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Beim RSV Lahn-Dill geht die Ära Joey Johnson zu Ende

Der Kapitän sagt „good bye“: Der wertvollste Spieler, der jemals für diesen Klub gespielt hat, denkt glücklicherweise nicht nur an Rollstuhlbasketball, sondern auch an seine Familie.

Joey Johnson (Foto: Mediashots Werbefotografie)

Joey Johnson (Foto: Mediashots Werbefotografie)

(aj) Nach neun Jahren und insgesamt 19 Titeln auf nationaler wie internationaler Ebene wird Kapitän Joey Johnson beim RSV Lahn-Dill am Ende der Saison aufhören und zurück in seine kanadische Heimat gehen. Dort will er mit seiner Frau Missy und den Kindern Owen, Kamryn und Brody ein Leben nach dem Sport aufbauen. Insbesondere soll die Einschulung seiner Tochter Kamryn in Kanada erfolgen.

Vom Meeresrauschen nach Wetzlar

Der 37-Jährige war 2003 aus dem australischen Wollongong (bedeutet in der lokalen Aborigine-Sprache „Meeresrauschen“ oder „reiche Fischmahlzeit“) in die mittelhessische Provinz zum RSV Lahn-Dill gewechselt. Der damals 28-jährige hatte maßgeblichen Anteil an einer bis dato unerreichten Siegesserie der Lahn-Diller von mehr als 34 Monaten. Vor allem aber führte der Kanadier die Wetzlarer Rollis zu je sieben nationalen Meisterschaften und Pokalsiegen sowie vier Champions League Triumphen und dem Weltpokalsieg 2010 im japanischen Kitakyushu.

Für den RSV Lahn-Dill geht damit eine Ära zu Ende, auch wenn der europäische Ranglistenerste in den letzten zwei Jahrzehnten bereits zahlreiche Umbrüche überstehen musste und dies fast ausnahmslos erfolgreich meisterte.

Die vielen Umbrüche des RSV Lahn-Dill

Einst gingen Stefan Donner und Günter Ritter, dann Spieler wie der heutige Trainer Nicolai Zeltinger.

2006 erfolgte mit dem Abgang von Patrick Anderson, Lars Christink, Markus Sniegocki und Nora Schratz der größte personelle Einschnitt – mit dem Ergebnis, dass der Wetzlarer Klub 2010 in Rom eindrucksvoll auf den Champions League Thron zurückkehrte. Zu verdanken war dies insbesondere Johnson, der nach dem Abgang von Anderson und Christink die Kapitänsrolle beim RSV übernommen hatte – die Mannschaft von damals gilt als das beste Team in der Geschichte des Vereins.

In bisher 262 Pflichtspielen für den RSV Lahn-Dill erzielte er 3.928 Punkte. Das sind durchschnittlich 15 Punkte pro Spiel.

“Der normale Weg im Leben“

Bereits im vergangenen Sommer deutete Joey Johnson an, dass das Ende seines Engagements nach der Spielzeit 2011/2012 wegen seiner Tochter nicht aufgeschoben werde könnte. „Wir haben Joey vor einigen Wochen noch einmal ein Angebot für das kommende Jahr unterbreitet, wohl wissend, dass die Entscheidung eigentlich längst gefallen war, aber dies waren wir ihm schuldig“, so Trainer Nicolai Zeltinger. “Für uns ist ein RSV ohne Joey Johnson aktuell natürlich schwer vorzustellen, aber dies ist nun einmal der normale Weg im Leben“.

Manager Andreas Joneck stellt zudem klar: „Joey Johnson ist der wahrscheinlich wertvollste Spieler, der jemals für diesen Klub gespielt hat. Wir haben uns gegenseitig sehr viel zu verdanken, aber der RSV wird auch zukünftig sportlich dort stehen, wo er jetzt ist“.

Mit Joey Johnson verlässt nun ein nicht nur auf dem sportlichen Parkett exzellenter Weltklasse-Center sein Team, sondern auch ein Vorbild außerhalb des Spielfeldes im RSV-Umfeld. Der zweifache Paralympics-Sieger für Kanada ist nicht nur für die Rollis aus der Domstadt ein Inbegriff, sondern genießt auch in der Bundesliga höchsten Respekt als tadelloser Sportsmann.

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