Blindenverband kritisiert Mangel an Augenärzten

Sachsen-Anhalt: Geschäftsführer Bahn fordert Kassenärztliche Vereinigung und Politik zum Handeln auf. Von Daniel Wenisch

Augenarzt untersucht eine Patientin (Foto: Dr. Walter Mair)

Der Blinden- und Sehbehindertenverband Sachsen-Anhalt fordert eine bessere flächendeckende Versorgung mit Augenärzten. Die Kassenärztliche Vereinigung müsse mehr Augenärzte in ländlichen Gebieten zulassen und für die Einrichtung von Praxen werben, forderte der Geschäftsführer des Verbands, Wolfgang Bahn, in Magdeburg im dapd-Interview.

Zudem müsse die Politik die Weichen für mehr Augenärzte auf dem Land stellen. Für die Einrichtung von Praxen würden die Bevölkerungszahlen zugrunde gelegt, ohne die demografische Entwicklung zu berücksichtigen. „Ältere Menschen brauchen nun einmal öfter einen Arzt, auch wenn die Bevölkerungszahl insgesamt zurückgeht“, sagte Bahn. Es sei in Sachsen-Anhalt vor allem in den Landkreisen kaum möglich, einen Termin bei einem Augenarzt zu bekommen.

Kommunen reduzieren Finanzhilfen für Beratungen

Bahn kritisierte außerdem, dass das Land Finanzhilfen für Selbsthilfegruppen eingestellt habe. Bis zum vergangenen Jahr seien jährlich etwa 100.000 Euro bereitgestellt worden, dieses Geld sei nun gestrichen. Auch von den Kommunen forderte er mehr Engagement. Diese würden jedes Jahr weniger für regionale Beratungsstellen für Sehbehinderte ausgeben. Für eine individuelle Betreuung der Betroffenen und ihrer Angehörigen seien diese aber unerlässlich. In Sachsen-Anhalt gibt es Bahn zufolge 80 örtliche und regionale Selbsthilfegruppen. Beratungsstellen gibt es in Magdeburg, Halle, Stendal und Dessau.

Heute wollen die Verbandsmitglieder die Probleme beim sechsten Verbandstag in Halberstadt diskutieren. Nach eigenen Angaben zählt der Blinden- und Sehbehindertenverband Sachsen-Anhalt knapp 1.200 Mitglieder. Im Land leben demnach etwa 30.000 Menschen mit Sehbehinderungen, darunter rund 4.000 Blinde. Drei Viertel der Betroffenen sind im Rentenalter.

(dapd)

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