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Beta-Interferon: Altes MS-Medikament mit neuer Wirkung

Zulassung von Peginterferon in Europa bis zum Ende des Jahres erwartet.

Eine Spritze mit Peginterferon alfa 2a zwischen Filmtabletten des Medikaments Ribavirin (Foto: dpa)

Eine Spritze mit Peginterferon alfa 2a zwischen Filmtabletten des Medikaments Ribavirin (Foto: dpa)

Beta-Interferon ist der wichtigste Wirkstoff zur Therapie von Multipler Sklerose. Eine neue Version des 20 Jahre alten Medikaments vereinfacht die Anwendung: Es muss jetzt nur noch alle zwei Wochen gespritzt werden. Bei dem neuen Präparat verlängert der Zusatz Polyethylenglycol (PEG) die Wirkdauer im Körper. Die vom Hersteller finanzierte Zulassungsstudie prüfte Wirkung und Verträglichkeit ein Jahr lang an rund 1500 Patienten mit schubförmiger MS in 26 Ländern, darunter Deutschland.

Peginterferon senkte bei zweiwöchiger Gabe die Zahl der Krankheitsschübe im Vergleich zum Placebo um rund 36 Prozent. Die Zahl neuer Nervenschädigungen lag um 67 Prozent niedriger, das Fortschreiten von Behinderungen um 38 Prozent. Zudem entwickelten weniger als ein Prozent der Patienten Antikörper, die die Arzneiwirkung schwächen – bei konventionellem Beta-Interferon sind es etwa 20 Prozent. Grippeartige Nebenwirkungen berichtete knapp die Hälfte der Patienten. Diese Ergebnisse decken sich zum großen Teil mit Studienresultaten zu herkömmlichem Beta-Interferon.

„Wird führende Stellung in der MS-Therapie verlieren“

Professor Ralf Gold von der Neurologischen Universitätsklinik der Universität Bochum glaubt, dass Peginterferon für jene bundesweit rund 30.000 Patienten infrage kommt, die bisher Beta-Interferon bekommen. Für sie könnte sich die Einnahme deutlich vereinfachen, was auch die Therapietreue verbessern dürfte, sagt der Neurologe. „Aber wer bisher Nebenwirkungen hatte, der wird sie auch weiterhin behalten.“

Gold rechnet damit, dass Peginterferon in Europa bis zum Ende diesen Jahres zugelassen wird. Angesichts neuer oraler Medikamente würden die Interferone ihre führende Stellung in der MS-Therapie jedoch in den kommenden zwei Jahren verlieren, vermutet er.

(RP/dpa)

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