""

Berufsunfähigkeitsversicherung: Krankheiten nicht verschweigen

Wer lügt oder nicht alles verraten hat, kriegt keine Kohle, falls der Ernstfall eintritt.

Symbolfoto: Ein Bauschlosser beantragte wegen eines Rückenleidens Berufsunfähigkeit (Foto: Sergej23/pixelio.de)

Symbolfoto: Ein Bauschlosser beantragte wegen eines Rückenleidens Berufsunfähigkeit (Foto: Sergej23/pixelio.de)

Beim Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung dürfen Arbeitnehmer frühere Krankheiten nicht verschweigen. Ansonsten bekommt sie im Ernstfall kein Geld. Das hat das Oberlandesgerichts Karlsruhe in einem Urteil entschieden (Az.: 12 U 140/12). Denn die Versicherung kann den Vertrag wegen arglistiger Täuschung anfechten.

In dem Fall ging es um einen Bauschlosser, der im Januar 2011 wegen eines Rückenleidens Leistungen wegen Berufsunfähigkeit beantragte. Der Mann hatte 2001 die Aufnahme in die Versicherung beantragt. Auf die Frage im Antragsformular, ob er in den letzten zehn Jahren an Krankheiten, gesundheitlichen Störungen oder Beschwerden gelitten habe oder leide, antwortete er mit „Nein“.

„Arglistige Täschung“

Die Versicherung lehnte den Antrag des Bauschlosser auf Leistungen ab – und focht den Vertrag wegen arglistiger Täuschung des Bauschlossers an. Die Versicherung konnte darlegen, dass die Angaben des Klägers zu vergangenen Krankheiten lückenhaft waren.

Tatsächlich war er in dem nachgefragten Zeitraum an mehreren Tagen arbeitsunfähig: 1994 waren es vier Tage wegen Schulterbeschwerden und drei Tage wegen einer Bindehautentzündung. 1996 waren es 13 Tage wegen eines Blutgerinnsels in Hämorrhoiden, 1997 acht Tage wegen Hexenschuss, 1998 34 Tage wegen eines Blutgerinnsels unter der Haut am Anus, 1999 26 Tage wegen ähnlicher Beschwerden.

Erfolglos geklagt

Daraufhin klagte der Bauschlosser – jedoch ohne Erfolg. Der Kläger habe die Berufsunfähigkeitsversicherung mittels eines Betruges erlangt. Er habe die Gesundheitsfragen objektiv falsch beantwortet, so die Richter.

Es sei zwar verständlich, dass der Kläger die Angabe der Bindehautentzündung, die fast sieben Jahre zurücklag, für unerheblich gehalten hat. Er hätte aber zumindest die Arbeitsunfähigkeit wegen der Blutgerinnsel erwähnen müssen. Sie lagen bei der Antragstellung auch noch nicht lange zurück.

(dpa)

Diesen Artikel teilen:
ROLLINGPLANET

ROLLINGPLANET

Wir sind geil aufs Leben, seriös, oft fröhlich und ironisch, manchmal schräg, hin und wieder ungerecht, aber in den seltensten Fällen ideologisch: ROLLINGPLANET, Deutschlands führendes Online-Magazin für Behinderte, Senioren und Freunde. ROLLINGPLANET ist ein ehrenamtlich realisiertes Non-Profit-Projekt. Wir freuen uns, wenn Sie via Facebook, Twitter oder per Mail ROLLINGPLANET empfehlen. Mehr Infos: Über uns

2 Kommentare

  • Leah

    Dass falsche Angaben einer arglistigen Täuschung gleichzusetzen sind, halte ich für ein wenig übertrieben. Aus Sicht der Versicherer ist das ja wieder eine prima Entscheidung, um ihre Kunden weiter unter Druck zu setzen. Wer traut sich denn noch, wenn nur der kleinste Verdacht bestehen sollte, einen Leistungsantrag zu stellen. Ich würde das sicherlich nicht mehr tun.

    25. April 2013 at 09:14
  • Klaus

    Bei der BU Versicherung sollte vor Abschluß auf die Vertragsklauseln geachtet werden. Dabei finde ich die von Finanztest bewertete Klarheit bei den Gesundheitsfragen wichtig.
    Dabei sollten die Gesundheitsfragen im Antrag so formuliert sein, daß eine eindeutige Antwort möglich ist.
    Nur so hat es die BU Versicherung im Leistungsfall schwer nicht zu zahlen.
    Manchmal hat ja der Kunde beim Abschluß der Versicherung gar nicht die Möglichkeit alle Fragen eindeutig zu beantworten.

    18. Juni 2013 at 13:08

KOMMENTAR SCHREIBEN