""

Behindertenaktivistin Yetnebersh Nigussie erhält den Alternativen Nobelpreis 2017

Die Träger des Right Livelihood Award verteidigen die Ärmsten der Armen, kämpfen für sauberes Trinkwasser und gegen Korruption und machen sich für die Rechte von Behinderten stark.

Yetnebersh Nigussie erblindete im Alter von fünf Jahren. (Foto: Light for the World)

Yetnebersh Nigussie erblindete im Alter von fünf Jahren. (Foto: Light for the World)

Die Äthioperin Yetnebersh Nigussie gehört zu den vier Preisträgern, die 2017 den „Right Livelihood Award“ (Auszeichnung für die richtige Lebensweise) erhalten. Die Ehrung, die als Alternativer Nobelpreis bekannt ist, wird seit 1980 jährlich von der Right Livelihood Stiftung vergeben. Sie würdigt Personen, Organisationen und Repräsentanten sozialer Bewegungen, die sich mit praktischen Lösungen und Modellen für menschenwürdige Lebensweisen einsetzen. Das Preisgeld ist unterschiedlich (weil von Spenden finanziert, zuletzt betrug es 300.000 Euro), das sich die Gewinner/innen teilen. In diesem Jahr sind dies:

Yetnebersh Nigussie (Äthopien)

Die 35-jährige Rechtsanwältin setzt sich in ihrer Heimat Äthiopien, aber auch weit darüber hinaus für die Rechte von Behinderten und inklusive Bildung ein. Sie ist selbst seit ihrem sechsten Lebensjahr blind. Dadurch entkam sie laut der Right Livelihood Stiftung einer frühen Heirat und konnte auf eine Blinden-Schule gehen. Nigussie gehört zu den Mitbegründern des äthiopischen Zentrums für Behinderung und Entwicklung und arbeitet als Inklusionsbeauftragte für die Nichtregierungsorganisation „Light for the world“ (Licht für die Welt).

Was Wikipedia über Yetnebersh Nigussies schreibt:

Ihr Vater entstammte einer Familie von orthodoxen Priestern. Sie hat sieben Geschwister. Nigussie erblindete im Alter von fünf Jahren aufgrund einer Meningitis-Infektion. Eine Behandlung in einem Krankenhaus erhielt sie eigenen Angaben zufolge erst zwei Jahre später.

Nigussie besuchte auf Rat ihrer Großmutter in Shashemene eine von katholischen Nonnen geführte Blindenschule. Hier wurden ihre Fähigkeiten gefördert und sie erkannte laut eigenen Angaben, dass Frauen in der afrikanischen Gesellschaft als sozial ungleich angesehen werden. Nigussie besuchte danach die „Menelik II Senior Secondary School in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba“ und studierte auch an der dortigen Universität Rechtswissenschaft.

Dabei profitierte sie davon, dass in den 1960er- und 1970er-Jahren Amerikaner an ihrer Hochschule eine große Bücherei mit Büchern in Brailleschrift eingerichtet hatten. „Wir Blinden hatten daher kein Problem mit den ‚alten‘ Gesetzen. Unser Problem waren die neuen Gesetze, die nach dem Regierungswechsel in den 1990ern gekommen ist (…). Wir haben sehende Menschen gebraucht, die uns die neuen Gesetze vorgelesen haben, die wir selbst in Braille transkribierten“, so Nigussie.

Robert Bilott (USA)

Der Umweltrechtler vertrat in einem 19 Jahre dauernden Rechtsstreit 70.000 Menschen im Umkreis von Parkersburg (US-Bundesstaat West Virginia), deren Trinkwasser mit Perfluoroctansäure (PFOA) verseucht worden war. Der 52-Jährige trat dabei gegen den US-amerikanischen Chemie-Giganten DuPont an. Er erstritt nicht nur eine Entschädigung für seine Mandanten, sondern drängt seitdem auch auf eine bessere Regulierung giftiger Chemikalien. Der Fall brachte laut Right Livelihood Stiftung zahlreiche wissenschaftliche Erkenntnisse über PFOA und führte letztlich dazu, dass die Produktion der gesundheitsschädlichen Chemikalie weltweit nach und nach eingestellt wird.

Colin Gonsalves (Indien)

Der 1952 geborene Inder gilt als einer der erfolgreichsten Menschenrechtsanwälte. Er ist Rechtsanwalt am Obersten Gerichtshof Indiens und gründete 1989 das Human Rights Law Network. Das Netzwerk vertritt Arme, Slumbewohner, Flüchtlinge und moderne Sklaven vor Gericht. 2001 erstritt Gonsalves das „Recht auf Nahrung“ und damit kostenlose Schul-Mittagessen und eine Subventionierung von Getreide für 400 Millionen arme Inder. Gonsalves und sein Netzwerk erreichten auch, dass private Krankenhäuser Opfer von Säureattacken kostenlos behandeln müssen. Laut Right Livelihood Stiftung ist es ihr Prinzip, niemals einen armen Klienten abzuweisen.

Khadija Ismayilova (Aserbaidschan)

Für die 41 Jahre alte Investigativjournalistin gibt es bei ihren Recherchen im autoritär geführten Aserbaidschan kein Tabuthema. Sie deckte auf, wie sich die Familie von Präsident Ilham Aliyev in der öl- und gasreichen Ex-Sowjetrepublik bereicherte. Oft wurde Ismayilova die Arbeit erschwert. Sie wurde mit der Veröffentlichung von Sex-Videos erpresst und 2014 festgenommen. Wegen Steuerhinterziehung wurde sie zu siebeneinhalb Jahren Gefängnis verurteilt, nach einiger Zeit aber auf Bewährung freigelassen. Diese Einschüchterungen seien kein Einzelfall, sagte sie später. In der „Süddeutschen Zeitung“ schrieb sie Anfang September: „Das Entführen und Zusammenschlagen von Journalisten ist in Aserbaidschan zur Routine geworden.“

(RP/mit Materialien von dpa)

Diesen Artikel teilen:
ROLLINGPLANET

ROLLINGPLANET

Wir sind geil aufs Leben, seriös, oft fröhlich und ironisch, manchmal schräg, hin und wieder ungerecht, aber in den seltensten Fällen ideologisch: ROLLINGPLANET, Deutschlands führendes Online-Magazin für Behinderte, Senioren und Freunde. ROLLINGPLANET ist ein ehrenamtlich realisiertes Non-Profit-Projekt. Wir freuen uns, wenn Sie via Facebook, Twitter oder per Mail ROLLINGPLANET empfehlen. Mehr Infos: Über uns

KOMMENTAR SCHREIBEN