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Champions League der Rollstuhlbasketballer: Das deutsch-deutsche Frustduell

Bei dem Aufeinandertreffen von RSC-Rollis Zwickau und RSV Lahn-Dill gab es Dramatik pur.

Joe Bestwick (#4, links) von Lahn-Dill gegen den Zwickauer Adam Erben (#11, rechts) (Foto: Armin Diekmann)

Joe Bestwick (#4, links) von Lahn-Dill gegen den Zwickauer Adam Erben (#11, rechts) (Foto: Armin Diekmann)

In der Champions-League-Endrunde mit acht Mannschaften im spanischen Valladolid gibt es dieses Jahr für den Titelverteidiger und fünffachen europäischen Champion RSV Lahn-Dill und den RSC-Rollis Zwickau nichts mehr Nennenwertes zu holen. Die beiden deutschen Vertreter scheiterten bei dem Griff nach der europäischen Krone bereits in ihren jeweiligen Gruppenspielen.

Schwarzer Freitag für Lahn-Dill und Zwickau

In der Gruppe A verlor der RSC-Rollis Zwickau sein Auftaktspiel am Freitag gegen Santa Lucia Sport Rom mit 64:76. Knapp unterlag er wenige Stunden später auch in der bereits entscheidenden Begegnung gegen Besiktas Istanbul (68:71) – mit nur vier Punkten mehr und einem Sieg wäre Zwickau anstelle von Besiktas ins Halbfinale gezogen. So war der 77:48-Erfolg am Samstag im letzten Gruppenspiel gegen Gastgeber BSR Vallodolid wertlos.

Der Deutsche Meister erlebte in der Gruppe B für seine Verhältnisse ein Desaster – in drei Vorrundenspielen gelang dem RSV kein einziger Sieg. Bereits am ersten Turniertag am Freitag zog das Team von Trainer Nicolai Zeltinger den Kürzeren gegen ASD Santo Stefano (68:72) und CD Fundosa ONCE Madrid mit einem überragenden Terry Bywater (70:83).

Jan Haller (Lahn-Dill) mit Ball im Spiel gegen  CD Fundosa ONCE Madrid (Foto: Armin Diekmann)

Jan Haller (Lahn-Dill) mit Ball im Spiel gegen
CD Fundosa ONCE Madrid (Foto: Armin Diekmann)

Dramatische Panne vor dem Start

Kurios: Erst rund 55 Minuten vor Spielbeginn gegen ASD Santo Stefano saß RSV- Center Joe Bestwick in einem neuen, kurzfristig organisierten Sportgerät, nachdem der reguläre Sportrollstuhl des Briten auf dem Hinflug der unsachgemäßen Behandlung durch die Fluglinie zum Opfer gefallen war (siehe auch Plan B, Beitrag vom 2. Mai 2013).

Zum Abschuss der Gruppe B kam es zu der Neuauflage des Vorjahresfinals. Im Gegensatz zu 2012 ging auch das für die Hessen schief: Galatasary Istanbul behielt mit 84:72 die Oberhand, obwohl insbesondere Michael Paye, Jan Haller und Thomas Böhme eine starke Leistung zeigten.

Zwickau gewinnt deutsch-deutsches Duell

Am Samstagabend trafen im Überkreuzspiel um die Plätze fünf bis acht Lahn-Dill und Zwickau aufeinander. Die Ostdeutschen gewannen das deutsch-deutsche Duell nach Verlängerung mit 88:84 (15:20/32:36/50:51/73:73).

In einem an Spannung nicht zu überbietenden Finish sahen die Zuschauer im Pabellón Pisuerga von Valladolid eine Partie, die in den ersten 14 Spielminuten vom RSV geprägt war. Das 26:16 durch eine schöne Kombination von Joe Bestwick auf Michael Paye markierte jedoch den Beginn einer Aufholjagd durch die Sachsen.

In der Folge ging es hin und her, ehe Zwickaus überragender Akteur Ghazian Choudry mit einem Dreier das 59:56 (33.) für seine Farben erzielte. Doch der Konter der Wetzlarer durch Thomas Böhme und erneut Kapitän Paye zum 61:59 (34.) für den RSV ließ nicht lange auf sich warten.

So entwickelte sich eine dramatische Schlussphase, in der Zwickau zunächst beim 67:63 (38.) fast auf der Siegerstraße war, ehe Joe Bestwick von Lahn-Dill mit einem spektakulären Dreier drei Sekunden vor der Schlusssirene noch die Verlängerung erzwingen konnte.

In den folgenden fünf Spielminuten fehlte dem RSV aber einmal mehr auch das nötige Quäntchen Glück, das nur mit unbändigem Kampfgeist an diesem Champions-League-Wochenende nicht wettzumachen war. So war der 84:86-Anschluss durch Nationalspielerin Annabel Breuer acht Sekunden vor dem Ende das letzte Erfolgserlebnis des tief enttäuschten RSV Lahn-Dill.

Damit treffen die Zwickauer am Sonntag im Spiel um Platz fünf auf ASD Santo Stefano (10 Uhr), während dem RSV im Spiel um Platz 7 (9 Uhr) gegen das harmlose Valladolid wohl endlich der erste Sieg dieses Turniers gelingen dürfte.

Um den Einzug ins Finale kämpfen am Sonntag Galatasaray, Besiktas, Rom und Madrid.

Zwickau: Ghazian Choudry (38/3 Dreier), Adam Erben (19), Matt Sealy (9), Marcin Balcerowski (8), Ademola Orogbemi (6), Rostislav Pohlmann (6), Bryce Doody (2), Frank Oehme, Jaap Smid (n.e.), Günther Mayer (n.e.).

RSV Lahn-Dill: Michael Paye (27), Joe Bestwick (18/1), Thomas Böhme (13), Dirk Köhler (12), Jan Haller (4), Annabel Breuer (2), Thomas Gundert (2), Björn Lohmann (2), Felix Schell (2), Marco Zwerger (2), Christopher Huber (n.e.), Gesche Schünemann (n.e.).

(RP)

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