""

Bundespräsident kritisiert Diskriminierung von Menschen mit Behinderung

Steinmeier ruft zur Inklusion auf: „Jede und jeder kann in seinem Umfeld einen Beitrag leisten.“

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (Archivfoto: Monika Skolimowska/dpa)

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (Archivfoto: Monika Skolimowska/dpa)

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) hat die anhaltende Benachteiligung von Menschen mit Behinderungen kritisiert. „Noch immer werden Behinderte im Alltag diskriminiert, noch immer gibt es viele Barrieren“, sagte Steinmeier am Mittwoch beim Jahresempfang der Bundesbehindertenbeauftragten Verena Bentele in Berlin. An der Veranstaltung im Berliner Café Moskau nahmen etwa 500 Gäste aus Politik, Verbänden und Selbsthilfeorganisationen teil.

„Berührungsängste und Vorurteile verschwinden nur dann, wenn Menschen mit und ohne Behinderung sich begegnen“,

sagte Steinmeier laut vorab verbreitetem Redemanuskript. Deshalb müssten möglichst viele Menschen bei der „Inklusion mitmachen und selbst erleben, dass Offenheit und Toleranz zu einem besseren Miteinander führen, von dem alle etwas haben“.

Die Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Verena Bentele, und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in Berlin beim Jahresempfang der Behindertenbeauftragten. Bentele ist als Spitzensportlerin bekannt geworden. Als Biathletin hat sie bei den Paralympics zwölf mal Gold geworden. Sie ist von Geburt an blind.  (Foto: Maurizio Gambarini/dpa)

Die Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Verena Bentele, und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in Berlin beim Jahresempfang der Behindertenbeauftragten. Bentele ist als Spitzensportlerin bekannt geworden. Als Biathletin hat sie bei den Paralympics zwölf mal Gold geworden. Sie ist von Geburt an blind. (Foto: Maurizio Gambarini/dpa)

Nicht nur etwas für Experten

Steinmeier betonte, Inklusion dürfe kein Thema nur für Experten sein. „Jede und jeder kann in seinem Umfeld einen Beitrag leisten. Und es ist wichtig, dass wir mehr über gelungene Inklusion sprechen.“ Natürlich gebe es auch Probleme, Spannungen und Konflikte. „Aber wir dürfen nicht zulassen, dass alles schlechtgeredet wird.“

Inklusion bedeutet, dass alle Menschen am gesellschaftlichen Leben teilhaben können – egal, ob sie eine Behinderung haben oder nicht. Das fordert die UN-Behindertenrechtskonvention, die auch Deutschland unterzeichnet hat.

Zugleich müsse einem Missverständnis entgegentreten werden, sagte Steinmeier: „Wer gleiche Rechte und gleiche Chancen fordert, der redet nicht der Gleichmacherei das Wort. Menschen mit Behinderungen sind so unterschiedlich wie Menschen ohne Behinderungen, sie leben auch so unterschiedlich und legen genauso viel Wert auf ihr Anderssein.“

Privatwirtschaft zu Barrierefreiheit verpflichten

Bentele begrüßte die Verabschiedung des Bundesteilhabegesetzes im vergangenen Jahr.

„Aber wir stehen bei der erfolgreichen Umsetzung erst am Anfang“,

sagte sie. Jetzt seien vor allem die Länder am Zuge. Sie forderte ein uneingeschränktes Wahlrecht auch für Menschen mit umfassender rechtlicher Betreuung. Auch 2017 würde über 80.000 Menschen dieses Recht versagt. Als weitere wichtige Forderung nannte sie die Verpflichtung der Privatwirtschaft zur Barrierefreiheit, die bisher nur in öffentlichen Einrichtungen gilt.

(RP/dpa)

Diesen Artikel teilen:
ROLLINGPLANET

ROLLINGPLANET

Wir sind geil aufs Leben, seriös, oft fröhlich und ironisch, manchmal schräg, hin und wieder ungerecht, aber in den seltensten Fällen ideologisch: ROLLINGPLANET, Deutschlands führendes Online-Magazin für Behinderte, Senioren und Freunde. ROLLINGPLANET ist ein ehrenamtlich realisiertes Non-Profit-Projekt. Wir freuen uns, wenn Sie via Facebook, Twitter oder per Mail ROLLINGPLANET empfehlen. Mehr Infos: Über uns

9 Kommentare

  • Frank Kleine

    Die Barrierefreiheit ist aber auch in der Öffentlichkeit nicht immer in Ordnung!

    18. Mai 2017 at 05:44
  • Ina Degenaar

    Im Artikel steht eine Aneinanderreihung von Plattitüden.

    18. Mai 2017 at 07:24
  • Patricia Koller

    Ich begrüße diese Einstellung des neuen Bundespräsidenten. Wichtig wären aber vor allem auch endlich andere Zustände in den zuständigen Behörden. Hier wird extrem viel drangsaliert, schikaniert, boykottiert und tyrannisiert. Da spielen sich Sachbearbeiter als Herren über fremde Leben auf. Das ist nicht hinnehmbar. Behinderte sind ja ohnehin schon relativ wehrlos und werden so immer wieder zu Opfern ihrer (zum Teil boshaften/völlig uninformierten) Sachbearbeiter gemacht.
    Das Persönliche Budget für Schwerbehinderte wird z.B. auch noch viel zu selten umgesetzt, weil die Behördenmitarbeiter grundsätzlich nicht zu dem Rechtsanspruch informieren und hoffen, daß die Behinderten nie etwas dazu herausfinden. (In Bayern wird schon die bloße Existenz des Persönlichen Budgets verleugnet!) Finden die Behinderten es doch heraus, wird mit allen Mitteln boykottiert, was nur irgend möglich ist.
    Ja, ich spreche hier aus übler Erfahrung und ich weiß, daß es bei vielen anderen auch so ist. Mich hat man JAHRELANG erfolgreich um meinen Rechtsanspruch betrogen! Die wenigen Fälle, die ich kenne, bei denen es gut läuft, werden von Vereinen vertreten, die für die Rechte ihrer Schützlinge kämpfen.
    Es kann aber nicht angehen, daß man sich als Behinderter über eine Vereinsmitgliedschaft vor Behördenwillkür schützen lassen muß.
    Die UN Behindertenrechtskonvention existiert, wird aber noch immer nicht umgesetzt und wenn nicht mal das PB, das schon seit 2008 ein RECHTSANSPRUCH ist, korrekt umgesetzt wird, weil jede Behörde in jedem Bundesland das unterschiedlich auslegen kann und darf, dann sieht man, daß die Politik das noch immer nicht auf die Reihe bekommen hat, ein GESETZ korrekt umzusetzen.
    Es müßte hier dringend Bundesrecht über Landesrecht gestellt werden, damit es endlich eine einheitlich Regelung in ganz Deutschland gibt, in die sich dann auch die Anwälte und Richter endlich mal einarbeiten könnten, damit sie uns angemessen vertreten können.
    Aktuell bekommt jeder Anwalt beim bloßen Erwähnen des PB Panikattacken und Schnappatmung, weil sie wissen, daß es sehr viel Arbeit macht und wenig Geld bringt. Also rudern sie in Windeseile zurück und verzichten lieber auf ein Mandat. Das kann so nicht bleiben!!!

    18. Mai 2017 at 08:36
    • Susann Dohm

      In Bayern gibt es keine Inklusion, nur die Exklusion. Aus diesem Grunde habe ich im letzten Jahr eine Elterninitiative „Inklusionsbewegung Starnberg“ gegründet um Inklusion an den Regelschulen einzufordern. Gerade bin ich dabei das Persönliche Budget für unseren Sohn zu beantragen. Das scheint dann ja sehr anspruchsvoll zu werden. Wenn ich es geschafft habe, werde ich darüber schreiben, damit es alle Behinderten beantragen können. Vielen Dank Patricia Koller.

      Wir müssen uns alle vernetzten und geschlossen für Inklusion eintreten. Dann können auch die vielen Einzelfälle nicht länger geleugnet werden.

      18. Mai 2017 at 15:34
      • Patricia Koller

        Liebe Susann Dohm,

        ich lade Sie hiermit herzlich in unsere Facebookgruppe „Persönliches Budget für Schwerbehinderte“ ein.

        https://www.facebook.com/groups/219592638506265/

        Wir sind KEIN Verein und KEINE Beratungsstelle. Wir sind Betroffene sowie Angehörige und Interessierte, die sich gegenseitig mit ihrem Schwarmwissen helfen.

        Liebe Grüße
        Patricia Koller

        19. Mai 2017 at 05:11
  • Michael Follner

    Also, ich lebe jetzt 33 Jahre mit meinem Handicap – warum seit ihr [email protected]&#king Politiker nicht schon früher auf diese Idee gekommen?

    18. Mai 2017 at 13:59
  • Uwe Manneck

    Genau das hier ist der entscheidende Satz: „Als weitere wichtige Forderung nannte sie die Verpflichtung der Privatwirtschaft zur Barrierefreiheit, die bisher nur in öffentlichen Einrichtungen gilt.“ Dann beschließt doch endlich so ein Gesetz!!! Weshalb geht denn das in Deutschland nicht voran? In USA wurde das ADA Gesetz schon vor über 25 Jahren beschlossen. Und dort muss ich nicht in jedem Restaurant anrufen und fragen, ob ich wohl mit meinem E-Rolli hinein komme. Von zugänglichen Toiletten ganz zu schweigen. Deutschland = Entwicklungsland.

    18. Mai 2017 at 15:35
  • Karl Heinz

    Inklusion ist hässlich. Mein behinderte Sohn wurde von Nicht Behinderten gemobbt, geschikaniert. Sogar unser Elternverbände sind gegen Inklusion

    19. Mai 2017 at 11:54

KOMMENTAR SCHREIBEN