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„Bild“ zwangsbeglückt Deutschland

Bekannt für große Buchstaben: "Bild"-Aufmacher

Unter dem Motto „Bild für alle“ will das Bouleverd-Blatt zu seinem 60. Geburtstag im Juni sämtliche 41 Mio. deutschen Haushalte mit einer Gratis-Ausgabe beliefern. Auch Werbeverweigerer sollen ein Exemplar erhalten, heißt es explizit in einer Werbebroschüre des Blattes. Werbeeinschaltungen für die Jubiläumsausgabe werden zu sehr hohen Preisen verkauft.

Die zum Axel-Springer-Medienkonzern gehörende „Bild“-Zeitung feiert ihren 60. Geburtstag am 24. Juni 2012. Die Gratis-Ausgabe soll schon am 23. in allen deutschen Privat-Briefkästen zu finden sein. „Aus Markensicht ist das problematisch. Es gibt sicher einen Anteil von Konsumenten, die eine Zwangsbeglückung ablehnen. An einen nachhaltigen Imageschaden glaube ich bei einer einmaligen Aktion aber nicht“, sagt Oliver Schmitt, Chef der Agentur viennabrand.

Rechtlich komplex

Auf Nachfrage vermuten mehrere deutsche Rechtsanwälte, dass diese Vorgehensweise zu rechtlichen Problemen führen könnte. Die Frage ist allerdings sehr komplex und berührt mehrere juristische Spezialgebiete. „Es wird sicher Beschwerden geben, die ‚Bild‘-Zeitung hat immer schon polarisiert. Die Erweiterung des Leserkreises wird eine einmalige Sache bleiben“, sagt Schmitt.

Normalerweise hat „Bild“ eine Auflage von etwa 2,7 Mio. Exemplaren. Die Geburtstags-Edition soll in mehreren Etappen gedruckt werden. In der Werbebroschüre von Axel Springer Media Impact wird die Aktion als „größte Vertriebsaktion in der Geschichte von Bild“ angepriesen. Inhaltlich soll die Spezial-Ausgabe „Editions-Charakter“ haben und „einen Bogen von der Vergangenheit in die Zukunft“ spannen. „Wenn die Ausgabe gut gemacht ist, kann sich auch ein positiver Effekt für Bild ergeben“, sagt Schmitt.

Saftige Anzeigenpreise – so viel zahlen Firmen

Die hohe Reichweite, die durch die Zwangsbeglückung von 41 Mio. Haushalten erreicht werden kann, lässt sich der Springer-Konzern fürstlich bezahlen. Werbekunden, die eine Anzeige schalten wollen, müssen für ein ganzseitiges Inserat satte vier Mio. Euro auf den Tisch legen. Eine halbe Seite kostet 2,2 Mio. und ein „VIP-Streifen“ auf der Rückseite 1,3 Mio. Euro. Durch Rabatte können Werbekunden zwar noch mit Nachlässen rechnen, die Preise bleiben aber stattlich.

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