""

Bitte einmal Pizza senza barriera

Streetspotr und Wheelmap starten Foto-Aktion in 65 deutschen Städten, um rollstuhlgerechte und -feindliche Plätze zu dokumentieren.

Hier gibt es eine Rampe: Ein Foto erklärt es besser als manch lange Beschreibung

Hier gibt es eine Rampe: Ein Foto erklärt es besser als manch lange Beschreibung (Foto: Wheelmap)

Was entsteht, wenn sich eine visuelle Datenkrake und Sozialhelden zusammentun? So eine Art Nationale Soziale Aktion (NSA).

Zum zweiten Mal rufen das zwei Jahre junge Nürnberger Unternehmen Streetspotr und das gemeinnützige Projekt Wheelmap.org (Onlinekarte für rollstuhlgerechte Orte) aus Berlin dazu auf, alles zu knipsen, was sich einem Rollifahrer so in den Weg stellt – Stufen, schmale Eingänge und andere Barrieren. Aber auch Plätze, die ohne Hürden oder dank Rampen für Menschen auf vier Rädern gut zu erreichen sind.

Das Pixelmaterial soll Rollstuhlfahrern, Familien mit Kinderwägen und älteren Menschen mit Rollatoren dabei helfen, ihren Alltag planbarer zu machen – damit es etwa auch mit „Pizza senza barriera“ (Pizza ohne Barrieren) klappt.

Viele fleißige Helferchen

Streetspotr ist eigenen Angaben zufolge Europas größte „mobile Workforce“ – und eine geniale Idee, die zwar vermutlich noch keine schwarzen Zahlen schreibt, aber zumindest theoretisch großes wirtschaftliches Potential hat.

Beispiel: Ein Unternehmen will wissen, wie auffällig seine Produkte in einem Geschäft platziert sind. Bisher musste er dafür einen teuren Außendienst einsetzen, der das nachprüft. Günstiger geht das mit digitalen Menschen, die unterwegs sind und sowieso nicht die Finger von ihrem Mobiltelefon lassen können.

Beim sogenannten „Mobile Crowdsourcing“ erledigen Angaben von Streetspotr zufolge bereits über 200.000 Smartphone-Nutzer gegen ein kleines Honorar (unterschiedlich und abhängig vom Kunden) Aufgaben schnell und direkt vor Ort.

Da es bei Wheelmap um eine gute Sache geht, machen zahlreiche Streetspotr-User kostenlos mit, wie sich bei der ersten Aktion im Mai gezeigt hat: Da kamen 7000 Fotos von öffentlichen Orten wie Restaurants, Eiscafés oder Bars zusammen, um die Barrieren zu dokumentieren. Auch dieses Mal wird Streetspotr die von seinen Usern eingereichten Daten Wheelmap spenden.

„Eine große Hilfe“

„Unsere Community hat die Aufgabe begeistert angenommen und findet es toll, ein soziales Projekt mit ihrem Einsatz zu unterstützen. Die erste Foto-Aktion hat uns allen gezeigt, wie einfach es ist, etwas für mehr Rollstuhlgerechtigkeit zu tun“, sagt Dorothea Utzt, Mitgründerin und Marketingchefin von Streetspotr.

Friederike Werner, Produktmanagerin von Wheelmap, freut sich: „Die Fotos sind eine große Hilfe, wenn es um die individuelle Entscheidung geht, ob ein Ort zugänglich ist. Viele Geschäfte, Restaurants undsoweiter haben eine kleine Stufe im Eingangsbereich, die für einige Rollstuhlfahrer überwindbar ist und für andere nicht. Ein Bild sagt da mehr aus als eine lange Beschreibung.“

Wer mitmachen will, muss sich zunächst bei Streetspotr registrieren und eine App herunterladen: http://www.streetspotr.com

(RP/PM)

Diesen Artikel teilen:
ROLLINGPLANET

ROLLINGPLANET

Wir sind geil aufs Leben, seriös, oft fröhlich und ironisch, manchmal schräg, hin und wieder ungerecht, aber in den seltensten Fällen ideologisch: ROLLINGPLANET, Deutschlands führendes Online-Magazin für Behinderte, Senioren und Freunde. ROLLINGPLANET ist ein ehrenamtlich realisiertes Non-Profit-Projekt. Wir freuen uns, wenn Sie via Facebook, Twitter oder per Mail ROLLINGPLANET empfehlen. Mehr Infos: Über uns

1 Kommentar

  • Sabine Kreyenborg

    ich hab heute gemerkt wie hinderlich eine popelige Türschwelle sein kann 🙁

    31. August 2013 at 20:59

KOMMENTAR SCHREIBEN