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Bier, Bumsen, Bye bye

Paukenschlag: Der deutsche Rekordmeister im Rollstuhlbasketball, der USC München, wird sich vermutlich aus der ersten Bundesliga zurückziehen.

Im vergangenen Jahr trafen beide im Pokalendspiel aufeinander: Für die Spieler des Noch-Bundesligisten USC München (rot, mit Sebastian Magenheim, der inzwischen für die Mainhatten Skywheelers aus Frankfurt spielt) ist der RSV Lahn-Dill (blau) ein Vorbild, dem sie es gerne nachmachen würden (Foto: Armin Diekmann)

Im vergangenen Jahr trafen beide im Pokalendspiel aufeinander: Für die Spieler des Noch-Bundesligisten USC München (rot, mit Sebastian Magenheim, der inzwischen für die Mainhatten Skywheelers aus Frankfurt spielt) ist der RSV Lahn-Dill (blau) ein Vorbild, dem sie es gerne nachmachen würden (Foto: Armin Diekmann)

Bis 30. April müssen sich Basketballvereine beim Deutschen Rollstuhlsport-Verband (DRS) für den Ligabetrieb der kommenden Saison anmelden. Momentan sieht es ROLLINGPLANET-Informationen zufolge danach aus, dass sich der USC München aus der ersten Bundesliga verabschieden wird – ein Paukenschlag.

Der USC München ist ein Dinosaurier der deutschen Rollstuhlbasketball-Liga. Obwohl der letzte Titel lange zurückliegt (1996 Deutscher Meister), sind die Münchener immer noch Deutscher Rekordmeister (13 Titel). Bis vor einem Jahr war der USC zudem Deutscher Pokalrekordsieger – ehe er abgelöst wurde vom RSV Lahn-Dill, der heute das ist, was der USC München einst war: das Aushängehängeschild dieser Sportart hierzulande.

Erste Mannschaft versus Vorstand

Im Club aus der bayerischen Hauptstadt rumort es: Die Spieler der ersten Mannschaft um Spielertrainer Benjamin Rkylin fühlen sich vom Verein nicht ausreichend unterstützt – dessen Vorstand weist darauf hin, dass es dem ehrenamtlich geführten, gemeinnützigen Verein gar nicht erlaubt sei, noch mehr Geld in sein Bundesligateam zu investieren und setzt dem Vernehmen nach auf Breiten- und leistungsorientierten Amateursport.

Eine Auffassung, die vom größten Teil der Vereinsmitglieder unterstützt wird – und offensichtlich Früchte trägt: Die zweite Mannschaft, die überwiegend aus jungen Spielerinnen und Spielern besteht, ist soeben ohne Niederlage von der Regionalliga in die 2. Bundesliga Süd aufgestiegen.

Für eine Saison in der obersten Liga sind alleine für den Spielbetrieb mindestens 30.000 Euro zu kalkulieren. Bei Lahn-Dill, argumentieren Befürworter der Professionalisierung, betrage das Jahresbudget dank Sponsoren wie Stada 750.000 Euro. Dort wurde zu diesem Zweck allerdings auch eine eigene Firma gegründet. Beobachter können Rkylin & Co. verstehen, glauben aber auch, dass diese den organisatorischen und rechtlichen Aufwand, wie ihn die Hessen betreiben, naiv unterschätzen.

Lizenzübertragung gescheitert

Bei dem seit Monaten schwelenden Streit beim USC München wurde von den Spielern der Bundesligamannschaft lange Zeit eine Lizenzübertragung diskutiert. Dabei sollte die erste Mannschaft vom Verein den Namen und die Rechte für den Spielbetrieb nutzen dürfen und als eigenständige Spielergemeinschaft agieren.

Eine Lösung, die offensichtlich nicht praktikabel ist: Der USC München verweist darauf, dass der DRS eine solche Lösung bereits abgelehnt habe, weil ansonsten ein nicht gewünschter Präzedenzfall geschaffen würde.

Noch ist eine endgültige Entscheidung nicht gefallen. Mitglieder rechnen jedoch damit, dass der seit Jahrzehnten gültige USC-Schlachtruf „Bier, Bumsen, Basketball“ in der Bundesliga vorerst nicht mehr zu hören ist. Dann heißt es Bye Bye.

(PM)

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