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Bitte einmal blaue Augen, blonde Haare und auf gar keinen Fall mit Macke

Adolf lässt grüßen: US-Firma patentiert DNA-Analyse für Kinderwunsch. Genetische Merkmale vorhersagender „Erbgutrechner“ löst Kritik aus.

Speichelrpobe-Box von 23andme

Speichelrpobe-Box von 23andme

Die Firma „23andMe“ hat ein Tool patentiert, das es erlaubt, Sperma- und Eizellenspender basierend auf dem erwünschten Nachwuchs auszuwählen. Das Unternehmen will diese Technologie nur dafür nutzen, dass Kunden sehen können, welche Eigenschaften ihr Kind erben könnte, berichtet der NewScientist. Das Unternehmen sequenziert DNA aus den Speichelproben der Kunden, die für diese Leistung 99 Dollar bezahlen.

Monopol für Test?

Laut eigenen Angaben hat sich 23andMe der Aufgabe verschrieben, den Menschen dabei zu helfen, ihre genetischen Informationen besser zu verstehen. Derzeit werden rund 400.000 Kunden darüber informiert, ob sie über erhöhte Krankheitsrisiken verfügen oder woher ihre Vorfahren stammen.

Als Gegenleistung dafür beantworten die Kunden Fragebögen. Damit wird dem Unternehmen eine Forschung ermöglicht, die DNA-Sequenzen mit verschiedenen Charakteristiken wie Krankheitsrisiken in Zusammenhang bringt. Das erste Patent deckte die diagnostischen und therapeutischen Implikationen eines Gens ab, das mit Parkinson in Zusammenhang steht. Besorgte Bürger protestierten in der Folge vehement. Sie befürchteten, dass das Unternehmen ein Monopol für Tests auf dieses Gen anstreben könnte.

Gegner kritisieren Hang zur Eugenik

Das neue Patent vom 24. September deckt das DNA-Analyseverfahren ab, welches das Unternehmen bei seinem sogenannten „Erbgutrechners“ einsetzt. Dabei handelt es sich um ein interaktives Feature auf der Website von 23andMe. Zwei Kunden können damit berechnen, wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, dass ihr Kind über einen bestimmten Phänotyp oder bestimmte genetische Charakteristiken verfügt.

Was ist Eugenik?

Eugenik (von altgriechisch eu ‚gut‘ und genos ‚Geschlecht‘) oder Eugenetik bezeichnet seit 1883 die Anwendung theoretischer Konzepte auf die Bevölkerungs- und Gesundheitspolitik mit dem Ziel, den Anteil positiv bewerteter Erbanlagen zu vergrößern (positive Eugenik) und den negativ bewerteter Erbanlagen zu verringern (negative Eugenik). Der britische Anthropologe Francis Galton (1822–1911) prägte den Begriff. Um 1900 entstand auch der Gegenbegriff Dysgenik, der „Schwächung des genetischen Potentials“ bedeutet.

Abgedeckt werden nur sechs Charakteristiken wie Augenfarbe, Beschaffenheit und damit zusammenhängende Belastbarkeit der Muskeln für Ausdauer oder kurze Belastungen, Laktoseintoleranz oder ob sich die Gesichtsfarbe verändert, wenn die Nachkommen Alkohol trinken. Das Patent beschreibt den Einsatz des Verfahrens jedoch als Auswahlverfahren für Sperma oder Eizellen. Es soll ermöglichen, aus einer Vielzahl möglicher Spender einen bevorzugten zu ermitteln.

Grundlage dafür sind zumindest zum Teil festgelegte statistische Informationen. Ethiker macht diese Wahlmöglichkeit Sorgen. Untersuchungen auf Krankheiten sind ethisch vertretbar, bestätigt Michael Sandel von der Harvard University. Der Einsatz von DNA für die Auswahl anderer Charakteristiken grenze jedoch bereits an Eugenik.

(pte)

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2 Kommentare

  • JenniThomas

    Bor, das wäre ja cool, wenn das funktioniert.

    4. Oktober 2013 at 20:04
  • Andrea Bröker

    Ist das die moderne Form des Lebensborn? *grusel*

    5. Oktober 2013 at 02:40

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