„Bonner Stadtrat hat Bedeutung der Gebärdensprache noch nicht erkannt“

Die Linke ist mit ihrem Antrag gescheitert, Ratssitzungen live mit Gebärdensprachdolmetschung zu übertragen.

Stadthaus in Bonn

Stadthaus in Bonn

Ratssitzungen in Bonn (327.913 Einwohner) werden nicht live im Internet mit Gebärdensprache übertragen. Ein entsprechender Antrag der Linksfraktion in der ehemaligen Hauptstadt Deutschlands wurde gestern mit den Stimmen der SPD und Grünen abgelehnt.

Diese favorisieren eine Untertitelung und eine Abruflösung, bei der sich Gehörlose zuvor anmelden sollen, ob sie zu der betreffenden Sitzung ein solches Angebot wünschen.

Stadt Luxemburg als Vorbild

Dr. Michael Faber (Foto), Vorsitzender der Linksfraktion im Bonner Rat, zeigte sich enttäuscht:

cd88d603d8„Inklusion ist nicht, wenn ich bei den Stadtwerken vorher anrufen muss, damit an meiner Haltestelle ein Bus mit Rollstuhlklappe vorbeikommt. Eine reguläre Gebärdensprachdolmetschung wie in der Stadt Luxemburg würde es Gehörlosen ermöglichen, an einer Ratssitzung teilzunehmen oder aber das Internetangebot zu nutzen – genau wie alle anderen.“

Ein falsches Signal gesetzt

Technisch sei die von der Linksfraktion vorgeschlagene Live-Lösung kein großes Problem, „und auch die Kosten wären mit geschätzten zirka 6.000 Euro im Jahr vergleichsweise gering,“ sagte Faber.

Inklusion bedeute auch, dass öffentliche und politische Kommunikation möglichst für alle zugänglich ist. Die Stadt Bonn verzichte damit auf ein Signal an andere Institutionen, sich für umfassende Barrierefreiheit in allen Bereichen zu engagieren.

(PM, Foto: Wikipedia/Qualle. GNU Free Documentation License, Version 1.2 or any later version)

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1 Kommentar

  • Helge Blankenstein

    Inklusion beginnt dann, wenn die Mitmenschen verstanden haben, dass sie sich gegenüber Menschen mit Behinderungen nicht erhöhen müssen.

    Solange es aber Menschen gibt, die sich als „besser“ einstufen, wird es „natürliche Inklusion“ nicht geben. In Rostock, geht die Rostocker Straßenbahn AG (RSAG) noch überheblicher mit ihren Kunden um. Hier kann man anrufen und erfragen wann ein Bus eingesetzt wird der eine Rampe hat, bedeutet das nicht automatisch, dass man am selben Tag wieder in die Wohnung gelangen kann, da die Busse sehr häufig nur einmal täglich eingesetzt werden. Es geht aber noch besser. So wird den Fahrgästen deutlich gemacht, dass man auf eigenes Risiko fährt, ist man nicht der erste rollstuhlnutzende Fahrgast. So wird es durch Beschilderung mitgeteilt.
    Zusätzlich nimmt man entgegen geltenden Rechts, nur Blindenführhunde kostenlos mit. Dass die öffentlichen Verkehrsbetriebe alle Begleithunde transportieren müssen, wird trotz mehrfacher Information der Geschäftsführung weiter ignoriert.
    Dieses Verhalten ist typisch für Menschen, die sich gern als „Bessermenschen“ fühlen und anderen erklären wollen, dass Sie lediglich geduldet nicht aber respektiert werden.
    Die Bauplanerin der RSAG hat sich vor einem Jahr noch abfälliger gegenüber Menschen mit Behinderungen geäußert. So hat sie festgestellt, dass man eine viel zu steile Rampe ohne Ruheflächen, mit extra rauen Belägen ausgeführt hätte, damit sich die Räder der Rollstühle schwerer rollen.

    20. April 2013 at 21:38

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