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Blinde hilft Blindem: Oma-Ersatz für syrischen Flüchtlingsjungen

„Seine Familie hat ihn, weil er blind ist, wohl bewusst abgeschirmt, um ihn zu schützen.“

Die Syrerin Nada Touma ist blind und Mitarbeiterin der Uni Münster. Sie hilft in Münster (Nordrhein-Westfalen) dem blinden syrischen Flüchtling Mohanad beim Lernen in der LWL-Förderschule. (Foto: Caroline Seidel/dpa)

Die Syrerin Nada Touma ist blind und Mitarbeiterin der Uni Münster. Sie hilft in Münster (Nordrhein-Westfalen) dem blinden syrischen Flüchtling Mohanad beim Lernen in der LWL-Förderschule. (Foto: Caroline Seidel/dpa)

„Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“
Antoine de Saint-Exupéry („Der Kleine Prinz“)

Telefonistin Nada Touma aus dem westfälischen Münster ist blind und gehört zu den Menschen mit Behinderung, die sich in der Flüchtlingshilfe engagieren. Die 60-Jährige unterstützt den syrischen Jungen Mohanad (12) beim Lernen. Er kann ebenfalls nicht sehen. Touma hat syrische Wurzeln und kam vor Jahrzehnten als Studentin nach Deutschland. „Ich versuche, für Mohanad wie eine Oma zu sein“, sagte die gelernte Fremdsprachen-Korrespondentin, die an der Universität Münster arbeitet.

Mit ihrem Schützling spricht Touma Arabisch. Mohanad ist Kurde und flüchtete mit seiner Familie aus dem Osten des Bürgerkriegslandes. In Münster besucht der Junge eine Förderschule. Unterstützt von seiner Helferin lernt der 12-Jährige Blindenschrift, Deutsch und wichtige Regeln für das Schulleben.

„Auf dem Land in Syrien gibt es keine Angebote für Blinde. Ich bin in Damaskus aufgewachsen und konnte in der Großstadt auf eine Blindenschule gehen“, sagte Touma. Von Mohanads Eltern weiß sie, dass Mohanad diese Chance nie hatte. „Seine Familie hat ihn, weil er blind ist, wohl bewusst abgeschirmt, um ihn zu schützen.“ Aus Sicht der Schule ist es wichtig, dass Mohanad eigene Talente ausprobiert und entdeckt. Der kleine Bruder einer älteren Schwester macht kleine
Fortschritte. „Erste Regeln hat er gelernt. Aber es fällt ihm schwer, sich vier bis vier bis fünf Stunden zu konzentrieren“, sagt Touma.

(dpa)

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