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Boxweltmeister Wladimir Klitschko sieht in Behindertensportlern Vorbilder

Die motivieren ihn so richtig. Einen Freund im Rollstuhl hat er auch. ROLLINGPLANET macht den Realitätscheck.

Wladimir Klitschko (Foto: KAWA)

Wladimir Klitschko (Archivfoto: KAWA)

Unsere ROLLINGPLANET-Vermutung ist, dass Behindertensportler Nichtbehinderte sehr viel mehr beeindrucken als andere Behinderte. Neuer Beleg: Wladimir Klitschko (36) sieht in Sportlern mit körperlichen Handicaps Vorbilder. „Wenn man denkt, es geht einem schlecht, oder es gibt eine schwierige Phase im Leben, dann denkt man doch an die Menschen, die es noch viel schwerer haben“, sagte Klitschko der Nachrichtenagentur dpa am Dienstagabend in Hamburg.

Gemeinsam mit Bruder Vitali (41) und dessen Frau Natalia hatte Klitschko zuvor in Hamburg in einer Flugzeug-Halle der Lufthansa die Deutschlandpremiere des Dokumentarfilms „Gold – Du kannst mehr als du denkst“ besucht. Insgesamt waren 1150 Gäste gekommen, darunter die Schirmherren des Projekts, Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich und Willi Lemke als Sonderbotschafter der UN. Auch US-Präsident Barack Obamas Halbschwester Auma, Expertin für Hilfsprojekte in Kenia, war anwesend.

Und was ist mit Pistorius?

Unter den Eindruck des Films sagte der Boxweltmeister: „Ich verlasse den Film sehr motiviert. Er zeigt, wie eine positive Einstellung Härten des Lebens zu überwinden hilft.“ Auch ein Freund, der im Rollstuhl sitze und damit sehr gut umgehe, sei ihm ein persönliches Beispiel.

Auf die Frage, ob der dabei ebenfalls kurz gezeigte Läufer Oscar Pistorius noch als Vorbild diene könne, antwortete Klitschko: „Dieser Fall ist sehr tragisch. Was passiert ist, ist grauenhaft. Doch bevor nicht alles untersucht ist, möchte ich mich dazu nicht äußern. Vielleicht ist alles einfach nur ein sehr trauriges Unglück.“

In dem Film, der vom Donnerstag an im Kino läuft, begleitet Regisseur Michael Hammon drei Spitzensportler – den australischen Rennrollstuhlfahrer Kurt Fearnley, den blinden kenianischen Läufer Henry Wanyoike und die querschnittgelähmte norddeutsche Weltklasseschwimmerin Kirsten Bruhn – bei ihren Vorbereitungen auf die Spiele im Sommer 2012 in London.

Nicht das übliche Promi-Geschwätz

In der Regel muss man ein wenig aufpassen, wenn Promis über Menschen mit Behinderung philosophieren. Etwas Nettes ist schnell gesagt. Von ROLLINGPLANET bekommen Wladimir und Vitali Klitschko jedoch ein Unbedenklichkeits-Zertifikat und Lob: ROLLINGPLANET-Mitarbeiter Johann Löwe schwärmt heute noch von den Klitschkos.

Vor vier Jahren wartete Löwe (Rollstuhlfahrer) im Flughafen Berlin-Tegel auf den Abflug – und die Sanitäter. Die hatten sich verspätetet. Als die Klitschkos (beide im schicken Anzug) Löwe sahen, reagierten sie spontan: „Komm, wir tragen Dich rein“, sagte Vitali, während Wladimir nickte, wobei wahrscheinlich bereits einer dieser beiden Klitschko-Riesen gereicht hätte, um Löwe mit einer Hand in den Flieger zu tragen.

In dem Augenblick eilten zwei Sanitäter um die Ecke und übernahmen die Arbeit. Schade eigentlich, dachte Löwe, und wurde so schnell weggetragen, dass er nicht mehr dazu kam, sich bei den Klitschkos für das Angebot zu bedanken.

(RP/dpa)

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