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BRUT: Wenn Mode auch den Rand der Welt erreicht

Sechs Monate arbeitete Modedesignerin Sophie Schönemann mit behinderten Künstlern an einer ungewöhnlichen Kollektion.

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BRUT Kollektion (alle Fotos: Sophie Schönemann)

„BRUT ist eine Symbiose aus Kunst und Mode“ lautet die Ankündigung für ein ungewöhnliches Projekt, das Außenseiterkunst in Mode übersetzt hat.

Die Idee stammt von der jungen Modedesignerin Sophie Schönemann, die gemeinsam mit der Künstlergruppe „Die Schlumper“ eine sogenannte High Fashion-Kollektion entwickelte. Zu sehen ist sie ebenso wie Fotos der „Schlumper“ in einer Ausstellung am 24. März 2013 in Hamburg.

„Die Schlumper“ sind psychisch kranke und sogenannte geistig behinderte Künstler, die in einer Hamburger Ateliergemeinschaft die Möglichkeit haben, sich selbst zu verwirklichen. „Schlumper“ der ersten Stunde waren Individualisten, die sich standhaft den Arbeitsangeboten der Werkstätten für Behinderte verweigerten oder aus anderen Gründen als werkstattunfähig eingestuft waren.

Besondere Begabung nutzen

Frauen und Männer im Alter zwischen 20 und 80 Jahren, die über den Großraum Hamburg verstreut in betreuten Wohneinrichtungen verschiedener Träger lebten, schlossen sich nach kurzer Zeit der Gruppe an. Mit Hilfe des schon 1985 gegründeten Fördervereins „Freunde der Schlumper“ und der Behörde für Arbeit, Gesundheit und Soziales wurde schließlich 1993 das Arbeitsprojekt „Schlumper von Beruf“ ins Leben gerufen.

Alle hatten nun die Chance, ihre besondere Begabung beruflich einzusetzen. Damit war der Weg frei, als freischaffende Angestellte, bezahlte, ganzheitliche und selbstbestimmte Arbeit zu verrichten. Das Projekt bot zuletzt 22 KünstlerInnen einen festen Arbeitsplatz.

Farbenfroh, expressiv und eigensinnig

Art brut (französisch für „unverbildete, rohe Kunst“) ist ein Sammelbegriff für autodidaktische Kunst von Laien, Kindern und Menschen mit geistiger Behinderung. Die Bezeichnung ging vom französischen Maler Jean Dubuffet aus, der sich eingehend mit einer naiven und antiakademischen Ästhetik beschäftigte. Art brut ist weder eine Kunstrichtung noch eine Stilbezeichnung, sondern beschreibt eine Kunst jenseits etablierter Kunstformen und -strömungen. Im anglo-amerikanischen Sprachraum ist stattdessen der Begriff Outsider Art („Außenseiter-Kunst“) gebräuchlich.

Sechs Monate arbeitete Schönemann mit den „Schlumpern“. Dabei entstand eine Vielfalt an individuellen und ausdrucksstarken Werken. Die Bilder der Künstler dienten als Inspiration für die Prints der Kleidungsstücke.

BRUT, roh und unverfälscht – genau so soll auch die Kunst der „Schlumper“ sein. So bekam Brut einen sehr farbenfrohen, expressiven und eigensinnigen Charakter. Jedes Kleidungsstück von der Kollektion ist ein Unikat und erzählt eine eigene Geschichte. „Die Kooperation von psychisch kranken Künstlern und ihre direkte Integration in das Projekt sind bislang einzigartig in der Mode“, sagt Schönemann.

Es ist die erste eigene Modekollektion der 24-jährigen Hamburgerin. „Die Zusammenarbeit mit den ,Schlumpern‘ hat total Spaß gemacht. Im Atelier war es immer laut, etwas verrückt und sehr herzlich“, erzählt sie.

Der Plan für BRUT kam ihr anlässlich eines Zitats von Sibylle Bergemann: „Mich interessiert der Rand der Welt, nicht die Mitte“. Bergemann dokumentierte mit Fotografien die Arbeit am Berliner Theater RambaZamba, an dem überwiegend Schauspieler mit kognitiver Behinderung mitwirken. Das inspirierte Schönemann: „Die Ursprünglichkeit und Authentizität dieser besonderen Kunst wollte ich mit Mode verbinden.“

Brut, Ausstellung: 24. März 2013 (Vernissage: 23. März 2013), Island, Banksstraße 2a, 20097 Hamburg

(Fotos mit freundlicher Genehmigung von Sophie Schönemann und hamburg040.com)

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