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Beucher: „Von Versprechungen kann keiner bezahlt werden“

Interview mit dem DBS-Präsidenten, der gestern ausflippte, über die finanziellen Schwierigkeiten des Verbandes. Von Martin Kloth

Archivfoto: Friedhelm Julius Beucher, wiedergewählter Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes (DSB), im Hintergrund: Michael Ilgner, Vorsitzender des Vorstandes der Deutschen Sporthilfe (r). (Foto: Frank Rumpenhorst dpa/lhe)

Archivfoto: Friedhelm Julius Beucher, wiedergewählter Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes (DSB), im Hintergrund: Michael Ilgner, Vorsitzender des Vorstandes der Deutschen Sporthilfe (r). (Foto: Frank Rumpenhorst dpa/lhe)

Neun Monate vor den Winter-Paralympics in Sotschi ist Friedhelm Julius Beucher als Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS) wiedergewählt worden. Der DBS ist mit rund 650.000 Mitgliedern der größte nationale Behindertensportverband der Welt.

Beuchers Start in die zweite Amtszeit war holprig: Bei der Satzungsänderung am Samstag auf dem Verbandstag in Seeheim-Jugenheim (Hessen) fiel ein Passus zur Mitgliederzählung durch. Der DBS kann daher eine vom Hauptvorstand beschlossene Beitragserhöhung nicht umsetzen. „Das geht so nicht“, schimpfte Beucher (ROLLINGPLANET berichtete: Zoff beim DBS: Rücktrittsdrohung von Präsident Beucher).

Im Interview benennt der 66 Jahre alte Pädagoge die Folgen und gibt einen Ausblick auf Sotschi.

„Das ist eine Frage der Zukunftsfähigkeit des DBS“

Wie sehr schmerzt die abgelehnte Satzungsänderung?

Hier sind wir mit unserer Auffassung gescheitert, eine einheitliche Mitgliederbestandserhebung zu machen. Deswegen ist das nicht aufgehoben, sondern nur aufgeschoben, weil im Hauptvorstand eindeutige Mehrheiten da waren. Da haben eben Hauptvorständler nicht mit ihren Delegierten kommuniziert. Dafür beschimpfe ich sie nicht.

Wir stellen uns dieser Aufgabe und bilden sehr schnell die Strukturkommission und werden einen Außerordentlichen Verbandstag 2014 einberufen. Das ist eine Frage der Zukunftsfähigkeit des DBS.

Welche Folgen hat dies?

Wir hatten eine im Hauptvorstand beschlossene Erhöhung der Mitgliedsbeiträge vorsorglich in den Haushalt eingerechnet und gesagt, wenn er nicht kommt, müssen wir personelle Konsequenzen ziehen und können manche Projekte nicht machen.

Und vor allem – das ist, wo sich die Landesverbände selbst ins Fleisch schneiden – Dienstleistungen, die sie von uns erwarten können, können wir nicht bringen, weil wir Personal reduzieren müssen.

Werden jetzt Mitarbeiter entlassen?

Nein. Wir können das auffangen durch Stundenreduktion. Als Präsident, der sehr starke gewerkschaftliche Bindungen und Orientierungen hat, ist es das Letzte, was ich mitmache, Veränderungen von Tarifverträgen. Nur, von Versprechungen kann keiner bezahlt werden.

Das heißt, der ausgeglichene Haushalt für 2013 ist nicht haltbar?

Der 2013 aufgestellte Haushalt ist durch, der ist finanziert. Wir haben jetzt im Herbst den Haushalt für 2014 aufzustellen. Und der wird eben mit so viel Minderausgaben belastet sein. Es sei denn, die Landesverbände denken über eine Einmalabgabe nach, um genau das zu verhindern.

Im kommenden Winter stehen die Paralympics an. 2010 in Vancouver standen 13 Siege und Platz eins der Nationenwertung zu Buche. Was will der DBS nun in Sotschi erreichen?

Wir werden mit einem deutlich reduzierten Team in Sotschi auftreten. Es haben nach Vancouver drei weltweite Größen im deutschen Paralympics-Sport Winter ihre Karriere beendet: Verena Bentele, Gerd Schönfelder und Martin Braxenthaler. Damit sind Abonnementsieger weg.

Aber wir haben eine vielversprechende Nachwuchsarbeit, die bereits Früchte getragen hat. Wir gehen von einer Athletenzahl 15 plus X aus und hoffen, dass sich die Sledgehockey-Mannschaft im November qualifiziert.

(dpa)


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