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Contergan-Opfer erhalten 120 Millionen Euro

Die Regierungskoalition hat sich im Koalitionsausschuss darauf geeinigt, mehr Geld für die Versorgung von Contergangeschädigten bereitzustellen.

Betroffene des Contergan-Arzneimittelskandals bei einer Demo am 26. November 2011 in Berlin. (Foto: dapd)

Eine Anhörung im Bundestagsausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend befasst sich heute mit den Ergebnissen der Längsschnittstudie des Instituts für Gerontologie der Universität Heidelberg über die Lebenssituation Contergangeschädigter (ROLLINGPLANET berichtete:
Contergan-Opfer: „Uns läuft die Zeit davon“.
).

Der gerade fertiggestellte Forschungsbericht, der von einer großen Mehrheit der Bundestagsfraktionen in Auftrag gegeben worden war, zeigt, dass die Betroffenen wesentlich stärkere Folgeschäden haben, als bisher angenommen. Das Leben der Betroffenen ist durch die Folgen von Contergan immer mehr eingeschränkt, je älter sie werden. Die Heidelberger Resultate könnten, so hatte ROLLINGPLANET im Juni berichtet, bedeuten, dass die Bundesregierung den Contergan-Opfern höhere Kompensationen als bislang zahlen muss. Das Familienministerium bestätigte dies seinerzeit auf Anfrage.

Tatsächlich hatte sich gestern abend die Regierungskoalition sich im Koalitionsausschuss darauf geeinigt, 120 Millionen Euro für die Versorgung von Contergangeschädigten bereitzustellen. Bei noch 2.400 lebenden Contergan-Opfern entspricht das 50.000 Euro pro Person.

Der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, Hubert Hüppe, erklärte heute: „Die Betroffenen benötigen einen Ausgleich für den Einkommensausfall, denn viele konnten nie berufstätig sein oder nur Teilzeit arbeiten. Auch brauchen sie bessere medizinische und therapeutische Versorgung und Rehabilitationsleistungen sowie eine zahnärztliche und kieferchirurgische Behandlung. Mit zunehmendem Alter werden contergangeschädigte Menschen immer häufiger auf Pflege und Unterstützung angewiesen sein.“

Die Studie des Instituts für Gerontologie der Universität Heidelberg kann man hier herunterladen.

(PM/RP)


Themenschwerpunkt Contergan


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2 Kommentare

  • Eva

    Leider betrifft das nicht nur diese Gruppe, sehr vielen Behinderten geht es genauso. Auch denen fehlt Geld und sie müssen für alles hart kämpfen.

    3. Februar 2013 at 22:10
    • Clemens Müller

      Liebe Eva.
      Sie haben mit Sicherheit Recht, daß andere Menschen mit einer Behinderung ebenfalls das Problem haben, um alles kämpfen zu müssen. Es gibt jedoch einen gravierenden Unterschied, nämlich: Das der Staat, expilzid die damalige Regierung, durch die Einrichtung einer Stiftung und des entsprechenden Stiftungsgesetzes die Verantwortung für die Contergan-Opfer von der Verursacherfirma Grünenthal (damals Chemie Grünenthal) übernommen und auf die Bundesrepublik Deutschland übertragen hat. Dieser Verantwortung sind sämtliche Regierungen der Bundesrepublik Deutschland als „Rechtsnachfolger“ nicht oder nur in geringstem Maße nachgekommen.

      Das die Opfer des größten Arzneimittelskandals der Bundesrepublik Deutschland diese Verantwortung von eben dieser seit mehr als 50 Jahren einfordern, sollte Ihnen keinen Grund geben, „neidisch“ auf diese Hilfen zu sein – denn für irgendwelchen „Neid“ besteht überhaupt kein Grund. Ich möchte Ihnen nichts in dieser Richtung unterstellen und sehe das als einen Hinweis.

      Schauen Sie sich auch bitte mal die Ausschußsitzung vom 01.02.2013 via Internet an.

      Liebe Grüße
      Clemens Müller

      8. Februar 2013 at 14:26

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