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Blindenfußballer-Satire der taz: Einer lügt

Nach der heutigen Erklärung der Tageszeitung stellt sich eine Frage: Wer sagt die Wahrheit? Aber interessiert das wirklich noch?

Michael Ringel von der taz erklärt sich (Foto: taz)

Michael Ringel von der taz erklärt sich (Foto: taz)

Viel Aufregung um Nichts. Wie ROLLINGPLANET berichtete, hatte der Deutsche Behindertensportverband (DBS) sich über eine Satire in der taz beschwert, die am vergangenen Wochenende erschienen war. DBS-Präsident Friedhelm Julius Beucher hatte von der tageszeitung bis vergangenen Dienstag eine Entschuldigung gefordert. Diese lehnte ab und brachte heute eine Erklärung, die ROLLINGPLANET dokumentiert.

Das stand am 30.11.2013 in der taz
(erschienen auf der Seite „Die Wahrheit“ und in der Rubrik „Gurke des Tages“)

EinsPlus zeigt am Sonntag eine Reportage über „Robert Warzechas Weg in die Blindenfußball-Nationalmannschaft“, wie der Fernsehsender jetzt in einer Pressemitteilung ankündigte. Wer immer auch Robert Warzecha ist, dafür braucht es doch keine Fernsehreportage. Der Weg des blinden Fußballers lässt sich doch auch in wenigen Worten nacherzählen: „Aua, huch, oh, nanu, uups, oje, hoppla, ach, seufz, o weh … Sorry, Schiri. Ich dachte, Sie wären dieser verdammte Torpfosten!“

Ein tadelnswerter Missgriff

Am 30. November 2013 hat die taz in der Rubrik „Gurke des Tages“ einen Fernsehbericht über einen Blindenfußballer abfällig und höhnisch kommentiert. Gerade kurz vor dem morgigen Internationalen Tag der Menschen mit Behinderung ist die Wortwahl außerordentlich übel. Von der taz, deren Programm es ist, Diskriminierungen entgegenzutreten und Minderheiten zu schützen, sind wir solche Töne nicht gewöhnt. Wir sind weder humorlos noch haben wir etwas gegen Satire. In diesem Fall bitten wir Sie, den redaktionellen Missgriff, der nicht das Werk einer Einzelnen sein kann, zu tadeln.
FRIEDHELM JULIUS BEUCHER,
Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes e.V.

Stellen Sie sich vor, Sie sind blind…

Lieber Friedhelm Julius Beucher, normalerweise reagiere ich auf Stellvertreter-Empörung nicht. Aber wenn Robert Warzecha mich als Autor der „Gurke“ fragen sollte, was an ihr komisch ist, würde ich ihm sagen: Stellen Sie sich vor, Sie sind blind…Das müssen Sie sich selbstverständlich nicht vorstellen, Sie sind es ja. Aber stellen Sie sich vor, ständig kommt jemand auf Sie zu und sagt: „Sie sind ja blind, Sie armer, armer Mensch.“ Dauernd werden Sie mit Mitleid überschüttet.
Mitleid aber ist die schlechteste Medizin. Es trübt den Blick und vernebelt die Sinne. Besser ist es, wenn jemand über Sie lacht, damit Sie Teil einer Gemeinschaft werden. Wenn niemand über Sie lacht, werden Sie ausgegrenzt, als Einziger, über den man keine Witze machen darf. Ein wenig Spott kann jeder Mensch gut vertragen, weil im Lachen die Erkenntnis wächst, dass auch ein Blinder Teil unserer komischen Welt ist. Robert Warzecha rief mich übrigens am Montag an und meinte, er habe über die Glosse gelacht, wünsche sich aber für den Blindenfußball mehr Aufmerksamkeit. Ich habe ihm noch viele Tore gewünscht.
MICHAEL RINGEL, Die Wahrheit

Robert Warzecha widerspricht übrigens dieser Darstellung.

(RP)

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5 Kommentare

  • Susanne Pohlmann

    Die Antwort der taz ist ziemlich dümmlich. Es stimmt schon, dass Sonderbehandlung auch eine Form von Diskriminierung ist. Menschen sollten immer und überall sich gleichwertig fühlen und das geschieht nur durch Gleichheit- aber über eine Behinderung solche dämlichen Witze zu machen ist kaum zu toppen . Als Taz -Leserin kann ich nur sagen: die Taz ist grundsätzlich nur so ernst zu nehmen, wie sie andere Menschen ernst nimmt. Die Taz ist übrigens auch immer schon und immer noch sehr gerne sexistisch

    7. Dezember 2013 at 17:00
  • Rosé

    Ich finde es unverschämt, wie dieser Autor über die Blinden herzeiht. Ich fordere einen Boykott der Tageszeitung.

    7. Dezember 2013 at 18:56
  • swisswuff

    Laecherlicher Versuch der TAZ, u.a. durch Michael Ringels stets ausgeworfene traefe Duemmlichkeiten (schon mal gesehen WIE praezise blinde Fussballer kicken?) dne Reibungswaerme zu erhoehen. Der eigentliche tiefgruendige und bitterboes-laecherliche und wirklich scharf beobachtete Behindertenwitz (denn alle wirklich guten Behindertenwitze sind irgendwo bitterboese und scharf beobachtet) geht so: „Michael Ringel erzaehlt einen Behindertenwitz“. Der ist wirklich gut : ) Oder dann gleich so: Steht Michael Ringel an der Ampel; was sagen Sie ihm? „nichts, man hat ihm schon alles gesagt“ : )

    9. Dezember 2013 at 10:19
  • Johannes

    Wow, der Ringel ist ja ganz schön herablassend. Der will doch nur unter dem Deckmantek der Political Correctness andere fertig machen. Und damit man noch ruhig schlafen kann, nimmt man das Zauberwort Inklusion. Á la „Die Krüppel sollen sich nicht so haben, die wollen doch so behandelt werden!“

    Ich muss allerdings sagen, dass ich Robert Warzecha ein wenig beneide, dass er diese Frisur der Ringel-Gurke nicht sehen muss.

    9. Dezember 2013 at 13:26
  • Karl

    Ich musste über den Beitrag über den Blindenfussball auch schmunzeln, denn Satire ist das Überspitzen von Dingen. Aber wenn sich einer durch eine Satire gekränkt fühlt, sollte man als Journalist, besonders bei der taz, auch die Größe haben sich dafür zu entschuldigen. Was dieser „Journalist“ sich in seiner Stellungnahme erlaubt ist eine Frechheit und noch schlimmer als seine Satire. Dort sieht man wie Ignorant dieser Mensch ist gegenüber anderen Empfindungen ist. Seine Folgerung dass das Über-jemanden-lachen eine Art Instrument für Inklusion ist wirklich lächerlich. Vom Lachen bis zum Mobbing ist nur ein schmaler Grad.

    9. Dezember 2013 at 18:18

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