Brückenbauer Markus Rehm kommt ins Grübeln: Klage-Option „nicht gestorben“

Zickzack-Kurs des Paralympics-Stars, der sich gegen den Leichtathletik-Weltverband IAAF doch wieder etwas bissiger zeigt.

Paralympics-Sieger und Weltrekordler Markus Rehm. (Foto: Rainer Jensen/dpa)

Paralympics-Sieger und Weltrekordler Markus Rehm. (Foto: Rainer Jensen/dpa)

Nach seinem Verzicht auf eine Olympia-Teilnahme (ROLLINGPLANET berichtete: Paralympics-Sieger Rehm gibt auf – kein Doppelstart in Rio) drängt Markus Rehm den Leichtathletik-Weltverband IAAF, schnellstmöglich die Bedingungen für eine Teilnahme von Athleten mit Prothesen an großen Wettkämpfen zu schaffen. Als Mitglied einer Arbeitsgruppe erwartet der unterschenkelamputierte Weitspringer rechtzeitig vor der WM 2017 in London, in dem Dauerstreit eine Lösung zu finden.

„Wir werden bis zum Ende des Jahres ein Ergebnis haben“, berichtete Rehm der Deutschen Presse-Agentur. In der Vorwoche hatte der 27-Jährige nach einem Treffen in Monaco mit IAAF-Generalsekretär Jean Gracia beschlossen, sich nicht zu Olympia nach Rio klagen zu wollen. Rehm, ohnehin eine sehr sympathische Person, der Harmonie wichtiger ist als Kriegsbeile, schlug versöhnliche Töne an: Es seien „äußerst konstruktive und positive“ Gespräche gewesen, und er wolle „Brücken bauen, nicht einreißen.“

Umstrittene Regel 144.3d

Dem Paralympics-Sieger von 2012 muss inzwischen allerdings deutlich geworden sein: Das klang wohl dann doch zu sehr nach einem Freifahrtschein für den IAAF, der sich mit der sportlichen Inklusion von Sportlern mit Behinderung seit langem schwer tut. Sollte der Dialog mit den Funktionären nicht wie erhofft konstruktiv verlaufen, droht Rehm nun weiter mit einem Gang vor das Sportgericht CAS. „Die Option ist für mich nicht gestorben“, betont er jetzt. Gestern hatten die Top-Funktionäre des deutschen Behindertensportverbandes (DBS) – Präsident Friedhelm Julius Beucher und sein Vize Karl Quade – den IAAF aufgefordert, die Regel 144.3d abzuschaffen. Diese besagt, dass Leichtathleten mit „mechanischer Hilfe“ von einer Teilnahme bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaft ausgeschlossen werden, sofern sie nicht nachweisen können, dass ihnen diese „mechanische Hilfe“ keinen Vorteil verschafft.

Seit Jahren kämpft Rehm darum, bei Wettkämpfen von Athleten ohne Handicap teilnehmen zu dürfen. Bei der deutschen Meisterschaft 2014 schlug er alle nicht-behinderten Starter und sorgte für viel Aufsehen. Zur EM im selben Jahr durfte er aber nicht, weil der Deutsche Leichtathletik-Verband daran zweifelte, dass Rehm durch seine Prothese keinen Vorteil habe. Mehrere Gutachten haben diese Zweifel über die Jahre nicht ausräumen können.

(RP/dpa)

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