„Bild“: Dieser Mann ist ein Schock

ForseA zeichnet den Münchner Andreas Vega für seine Verdienste um die Rechte Behinderter mit dem Elke-Bartz-Preis aus.

Preisträger Andreas Vega

Als der Münchner Andreas Vega vor 33 Jahren einem Heim den Rücken kehrte, um mit drei ebenfalls behinderten Mitstreitern eine Wohngemeinschaft zu gründen, war das damals geradezu ungeheuerlich. Unterstützt bei diesem Vorhaben wurden sie von der Vereinigung Integrationsförderung, einem der ersten ambulanten Dienste, der für die WG-Bewohner die Zivildienstleistenden stellte und sie auch sozialpolitisch vertrat. Zu dieser Zeit musste ein Leben in Freiheit noch gerichtlich erkämpft werden. Die Kostenträger rechneten sich bereits bankrott.

„Im Jahr 1989 begann durch den Wegfall der Zivildienstleistenden ein neuer Abschnitt, der den Beginn des Arbeitgebermodells einläutete“, erinnert sich Gerhard Bartz, Vorsitzender von ForseA (Forum selbstbestimmter Assistenz behinderter Menschen e.V.). „Natürlich verlief diese Umstellung nicht ohne Schwierigkeiten, Kämpfe, Verhandlungen, die sich über einen langen Zeitraum hinzogen.“ Die „Bild“ machte damals gewaltig Stimmung: „Ein Millionenschock für München“.

“Unermüdlicher Kämpfer

Wie der Bundesverband ForseA heute, am vierten Todestag seiner Gründungsvorsitzenden Elke Bartz, mitteilt, wird Andreas Vega – der im Münchner Stadtteil Nymphenburg lebt und am Montag 52 Jahre wird – mit dem Elke-Bartz-Preis ausgezeichnet.

Gründungsvorsitzende Elke Bartz starb 2008 (Foto: ForseA)

Die Biografien von Andreas Vega und Elke Bartz weisen zahlreiche Parallelitäten auf, so der Verband:

„Beide mussten sich aus Heimen freikämpfen, beide mussten ihre persönliche Assistenz durch den Wegfall der Zivildienstleistenden auf festangestellte Assistenzpersonen umstellen. Bei beiden war es erforderlich, sich das Leben in Freiheit gerichtlich zu sichern. Und beide stellten ihre Erfahrungen frühzeitig der Allgemeinheit zur Verfügung.“

Vega sei ein Mann, der „unermüdlich für die Rechte von Menschen mit Behinderung kämpft und hoffentlich noch lange nicht müde wird.“

Vega engagierte sich unter anderem bei der Organisation der deutschen Teilnahme am Freedom Drive 2011 in Straßburg, ist Mitorganisator des Sommercamps in Duderstadt, baute einen Reisedienst einschließlich mehrerer Reisebusse für barrierefreies Reisen auf und entwickelte Konzepte für Aktionen und Kampagnen, die von der Aktion Mensch gefördert wurden.

Der E-Rollstuhlfahrer nahm außerdem teil am Runden Tisch zum Aktionsplan in Bayern

“Ein großartiger Mitstreiter“

In der heutigen Zeit, in der die Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen in Deutschland gültig sei, „ist dieser Kampf unendlich wichtig“, so ForseA. „Denn die Bundesregierung und die Kostenträger sind der Ansicht, dass diese Konvention längst umgesetzt ist. Zahllose Gegenbeweise werden ignoriert.“ Dafür habe man versucht, „behinderte Menschen als Zeugen für die Umsetzung zu missbrauchen. Dieser Versuch ging gründlich schief. Behinderte Menschen werden angesichts des mehr als geschönten Staatenberichts dieser Regierung einen Parallelbericht an die Vereinten Nationen senden, der die Situation authentisch beschreiben wird.“ Bei allen diesen Aktivitäten sei Andreas Vega ein großartiger Mitstreiter.

Die Übergabe des nicht dotierten Preises erfolgt am 26. September 2012 im Rahmen einer Feierstunde im Berliner Kleisthaus, dem Dienstsitz des Beauftragten der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen.

Bisherige Preisträger waren unter anderem die Bundestagsabgeordneten Dr. Ilja Seifert und Silvia Schmidt.

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