitig unsere Entwickler.“

Im Mittelpunkt des Projekts steht das PIKSL-Labor in Düsseldorf-Flingern: Über den multimedial vernetzten Ort mit Computerarbeitsplätzen können Menschen mit Behinderung – unterstützt durch ein erwachsenbildnerisches Angebot – Erfahrungen im Umgang mit digitaler Informations- und Kommunikationstechnik sammeln und ihre Kenntnisse vertiefen. Zum anderen bietet es die Möglichkeit, im Rahmen von Forschungs- und Entwicklungsprojekten neue Ideen mit zu gestalten, denn das PIKSL-Labor steht allen Fachbereichen zur interdisziplinären Arbeit offen. Kooperationspartner beispielsweise aus dem Hochschulwesen oder der Industrie können hier gemeinsam mit PIKSL-Nutzern ihr Fachwissen zusammenführen und innovative Produkte und Dienstleistungen anwenderzentriert entwickeln. Kooperationspartner der ersten Stunde ist die Fachhochschule Düsseldorf. Gemeinsam mit PIKSL-Nutzern und Studenten des Fachbereichs Design wurden im letzten Wintersemester Konzepte für barrierearme Blogsysteme erarbeitet.

Praxisnahe Lehre

„Für uns ist es wichtig, im Sinne der Projektidee, mit den Anwendern gemeinsam neue Ideen zu entwickeln und deshalb lassen wir die Seminare grundsätzlich im PIKSL-Labor stattfinden“, erklärt Dominik Mycielski, Dozent der FH Düsseldorf. „Studenten und Anwender befinden sich dort in einem ständigen iterativen Prozess, der es möglich macht, Konzepte direkt auf ihre Nutzbarkeit zu überprüfen. Die Ergebnisse orientieren sich somit an den Bedürfnissen der Zielgruppe und die Lehre ist sehr praxisnah ausgerichtet.“

Im aktuellen Sommersemester arbeitet die Fachhochschule Düsseldorf mit PIKSL gemeinsam an einem Forschungsprojekt zum Schwerpunkt „Bildzeichensprache“. Ziel sind Ideen zu einer unkompliziert und intuitiv anwendbaren Kommunikationsform mit Hilfe einer Bildzeichensprache.
Das Projekt PIKSL hat auf Landesebene in NRW Modellcharakter und wird durch sozialwissenschaftliche Forschung des ZPE (Zentrum für Planung und Evaluation Sozialer Dienste an der Universität Siegen) begleitet. Das Modellprojekt wird über die Laufzeit von drei Jahren mit Mitteln der Stiftung Wohlfahrtspflege NRW gefördert und durch die zwei Gesellschafter der IGL, die Diakonie Düsseldorf und v. Bodelschwinghsche Stiftungen Bethel unterstützt.

Weitere Informationen zu PIKSL:
http://www.piksl.net/
http://www.facebook.com/PIKSLTEAM

Diesen Artikel teilen:
ROLLINGPLANET

ROLLINGPLANET

Wir sind geil aufs Leben, seriös, oft fröhlich und ironisch, manchmal schräg, hin und wieder ungerecht, aber in den seltensten Fällen ideologisch: ROLLINGPLANET, Deutschlands führendes Online-Magazin für Behinderte, Senioren und Freunde. ROLLINGPLANET ist ein ehrenamtlich realisiertes Non-Profit-Projekt. Wir freuen uns, wenn Sie via Facebook, Twitter oder per Mail ROLLINGPLANET empfehlen. Mehr Infos: Über uns

KOMMENTAR SCHREIBEN