Blinde Frau in Koblenz aus Supermarkt geschmissen

Filialleiterin lässt sich nicht einmal von der Polizei belehren.

Koblenz-Lützel

Eine blinde Touristin ist gestern im Koblenzer Stadtteil Lützel eines Lebensmitteldiscounters verwiesen worden. Grund für den Rausschmiss war, dass sie ihren Hund bei dem Einkauf mit sich führte. Die Frau beschwerte sich daraufhin bei der Polizei.

Diese klärte die Filialleiterin auf, dass zwar grundsätzlich keine Hunde in Lebensmittelgeschäften mitgeführt werden dürften. Genau in dieser Vorschrift ist allerdings ebenso die Ausnahme für Führhunde, darunter Blindenhunde, geregelt. Demnach dürfen diese EU-weit auch in Geschäfte, die offene Lebensmittel veräußern, mitgeführt werden.

Nach Angaben der Polizei bestand die Filialleiterin auf ihr Hausrecht, wollte aber eine „generelle Klärung mit der Geschäftsführung des Discounters“ herbeiführen. Wofür? fragt sich ROLLINGPLANET – Gesetze sind Gesetze.

Die Touristin musste ihre Einkäufe andernorts tätigen.

An diesem Sonntag ist niemand für weitere Informationen in dieser Angelegenheit zu erreichen – ROLLINGPLANET wird sich bemühen, am Montag den Namen des Supermarkts nachzureichen: Netto war es – hier geht es zu weiteren Details

Text: dapd-rps/RP. – Foto: Wikipedia/Holger Weinandt. Diese Datei ist unter der Creative Commons-Lizenz Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland lizenziert.

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3 Kommentare

  • Rigobert Scherf

    Den Leserbrief von Dieter Busch kann ich nur unterstützen. Was in Koblenz-Lützel im Netto Markt passiert ist, ist unmenschlich und verachtend. Dieses Verhalten der Marktleiterin ist unverständlich. Auch als die Polizei versuchte die Marktleiterin zu belehren, hatte sie kein einsehen und hat von ihrem Hausrecht Gebrauch gemacht. Menschen sollen wie Menschen behandelt werden, insbesondere behinderte Mitbürger. Der Blindenführhund ist das Augenlicht des blinden Menschen. Dies sollte sich die Filialleiterin mal ins Bewusstsein ziehen. Durch diese Verhaltensweise der Marktangestellten kann auch der Touristik Schaden zugefügt worden sein.
    Koblenz mit seinen Menschen ist eine liebenswerte Stadt auch für behinderte Menschen.Diesen Beweis hat im letzten Jahr die Buga gegeben. Ich möchte meinen Kommentar mit den Worten von Dieter Busch schließen: „Behindert ist man nicht, behindert wird man“.

    Rigobert Scherf
    Vorsitzender des VdK Kreisverbandes

    23. Juli 2012 at 19:11
  • Dieter Busch

    Wie bekennen wir uns zu Menschen mit Behinderungen? Wie leben wir zusammen? Besagte Filialleiterin wird mir diese Fragen mit Sicherheit nicht beantworten können. Vielleicht fehlt ihr hier ganz einfach die entsprechende Bildung? Es mag ihr vielleicht auch an Empathie mangeln? Ihr Einfühlungsvermögen mag auch nicht so ausgeprägt sein? Wir wissen es nicht? Was wir wissen ist, dass sie durch ihre mangelnde Einsicht uns vor Augen führte, wie groß die Entfernung von Nichtbehinderten zu Menschen mit Behinderung derzeit noch ist.

    Obwohl ich vorerst besagtes Geschäft nicht mehr betreten werde und ich hoffe, dass es mir einige gleich tun werden, suche ich nach einer Entlastung für besagte Filialleiterin.

    Meine Vorwürfe richten sich in erster Linie gegen den Lebensmitteldiscounter der, wie berichtet, sein Geschäft in der Nähe des Neuendorfer Campingplatz betreibt. Er hätte seiner Filialleiterin darauf hin weisen müssen, dass …“Hunde, die von schwerbehinderten Menschen mitgeführt werden, in deren Ausweis die Berechtigung zum Mitnahme einer Begleitperson nachgewiesen ist (Blindenführhunde und Behindertenbegleithunde im Sinne von §145 Absatz 2 Nr. 2 SGB IX), in Geschäften Zugang haben!“

    Der Zeitungsbericht sagt mir, dass die Filialleiterin noch nicht einmal nach einen Kompromiss gesucht hat. Wie einfach wäre es gewesen, wenn Sie beispielsweise eine Mitarbeiterin / einen Mitarbeiter beauftragt hätte auf den, wertvollen weil gut ausgebildeten, Hund vor dem Laden aufzupassen. Sie selbst hätte mit der blinden Kundin deren Einkäufe tätigen können. Das wäre eine gute Werbung für ihren Konzern gewesen. So hat sie uns nur plastisch vor Augen geführt „Behindert ist man nicht, behindert wird man“!

    23. Juli 2012 at 15:35
  • Günter Baran

    Unfassbar, wie in Deutschland mit Behinderten und Benachteiligten verfahren wird. Aber leider kein Einzelfall.
    Ohne das Prinzip der Mitmenschlichkeit-verbunden mit sozialer Kompetenz-wird es immer wieder zu derartigen Vorfällen kommen.
    Dieser Discounter müsste per sofort gemieden werden.

    23. Juli 2012 at 10:30

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