Behinderung ist kein „moralischer Qualitätsvorsprung“

Was der manchmal vollgekrümelte Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) in einem Interview über sein Leben im Rollstuhl sagt.

So fährt man Akten durch die Gegend: Wolfgang Schäuble (Foto: Michael Kappeler/dpa)

Das Pech, plötzlich im Rollstuhl zu sitzen, hilft Wolfgang Schäuble (seit einem Attentat am 12. Oktober 1990 während einer Wahlkampfveranstaltung querschnittgelähmt) in politisch heiklen Phasen wie der Euro-Krise.

„Die Erfahrung, dass von einem auf den anderen Tag alles anders sein kann, macht gelassener.“ Dies sagte er in einem Interview mit dem Wirtschaftschmagazin „Capital“ (Ausgabe 11/2012, seit gestern am Kiosk).

Auch schwere Rückschläge müssten einen nicht zurückwerfen, es gehe immer weiter, so der Bundesfinanzminster. „Das macht mich ein Stück weit resistenter gegen die Aufregungen im Tagesgeschäft.“

Was Schäuble sonst noch über seine Behinderung sagt

Weitere Auszüge aus dem „Capital“-Interview:

„Es gibt bessere Situationen, als sich mit anderen Leuten um das Büfett zu drängen, dann vielleicht auch noch von oben vollgekrümelt zu werden.“

„Natürlich liegt für viele der Schluss nahe: Wer behindert ist, muss verbittern. Mich hat der Rollstuhl weder härter noch verbitterter gemacht. Er hat mich auch nicht zu einem besseren Menschen gemacht.“

Im Rollstuhl zu sitzen, sei kein „moralischer Qualitätsvorsprung“ (findet ROLLINGPLANET auch).

„Ich sage gelegentlich zu anderen Behinderten: Alle Menschen sind behindert – aber wir wissen es wenigstens.“

Nach dem Attentat habe er versucht, „so wenig zu hadern wie möglich – und mir gesagt: Mach das Beste draus, sonst verdirbst du dir den Rest deines Lebens. Das ist mir relativ gut gelungen.“

(ots/RP)

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1 Kommentar

  • Kasia Kowalska

    auch wenn ich den schäuble politisch nicht so ganz dolle mag – an dem punkt verdient er aber meinen vollen respekt :) da mag ich ihn 😉

    19. Oktober 2012 at 09:52

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