Berliner Ehrung für Tötungsphilosophen Peter Singer absagen!

Ein Kommentar von Hubert Hüppe anlässlich der Ankündigung einer öffentlichen Ehrung des australischen Bioethikers.

Hubert Hüppe ist Bundestagsabgeordneter (CDU) und war bis 2014 Behindertenbeauftragter der Bundesregierung. (Foto: Hüppe)

Hubert Hüppe ist Bundestagsabgeordneter (CDU) und war bis 2014 Behindertenbeauftragter der Bundesregierung. (Foto: Hüppe)

Die Berliner Urania ist aufgefordert, eine für den 26. Mai angekündigte Preisverleihung an den australischen Tötungsphilosophen Peter Singer abzusagen.

Der umstrittene Philosoph Peter Singer ist mit Thesen aufgefallen, die man nicht anders als menschenfeindlich einordnen kann. Er plädiert dafür, dass unter bestimmten Bedingungen Eltern schwerstgeschädigte Neugeborene töten lassen dürfen. Singer hat vorgeschlagen, eine Phase von 28 Tagen nach der Geburt festzusetzen, nach der das Lebensrecht erst in Kraft tritt. Singer hat die Auffassung vertreten, dass wir gegenüber Menschen, die ihrer selbst nicht bewusst sind, nicht zur Lebenserhaltung verpflichtet sind.

Jetzt soll er für seinen Einsatz für Tierrechte geehrt werden. Dabei ist Singer aber nicht einmal ein Freund aller Tiere. Die konsequente Anwendung seiner Thesen bedeutet, dass nur solche Tiere Rechte haben können, die sich ihrer selbst bewusst sind, während junge Tiere ohne Selbstbewusstsein getötet werden dürfen – genauso wie ein noch nicht interessenfähiges Menschen-Baby.

Pseudo-ethisches Gedankengut

Peter SingerDie Laudatio auf Peter Singer (Foto: Wikipedia/Joel Travis Sage) hält der Sprecher der Giordano-Bruno-Stiftung, die Peter Singer für sein Engagement für Tierrechte bereits 2011 ihren Ethik-Preis verliehen hatte. Es ist offensichtlich kein Zufall, dass die Giordano-Bruno-Stiftung aktuell eine Kampagne für Sterbehilfe betreibt.

Dass es eine Abfolge von „Denken – Schreiben – Töten“ geben kann, zeigt ein historisches Beispiel. 1920 war von Binding und Hoche „Die Freigabe der Vernichtung lebensunwerten Lebens – Ihr Maß und ihre Form“ erschienen. In Hoches Freiburger Vorlesungen saß auch Werner Heyde, der ab 1939 die Patientenmorde der „Aktion T4“ organisierte. Hoches Gedankengut war offenbar auf fruchtbaren Boden gefallen.

Die Menschen, deren Tötung Singer rechtfertigt, sind nicht in der Lage, ihm selbst zu widersprechen. Jemandem, der bereit ist, akademisch darüber zu diskutieren, welche Menschen unter welchen Voraussetzungen getötet werden dürfen, Raum zu bieten, ist für mich inakzeptabel.

Die Preisverleihung an Peter Singer trägt dazu bei, ein pseudo-ethisches Gedankengut wieder salonfähig zu machen, das nach den Gräueltaten der Nationalsozialisten an Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen nie wieder aufkeimen sollte. Die Berliner Urania wäre daher gut beraten, diese Veranstaltung in ihren Räumlichkeiten nicht stattfinden zu lassen.

(RP)

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9 Kommentare

  • Angela Thiedemann

    Ich hoffe das meine Pflegetochter bis dahin wieder gesund ist. Dann bin ich auf jedem Fall dabei. So ein Mensch hat kein Recht eine Auszeichnung zu erhalten. Wer kommt denn auf die absurde Idee, diese Person auszuzeichnen? Ich habe erst gedacht, quatsch so schlimm kann er nicht sein, weil wer so eine Auszeichnung erhält, hat ja dafür etwas geleistet. Dann habe ich mal ein bisschen rumgeschaut und bin entsetzt. Nur alleine das Interview mit dem Spiegel. Der Mann darf keine Auszeichnung erhalten. Nie und nimmer. Leute, ich werde mein Kind hegen und pflegen, damit sie am Dienstag wieder fit ist und wir nach Berlin können.

    21. Mai 2015 at 14:31
  • Torsten Schwarz

    Das erinnert an das nationalsozialistiche Euthaniepolitik….einfach widerlich…

    21. Mai 2015 at 15:40
  • Thomas Friedrich

    Wieder das übliche Gezeter. Warum versucht man nicht stattdessen, Singer mit logischen Argumenten zu widerlegen? Das ist natürlich schwieriger als der Ruf nach Maulkörben. Singer ist nicht umsonst einer der berühmtesten Moralphilosophen unserer Zeit. Denn es IST fragwürdig, warum ein Säugling ohne jede Spur von Selbstbewusstsein ein Lebensrecht haben sollte, während andere Tiere, die sich auf einem höheren geistigen Niveau befinden, zum Abschuss freigegeben werden, nur weil sie nicht unserer Spezies angehören. Warum sollte sich unsere Ethik noch an der Speziesgrenze orientieren? Wir wissen heute, dass alle Säugetiere eng miteinander verwandt sind, und dass eine „Spezies“ nur eine Menge von Lebewesen ist, die sich untereinander paaren können. Wo ist da die moralische Signifikanz? Wäre aus jeder Generation unserer Vorfahren noch ein Exemplar am Leben, dann könnten wir nicht mal sagen, wo die Grenze zwischen Menschen und Nicht-Menschen verläuft.

    21. Mai 2015 at 16:40
    • Wolf-Dietrich Trenner

      sowie er mir erklärt, was sein „Standpunkt des Universums“ ist steige ich gerne in einen Diskurs ein. Solange er den aber zur Grundlage der Lebenswertentscheidung macht ohne ihn sauber zu definieren ist er für mich nicht seriös.

      23. Mai 2015 at 22:45
  • Antje Michaelis

    Für „Teilen“ wäre ich dankbar!!!

    21. Mai 2015 at 21:25
  • Michael W.

    Liebe Demonstranten gegen Peter Singers Ideen,
    bitte belasst es morgen beim Demonstrieren und lasst euch nicht dazu überreden, mit aggressiven Methoden einen Philosophen am reden zu hindern. Ich will das Forum nicht zuspammen, also habe ich meine Gründe in einem Blog dargelegt. Wir sehen uns morgen 🙂 http://www.proredefreiheit.wordpress.com

    26. Mai 2015 at 01:58
  • Epikur63

    Hallo,

    weil sich die Diskussion Singers von einem anderen Artikel hierher verlagert hat, kopiere ich einmal ein paar Anmerkungen. Zunächst: Die Behauptung, Singer würde Behinderten Lebensrechte absprechen, ist unsinnig. Im Gegenteil: Er schrieb z.B.

    “Wir meinen (…), dass die reichen Nationen sehr viel mehr tun sollten, um behinderten Menschen ein erfülltes, lebenswertes Leben zu ermöglichen und sie in die Lage zu versetzen, das ihnen innewohnende Potential wirklich auszuschöpfen. Wir sollten alles tun, um die oft beklagenswert schlechte institutionelle Betreuung zu verbessern und die Dienstleistungen bereitzustellen, die behinderten Menschen ein Leben außerhalb von Institutionen und innerhalb der Gemeinschaft ermöglichen”

    Warum wird nun gegen jemanden, der so etwas schreibt, so sehr agitiert? Die Ablehnung Singers kommt. vor allem aus Richtung der katholische Kirchen und ihr nahestehender konservative Medien. Herr Hüppe, Autor des Artikels oben, ist z.B. sehr auf Seiten der Abtreibungsgegner engagiert und Singer hält Abtreibung für moralisch vertretbar: Ein rotes Tuch für viele Katholiken.

    An der katholischen Basis gibt es natürlich viele, die sich für Behinderte engagieren. Aber wenn es darum geht, z.B. Priester zu werden, gibt es weiterhin Diskriminierung. Hier ein Beispiel:
    https://www.aktion-mensch.de/presse/pressemitteilungen/detail.php?id=142

    Grund dafür ist die Bibel. Dort steht in 3.Mose 21,16-22:
    “Die körperliche Tauglichkeit für das Priesteramt
    16 Der Herr sprach zu Mose: 17 Sag zu Aaron: Keiner deiner Nachkommen, auch in den kommenden Generationen, der ein Gebrechen hat, darf herantreten, um die Speise seines Gottes darzubringen.
    18 Denn keiner mit einem Gebrechen darf herantreten: kein Blinder oder Lahmer, kein im Gesicht oder am Körper Entstellter … sich nicht dem Altar nähern; denn er hat ein Gebrechen und darf meine heiligen Gegenstände nicht entweihen.”

    Welche Position vertritt Singer? Die philosophisch-ethische Position, die er vertritt, nennt sich “Präferenzutilitarismus”. In der praktischen Anwendung ergibt sich dabei z.B. der sogenannte “effektive Altruismus” (siehe beides z.B. bei Wikipedia).

    Die entscheidende Frage für Singer ist, ob ein Lebewesen Empfindungen haben kann. Eine Eizelle hat sie z.B. noch nicht, daher ist es für ihn moralisch nicht verwerflich, eine Abtreibung vorzunehmen. Wenn eine Behinderung so geartet ist, dass das Lebewesen keine Empfindungen haben kann, also etwa bei einer extremen Hirnschädigung, dann gilt für ihn das Gleiche. Wenn ein behinderter Mensch empfindungsfähig ist, dann leitet Singer daraus ab, dass er schützenswert ist und die moralische Verpflichtung besteht, sein Glück zu fördern und ihn zu unterstützen.

    Um sich einen Eindruck von Singer zu verschaffen, sollte man sich auch kurz anschauen, wie er selbst lebt., z.B. spendet er seit vielen Jahren rund ein Viertel seines Einkommens an wohltätige Organisationen. Bevor man jemanden so scharf verurteilt, wie es teils geschieht, sollte man sich diese Person anschauen. Auf Wikipedia findet man ein paar Artikel, wer Englisch nicht scheut sollte einen Blick auf Projekte werfen, die er ins Leben gerufen hat, z.B.

    http://www.thelifeyoucansave.org/
    http://effective-altruism.com/

    29. Mai 2015 at 13:42
  • Epikur63

    noch eine Ergänzung: Ich erwähnte oben das Project „The life you can save“ von Peter Singer und den Link dazu. Schaut Euch einfach mal das 3 Minuten Video an, mit dem für dieses Projekt geworben wird (und dann vielleicht dessen Internetseite).

    Danach fragt Euch bitte, ob Ihr ohne weitere Prüfung einfach glauben wollt, dass dieser Mann und seine Ethik wirklich so monströs sind wie es oft erzählt wird oder ob es sinnvoll ist, mal etwas genauer hinzuschauen und zu lesen, was der Mann selbst meint.

    Hier der Link zum Video
    https://www.youtube.com/watch?t=23&v=onsIdBanynY

    29. Mai 2015 at 13:55

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