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Behindertenbeauftragter gedenkt behinderter und psychisch erkrankter Opfer der NS-Massenmorde

Der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, Hubert Hüppe, richtet am 27.01.2012 um 14:00 Uhr im Foyer der Berliner Philharmonie eine Gedenkveranstaltung für die Opfer der Massenmorde der Nationalsozialisten an behinderten und psychisch erkrankten Menschen aus.

Gedenktafel Tiergartenstraße 4 (Foto: Andreas Liebke, http://schizophrenie-genesung.de)

Anschließend wird der Beauftragte um 15:00 Uhr einen Kranz an der Gedenktafel in der Tiergartenstraße 4 niederlegen.

Zusammen mit geladenen Gästen aus Politik, Kultur, Betroffenenverbänden sowie Verbänden der Opferangehörigen lässt der Beauftragte am zentralen Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus vor allem Jugendliche mit und ohne Behinderung zu Wort kommen. Neben der Projektpräsentation einer Berliner Schulklasse, die sich intensiv mit den NS-Massenmorden an behinderten und psychisch erkrankten Menschen auseinandergesetzt hat, findet auch eine Lesung mit Schauspielern des international bekannten Theaters RambaZamba statt. Als Vertreterin der Opferangehörigen spricht Sigrid Falkenstein. Musikalisch wird die Veranstaltung u.a. von Werken des Schönberg-Schülers Norbert von Hannenheim begleitet, der 1945 in der NS-‚Euthanasie’-Anstalt Meseritz-Obrawalde zu Tode kam.

Seit seinem Amtsantritt in 2010 veranstaltet Hubert Hüppe die Kranzniederlegung am 27. Januar. „Es ist ein ermutigendes Signal, dass die in den vergangenen Jahren auf der Gedenkveranstaltung vorgebrachten Forderungen nach Entschädigung der Opfer und Umgestaltung des bestehenden Gedenkortes nunmehr aufgegriffen wurden“, betonte der Beauftragte mit Verweis unter anderem auf Beschlüsse des Deutschen Bundestages im letzten Jahr. Jetzt gehe es darum, an der Umsetzung weiter zu arbeiten, etwa die Umgestaltung des Gedenkortes und die Aufarbeitung voranzubringen, so Hubert Hüppe.

Bedeutung des Veranstaltungsortes

Der Ort für die Gedenkveranstaltung ist nicht zufällig gewählt. Teile des Foyers der heutigen Philharmonie stimmen in den Grundrissen überein mit dem ehemaligen Stadtpalais ‚Tiergartenstraße 4’. Von dort aus planten die Nationalsozialisten 1940-1941 im Rahmen der sogenannten „T4-Aktion“ unter direktem Befehl der „Kanzlei des Führers“ die systematische Zwangssterilisierung und Tötung von Menschen mit sogenannten „geistigen Behinderungen“ oder psychiatrischen Erkrankungen. Diese wurde nach Protesten innerhalb der Bevölkerung dezentralisiert. Die Opfer wurden in ‚Pflegeanstalten’ deportiert und kamen in Gaskammern, bei medizinischen Experimenten oder durch den Hungertod ums Leben. Mehr als 300.000 Menschen mit Behinderungen oder psychiatrischen Erkrankungen fielen der menschenverachtenden Ideologie der Nazis zum Opfer.

Was auf der Gedenktafel steht

Text auf der Gedenktafel „Ehre den vergessenen Opfern“ (siehe Foto oben):

An dieser Stelle, in der Tiergartenstraße 4, wurde ab 1940 der erste nationalsozialistische Massenmord organisiert, genannt nach dieser Adresse Aktion T4.
Von 1939 bis 1945 wurden fast 200.000 wehrlose Menschen umgebracht. Ihr Leben wurde als „lebensunwert“ bezeichnet, ihre Ermordung hieß „Euthanasie“.
Sie starben in den Gaskammern von Grafeneck, Brandenburg, Hartheim, Pirna, Bernburg und Hadamar.
Sie starben durch Exekutionskommandos, durch geplanten Hunger und Gift.
Die Täter waren Wissenschaftler, Ärzte, Pfleger, Angehörige der Justiz, der Polizei, der Gesundheits- und Arbeitsverwaltungen.
Die Opfer waren arm, verzweifelt, aufsässig oder hilfsbedürftig.
Sie kamen aus psychiatrischen Kliniken und Krankenhäusern, aus Altenheimen und Fürsorgeanstalten, aus Lazaretten und Lagern.
Die Zahl der Opfer ist groß, gering die Zahl der verurteilten Täter.

Eckdaten der Gedenkveranstaltung:
Datum: 27.01.2012
Ort: Hauptfoyer der Philharmonie Berlin, Herbert-von-Karajan-Straße 1, Haupteingang
Einlass: 13:30 Uhr
Beginn: 14:00 Uhr
Kranzniederlegung an der Gedenkplatte: ab 15:00 Uhr


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