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Bundestrainer Zeltinger benennt erweiterten Kader für die Paralympics 2012

Rollstuhlbasketball: Mit der Formel 12+8 soll der Konkurrenzkampf in der deutschen Nationalmannschaft angeheizt werden. Zwei Spieler lobt der Chefcoach besonders.

Auszeit

Bundestrainer Nicolai Zeltinger im Kreise seiner Mannschaft bei der EM 2011 in Israel (Foto: Andreas Joneck)

(aj) Bundestrainer Nicolai Zeltinger (Gießen) hat den 20-köpfigen erweiterten Kader der deutschen Rollstuhlbasketball-Nationalmannschaft der Herren für die Paralympics in London (29. August bis 9. September 2012) nominiert.

Neben allen zwölf Spielern, die bei der Europameisterschaft im vergangenen Jahr im israelischen Nazareth die Silbermedaille erkämpfen konnten, gehören dieser Vorauswahl acht weitere talentierte Spieler an, von denen einige bereits internationale Erfahrung besitzen, andere dagegen frischen Wind in den Kader des Vize-Europameisters bringen sollen.

Chance auf eine Medaille

Die deutsche Herrenauswahl gehört bei den Spielen in der britischen Hauptstadt London zum großen Kreis der Teams, die bei der bestehenden Leistungsdichte durchaus eine Chance auf Edelmetall besitzen. In der dortigen Vorrunde bekommt es das Team Germany Ende August mit Gastgeber und Europameister Großbritannien, Japan, dem zweifachen Paralympics-Champion Kanada, Kolumbien und dem EM-Vierten Polen zu tun.

Der nun 20-köpfige Paralympics-Kader des Team Germany kommt am 6. April zu einem ersten Sichtungslehrgang über Ostern erstmalig zusammen. Bereits Ende April will Bundestrainer Zeltinger – der auch Trainer des Deutschen Meisters RSV Lahn-Dill ist – frühzeitig nach einem letzten Test am 28. und 29. April im hessischen Wetzlar seinen endgültigen Kader benennen.

„Keine Interessenskonflikte“

„Wir müssen hierbei die Neuklassifizierung für Thomas Gundert und Jan Haller kompensieren. Bei der Entscheidung stellt sich neben der Frage der Leistungsstärke der einzelnen Akteure, auch die der taktischen Ausrichtung, mit welchen Lineups wir ins Rennen gehen werden“, unterstreicht der 40-jährige Headcoach seine Überlegungen. Beide Spieler wurden von der IWBF Europe, dem europäischen Dachverband, während der EM in Nazareth von 1,5 auf jeweils 2,0 Klassifizierungspunkte hochgestuft. Bei der durch die Neuklassifizierung notwendig gewordenen Veränderung geht es nicht zwangsläufig um die Suche nach einem Ersatz der beiden betroffenen Spieler: „Wir gehen ganz offen an diese Frage heran, alle 20 Spieler haben die gleichen Chancen, egal ob sie in Israel zum erfolgreichen Team gehörten oder nicht“.

Auf seine seit November 2010 ausgeübte Doppelfunktion als Vereins- und Nationaltrainer angesprochen, sagt Zeltinger: „Interessenkonflikte gibt es keine. Natürlich wurde anfangs befürchtet, dass ich meine Hebelwirkung als Bundestrainer – beispielsweise bei der Spielerakquise für den Verein – ausnutzen könnte. Die haben sich aber meines Erachtens nicht bestätigt. Ich glaube vielmehr, dass ich sehr korrekt arbeite, mit allen Beteiligten gut kommuniziere und die Bedenken ausräumen konnte. Das ist mir auch von Verbandsseite bestätigt worden.“

Für den Fußgänger Zeltinger ist „die Teilnahme mit der deutschen Nationalmannschaft an den Paralympics eine Riesensache. Als Sportler war mir immer ein Start verwehrt gewesen. Obwohl ich früher nicht so schlecht gespielt habe, durfte ich aber nie hin, weil ich keine Behinderung habe“, erklärt Zeltinger. „Jetzt erhalte ich als Trainer die vermeintlich einmalige Chance, und ich bin darüber natürlich wahnsinnig froh.“ Eine Medaille wäre „gigantisch. Das ist mein Traum.“

Sonderlob für zwei Spieler

Für zwei Spieler hat Zeltinger momentan besonders viel Lob übrig: Dirk Passiwan von den Dolphins Trier ist „der derzeit kompletteste Rolli der Welt“, sagt der Bundestrainer. Und über Dirk Köhler vom RSV Lahn-Dill wundert er sich: „Wie Dirk das mit seinen 42 Jahren immer noch so gut hinkriegt, wissen wir nicht genau. Aber er ist weiterhin der schnellste und fitteste Spieler der Nationalmannschaft“. Zeltinger scherzt: „Wir glauben insgeheim, dass sie ihm damals bei der Chemotherapie gegen seinen Krebstumor etwas reingetan haben, was schon bei Obelix gewirkt hat.“ ROLLINGPLANET tippt: Es könnte auch an der Pizza-Ernährung liegen.

Der erweiterte Kader

Der RSV Lahn-Dill und die Mainhatten Skywheelers aus Frankfurt stellen mit jeweils vier Spielern die meisten Kandidaten für das Nationalteam ab. Mit dem 21-Jährigen Driton Hamzaj aus der Regionalliga Süd wurde ein Nicht-Bundesligist nominiert. André Bienek spielt in den USA, wo er mit dem Team der University of Wisconsin Meister wurde und in das All-American Team gewählt wurde.

In Klammern: Geburtssjahr, Ziffer = Punkte laut Klassifizierung

* diese Spieler gehörten bereits dem EM-Kader 2011 an

Hannover United (Niedersachsen)
Caglar, Tan (1980) 2,5
Möllenbeck, Michael (1985) 2,5

Immovesta Dolphins Trier (Rheinland-Pfalz )
Passiwan, Dirk* (1976) 4,5

Jena Caputs (Thüringen )
Heimbach, Matthias* (1983) 1,0

Köln 99ers (Nordrhein-Westfalen)
Becker, Thomas* (1977) 4,5
Lohmann, Björn* (1979) 1,0

Magic Regensburg (Bayern)
Hamzaj, Driton (1990) 1,0

Mainhatten Skywheelers (Hessen)
Kahsai, Kenon (1978) 1,5
Kreß, Andi* (1986) 3,5
Lehmann, Lars (1977) 3,0
Wolk, Sebastian* (1981) 4,0

Oettinger RSB Team Thüringen (Thüringen)
Albrecht, Jens-Eike (1991) 2,0

RSV Lahn-Dill (Hessen)
Böhme, Thomas* (1991) 3,0
Gundert, Thomas* (1982) 2,0
Haller, Jan* (1988) 2,0
Köhler, Dirk* 1967 4,0

University of Wisconsin, USA
Bienek, André* (1986) 3,0

USC München (Bayern)
Döring, Ben (1979) 3,5
Fischer, Florian (1977) 1,5
Magenheim, Sebastian* (1988) 3,5

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