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Brustkrebs: Wer hilft, wenn Sie nicht Angelina Jolie heißen?

Andrea Hahne berät Frauen, die aus einer Risikofamilie kommen. Sie ist Vorsitzende eines bundesweiten Netzwerks. Von Martina Steffen

Die Vorsitzende des BRCA-Netzwerks (Breast Cancer), Andrea Hahne (Foto: Peter Steffen/dpa)

Die Vorsitzende des BRCA-Netzwerks, Andrea Hahne (Foto: Peter Steffen/dpa)

Seit die Medien über die vorsorgliche Brustamputation der Schauspielerin Angelina Jolie (siehe auch ROLLINGPLIANET-Special) berichtet haben, steht bei Andrea Hahne das Telefon nicht mehr still.

Die 47-Jährige ist Vorsitzende des BRCA-Netzwerks (das BRCA steht für Breast Cancer), einem Verein, der bundesweit Frauen hilft, die aus Familien stammen, in denen es Brust- und Eierstockkrebs gegeben hat. Hahne stammt aus einer solchen Risikofamilie. Nachdem sie 2005 die Diagnose Brustkrebs bekam, ging sie den gleichen Weg wie Angelina Jolie.

Jolie hilft, das Thema zu enttabuisieren

„Ich bin dankbar, dass eine prominente Frau offen darüber spricht und habe großes Verständnis für diese Entscheidung und ihre Motivation“, sagt Hahne, die in Bad Münder bei Hameln (Niedersachsen) lebt. Sie findet es richtig, dass Angelina Jolie an die Öffentlichkeit gegangen ist.

Nur so gelinge es, Mediziner und betroffene Familien zu sensibilisieren. „Es trägt dazu bei, das Thema zu enttabuisieren“. Immerhin sterben nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation weltweit jedes Jahr 485.000 Frauen an Brustkrebs.

Die wenigsten Krebserkrankungen sind erblich bedingt

Bei Risikofamilien werden genetische Veränderungen an die Nachkommen vererbt. Sowohl Mutter als auch Vater können Träger des Gen-Defekts sein. Bei Frauen mit diesem Defekt steigt das Risiko für Brusttumore auf bis zu 80 Prozent. Die Wahrscheinlichkeit eines Eierstockkrebses wird auf rund 50 Prozent geschätzt.

Es sei aber wichtig zu signalisieren, dass die wenigsten Krebserkrankungen einen erblichen Hintergrund haben, betont Hahne. „Die Entfernung der Brüste ist nur in Ausnahmen zu überlegen. Zuvor ist die Klärung des tatsächlichen Erkrankungsrisikos notwendig, und noch viel wichtiger ist eine dem Risiko angepasste Früherkennung“, sagt sie.

Diese werde in Deutschland im Gegensatz zu anderen Ländern schon seit vielen Jahren Frauen aus Risikofamilien angeboten. Die meisten gingen diesen Weg.

„Entscheidung gemeinsam getroffen“

Als Hahne an Brustkrebs erkrankte, entschied sie sich für die Amputation beider Brüste. „Die Entscheidung war ein Prozess über mehrere Monate. Von einem Bauchgefühl ausgelöst, da bisher alle Frauen in meiner Familie recht schnell nach der Diagnose gestorben sind“, sagt die dreifache Mutter.

Drei Frauen aus ihrer Familie starben an Eierstockkrebs, zwei an Brustkrebs. Sie habe sich zur Beratung in einem auf familiären Brust- und Eierstockkrebs spezialisierten Zentrum in Köln vorgestellt. Immer sei ihr Mann dabei gewesen. „Wir haben die Entscheidung letztlich gemeinsam getroffen“.

Gerade das erste Jahr nach der Amputation sei aber hart gewesen, sagt Hahne. Sie habe einige Zeit gebraucht, um sich an ihr neues Körperbild zu gewöhnen. „Aber ich bin wieder ich“, meint sie. Jede Frau müsse ganz für sich selbst entscheiden, ob sie diesen Weg gehen will.

Entscheidung nicht bereut

Sie würde heute wieder so handeln. „Ich fühle mich von einer Bedrohung befreit und bin die erste in meiner Familie, die jetzt fast acht Jahre nach der Diagnose lebt“, sagt die 47-Jährige. Bei ihrer Mutter sei zwei Jahre nach ihrer eigenen Erkrankung Brustkrebs festgestellt worden.

„Im vergangenen Jahr ist meine Mutter gestorben“, sagt Hahne. Ihre älteste Tochter hat den qualvollen Tod ihrer Großmutter miterlebt. Sie hat sich allein und ganz bewusst für eine genetische Untersuchung entschieden, um Klarheit zu haben. Die 20-Jährige kann aufatmen – wie ihre ganze Familie: Sie trägt das mutierte Gen nicht in sich.

Webseite: BRCA-Netzwerk

(dpa)

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