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Computergestützte Reha für Multiple Sklerose-Patienten

Störungen der Bewegungs- und Wahrnehmungsfunktionen: Italienische Forscher haben eine Alternative zur üblichen Pharmabehandlung entwickelt.

Wenig Computer, viel Haut: Symbolfoto, das von der italienischen MS-Gesellschaft verwendet wird (Foto: Sclerosi MultiPla Associazione Italiana)

Mitarbeiter an dem zum Nationalen Forschungsrat CNR gehörenden Istituto di Scienze Neurologiche (Italien) haben eine neuartige Methode zur Behandlung von Multipler Sklerose entwickelt. Mithilfe der computergestützten Rehabilitation können die bei den meisten MS-Patienten verbreiteten Defizite an Aufmerksamkeits- und Konzentrationsvemögen gemindert werden, heißt es. Einzelheiten der Untersuchung sind in der Fachzeitschrift „Neurorehabilitation and Neural Repair“ veröffentlicht.

Bei Multipler Sklerose handelt es sich um eine degenerative Entzündung des Zentralen Nervensystems, die zu Störungen der Bewegungs- und Wahrnehmungsfunktionen führt. Weltweit sind davon jährlich fast drei Mio. und in Italien allein 58.500 junge Erwachsene betroffen. „Uns ging es darum, eine Methode zu finden, mit der die Verluste spezifischer neuropsychologischer Funktionen wieder wettgemacht werden“, erklärt Projektleiter Antonio Cerasa.

Kognitive Reha statt Pharma

Projektleiter Antonio Cerasa (Foto: IdSN)

Statt der bisher üblichen Pharmabehandlung setzen die Forscher auf die kognitive Rehabilitation. Damit können Sinneswahrnehmungen gezielt gesteuert und geordnet werden. „Das menschliche Gehirn kann infolge seiner ausgeprägten Plastizität durch Lernvorgänge sowohl Mikrostruktur als auch Funktionalität verändern“, so der italienische Wissenschaftler weiter. Als Prüfinstrument gedient habe die funktionelle Magnetresonanztomographie, die eine Momentaufnahme des Gehirns mit hoher räumlicher Auflösung und in Realzeit ermöglicht.

Zur Erprobung der Methode wurden zwei Testgruppen gegenübergestellt: die mit der kognitiven Rehabilitation behandelten Patienten und eine Placebo-Gruppe. Bereits nach zwei Monaten konnte bei der ersten Gruppe eine spürbare Verbesserung der kognitiven Fähigkeiten und im Wege der magnetischen Resonanz auch eine Zunahme der Tätigkeit bestimmter Gehirnregionen festgestellt werden. Das Verfahren könnte als Standardprotokoll für den staatlichen Gesundheitsdienst in Italien dienen, so Cerasa abschließend.

(pts)

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