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„Bei meinem Bausatz fehlt was“: 8 Fakten zu Dr. Angelika Trabert

Sie verlor tragisch ihren Freund. Sie führt in ihrem Urlaub kostenlose OPs in Westafrika durch. Die Silber- und Bronzemedaillengewinnerin bei den Paralympics 2012 ist Dressurreiterin, Mutter Theresa und Ärztin ohne Grenzen.

Angelika Trabert (Foto: privat)

1. Aktueller Erfolg

In London gewann gestern Angelika Trabert, 44, Bronze im Einzel (hinter der Teamkollegin Britta Näpel, siehe auch unser Special ROLLINGPLANET PARALYMPICS 2012) und Silber im Team. Ihr Pferd: Ariva Avanti. „Wir haben das Beste aus uns herausgeholt. Das macht mich glücklich.“ Die Hessin (wohnt in der Nähe von Frankfurt) reitet seit über 20 Jahren erfolgreich, es sind ihre vierten Paralympics.

2. Warum man sie die Mutter Theresa nennt

Sie ist eine Teamplayerin und hilft, wo sie nur kann. Mit spezieller Ausrüstung für die Exoten bei den Paralympics. Mit Ratschlägen auf ihrer Homepage. Auch gestern sagte sie: „Ja, so eine Medaille ist schön. Aber mir geht es um mehr, um die ganze Reitfamilie hier.“ Sie betont: „Wir geben uns hier gegenseitig viele Tipps, man muss doch das Rad nicht neu erfinden“. Sie ist Athletensprecherin bei der Internationalen Reiterlichen Vereinigung FEI.

3. Ihr Erfolgsgeheimnis

„Man muss das, was man tut, einfach lieben und wollen. Das ist mein Geheimrezept, was eigentlich keines ist“, sagt Trabert.

4. Was ihre Behinderung für den Sport bedeutet

Dreirad-Fan Angelika Trabert

Trabert wurde mit einer Dysmelie, einer Fehlbildung beider Beine, geboren, und an der rechten Hand fehlen ihr zwei Finger: „Bei meinem Bausatz fehlt was. Warum, weiß keiner“. Sie fährt Rollstuhl, aber am liebsten ein elektrisch angetriebenes Dreirad. Damit rollte sie auch in London auf das Siegerpodest.

Ihr fehlen die Schenkel, mit denen sie dem Pferd die Hilfen geben könnte. „Wenn ich den falschen Gesäßmuskel anspanne, überträgt sich das sofort aufs Pferd. Das sind so sensible Tiere“. Das fehlende Gleichgewicht versucht sie so gut es geht mit der Gerte (Sonderanfertigung) zu kompensieren.

5. Wie kommt sie auf das Pferd?

Sattelschrank „Hannes“ beinhaltet nicht nur das ganze Equipment, sondern dient auch als unkomplizierte Aufsitzhilfe.

Gestern bei den Paralympics schwang sie sich per Huckepack auf dem Rücken von Trainer Heinrich Brähler in den Sattel. Zu Hause dient ein portabler Sattelschrank als Aufsteighilfe.

6. Was macht sie beruflich?

Trabert (l.) im OP.

Angelika Trabert arbeitet als Anästhesieärztin. Im Job trägt sie Prothesen, die sie auf Augenhöhe mit Patienten und Kollegen bringen. Sie pendelt zwischen zwei Kliniken in Offenbach und Höchst hin und her. Da kommt es schon mal vor, dass Stute Ariva gesattelt auf dem Reitgelände im 100 Kilometer entfernten Herbstein vergeblich auf sie wartet. Nur für die Vorbereitung auf die Paralympics reduzierte Trabert die Arbeitszeit auf vier Tage.

7. Warum sie eine Ärztin ohne Grenzen ist

Anfang 2013 fliegt die Medizinerin zum dritten Mal ins westafrikanische Guinea, um zusammen mit einem freiwilligen Ärzteteam 200 Operationen durchzuführen. „Das ist mir wirklich wichtig im Leben.“ Sie wurde 2010 von der FEI mit der Auszeichnung „Against all odds“ (Gegen alle Widerstände) geehrt.

8. Ihr größter Schicksalsschlag

2005 verunglückte ihr Freund tödlich. Der Rettungsflieger war bei einem Löscheinsatz über Südfrankreich abgestürzt. „Ein ,geht nicht‘ war in seinem Wortschatz undenkbar“, schreibt Angelika Trabert auf ihrer Homepage. Sie lebt das Lebensmotto weiter.

(Michaela Widder/dapd/RP/Alle Fotos: http://www.angelika-trabert.de)


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1 Kommentar

  • Andrew

    Liebe Angelika
    Respekt und herzlichen Glückwunsch zur Medaille von einem Ex Artemer.
    Habe deinen Namen eben in den Nachrichten gehört
    Glückwunsch und Super gemacht.
    Andrew

    3. September 2012 at 22:31

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