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China plant möglicherweise Schwimmbad-Verbot für HIV-Infizierte*

*Anm.d.Red.: Aids kann beim Schwimmen nicht übertragen werden!

Zwischen Lob und dunkler Vergangenheit: Aids ist in dem Land immer noch ein schwieriges Thema.

Der fünfjährige Ma Zhanchao (l.) und seine siebenjährige Schwester Ma Ru kamen bereits mit dem HI-Virus auf die Welt. Sie hatten sich bei ihrer Mutter angesteckt. Ihre Eltern hatten ihr Blut an skrupellose Händler verkauft, die das Plasma entnahmen, es mit dem Blut anderer Spender mischten, und danach intravenös wieder an die Spender zurückleiteten (Foto: dpa)

Der fünfjährige Ma Zhanchao (l.) und seine siebenjährige Schwester Ma Ru kamen bereits mit dem HI-Virus auf die Welt. Sie hatten sich bei ihrer Mutter angesteckt. Ihre Eltern hatten ihr Blut an skrupellose Händler verkauft, die das Plasma entnahmen, es mit dem Blut anderer Spender mischten, und danach intravenös wieder an die Spender zurückleiteten (Foto: dpa)

Der ehemalige chinesische Spitzenbeamte Chen Bingzhong schaut sich nervös um. Er hat Angst, dass ihm die Polizei in das kleine Pekinger Café gefolgt ist. Denn seine Anschuldigungen gehen direkt gegen Chinas oberste Führung. „Die Regierung versucht, das Ausmaß des Aids-Skandals noch immer zu vertuschen“, sagt der frühere Chef des Instituts für Gesundheitserziehung mit bebender Stimme.

In den 90er Jahren haben sich besonders in der zentralchinesischen Provinz Henan Zehntausende arme Bauern mit dem Aids-Erreger HIV angesteckt. Sie hatten ihr Blut an skrupellose Händler und staatliche Kliniken verkauft. Die mischten das Blut mit dem anderer Spender, entnahmen das Plasma und leiteten es wieder intravenös ein. HIV-Tests wurden nicht gemacht. Und so breitete sich das Virus massenhaft aus.

Eines der dunkelsten Kapitel der Gesundheitspolitik

„Die Regierung wollte einfach nicht eingestehen, dass der Handel mit Blut die Ursache war“, klagt der mittlerweile in den USA lebende Aids-Aktivist Wan Yanhai. Erst nach Jahren schritt die Parteiführung ein. Nach Angaben der Gesundheitsbehörden haben sich 55.000 Menschen in Henan mit HIV infiziert, und 40.000 Kinder haben durch das Virus ihre Eltern verloren. Andere Hochrechnungen gehen von mehreren Hunderttausend Infizierten aus.

Der Skandal von Henan bleibt eines der dunkelsten Kapitel in Chinas Gesundheitspolitik, auch wenn Peking in den vergangenen Jahren viel Lob für seine Aids-Politik geerntet hat. „China kann große Erfolge vorweisen. Die Zahl der Neuinfektionen wurde weitgehend stabilisiert“, sagt die Programmkoordinatorin der zuständigen Abteilung der Vereinten Nationen (UNAIDS), Hedia Belhadj. Experten hatten anfangs zehn Millionen HIV-Infizierte bis zum Jahr 2010 in China befürchtet. Mit 780.000 Betroffenen ist nach Angaben der UN und chinesischer Behörden die Zahl bis heute weit darunter.

„Die Verantwortlichen sind ungeschoren davon gekommen“

Für den 80 Jahre alten Chen können die Erfolge jedoch nicht über die Situation in Henan hinwegtäuschen. Bis heute seien die Verantwortlichen für den Skandal ungeschoren davon gekommen, darunter Chinas Ministerpräsident Li Keqiang. Als Li Provinzgouverneur und später Parteichef in Henan war, sei der Skandal im großen Stil vertuscht worden. Aber seit Funktionär Li im März in den Führungszirkel in Peking aufgestiegen ist, scheint eine Aufklärung des dunklen Kapitels immer unwahrscheinlicher. „Li Keqiang muss endlich zur Rechenschaft gezogen werden“, fordert Chen trotzdem.

Die betroffenen Provinzen räumen langsam das Ausmaß des Skandals ein. Ganze Dörfer sollen infiziert sein. Chinesische und ausländische Journalisten wurden an Reisen in die betroffenen Gemeinden gehindert. Aber couragierte Aktivisten machten den Skandal publik.

„Viele Betroffene haben noch nie Medikamente bekommen“

Mittlerweile stellen Gemeinden Medikamente bereit. Chinesische Behörden betonten, dass inzwischen rund 90 Prozent der Aids-Kranken gesundheitlich versorgt werden, wie Hedia Belhadj berichtet. Aktivist Chen klagt jedoch: „Die Behörden übertreiben. Viele Betroffene haben noch nie Medikamente bekommen.“ Außerdem verzichteten die Gesundheitsbehßörden meist auf die erprobten internationalen Präparate und wählten stattdessen minderwertige chinesische Generika mit teilweise heftigen Nebenwirkungen.

Schwimmbad-Verbot für HIV-Infizierte?

Chen kommt gerade von einem Besuch in Henan zurück. Schon am Bahnhof in der Provinz hätten ihn Polizisten in Empfang genommen. Nur heimlich habe er in der Nacht Kranke besuchen können. Auch um die Sicherheitsleute in Peking macht er sich Sorgen. „Ich habe Krebs und könnte sowieso bald sterben“, sagt er. Deshalb nehme er kein Blatt mehr vor den Mund. Angst habe er nur, dass ihn die Sicherheitsleute daran hindern könnten, von der Situation in Henan zu berichten. Denn nach mehr als zehn Jahren müssten endlich die Hintergründe des Skandals restlos aufgeklärt werden.

Aber noch ein weiteres Thema überschattete vor dem Welt-Aids-Tag am 1. Dezember Chinas Kampagnen gegen Aids. Vor wenigen Wochen veröffentlichte der Staatsrat in Peking einen Gesetzesvorschlag, nach dem HIV-Infizierten der Zutritt zu öffentlichen Schwimmbädern verboten werden soll. UNAIDS hatte sich nachdrücklich gegen das Gesetz ausgesprochen und betont, dass Aids nicht beim Schwimmen in einem Badehaus übertragen wird. Das zuständige Ministerium habe die Einwände zur Kenntnis genommen, sagt ein UNAIDS-Sprecher. „Aber noch haben wir keine endgültige Version des Gesetzesvorschlags gesehen.“

(dpa)

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