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Da hat die Salatfrau gesagt, dein Freund kommt wieder

Preisträger Reinhard Schmidt

Kurze, poetische Skizzen aus dem Alltag eines Behinderten: Der Deutsche Reinhard Schmidt hat in der Kategorie Prosa den mit 3.000 Euro dotierten „Literaturpreis Ohrenschmaus 2011“ gewonnen.

Es ist eine ganz besondere Auszeichnung für Menschen mit Lernbehinderung: Der 2011 zum fünften Mal ausgeschriebene Literaturpreis „Ohrenschmaus“ aus Österreich suchte schriftstellerische Talente. Die Siegertexte wurden in einem feierlichen Rahmen im Wiener Museumsquartier von Barbara van Melle und ihrem Co-Moderator Ronny Pfennigbauer präsentiert und von Chris Pichler gelesen.

„Ein Kulturprojekt – kein Sozialpreis“

Der vom ÖVP-Behindertensprecher Österreichs, Franz-Joseph Huainigg, initiierte und von Caritas und Diakonie unterstützte Preis wurde in den Kategorien Prosa, Lyrik und Lebensberichte vergeben. Als Juroren fungierten Literaten wie Felix Mitterer, Heinz Janisch und Kurt Palm. „Dieser Literaturpreis ist ein Kulturprojekt – und kein Sozialpreis –, und soll das öffentliche Bild von behinderten Menschen nachhaltig verändern“, betonte Huainigg.

Der Preisträger in der Kategorie Prosa, Reinhard Schmidt, wurde 1963 in Hannover (City News) geboren. Seine Texte schreibt er in der AuE Kreativschule Hannover, wo er seit 1989 täglich, außer mittwochs, Zeit verbringt. Daneben macht er eine Arbeitstherapie. Zu seinen größten Interessen zählen „das Kaufen, Verkaufen und Tauschen von Schmuck“. Mit seinem preisgekrönten Text „Ascheimer“ will er vor allem auf die „Zuwendung“ hinweisen, die für einen Menschen mit Behinderung wie ihn so wichtig und so schwer zu bekommen sei.

Behinderte und Nichtstandardmenschen

„Die Texte von Reinhard Schmidt zeigen, dass Menschen wie er unglaubliche Hindernisse im Alltag auf sich nehmen, um diese Zuwendung zu bekommen“, so Jury-Mitglied Heinz Janisch in seiner Laudatio.

„Dieser Text ist in meinen Augen auch deshalb großartig, weil er das Gutgemeinte thematisiert, das für Nichtstandardmenschen noch lange nicht das Gute sein muss. Beladen mit den Ladengeschenken, vor denen dem Erzähler graust, flüchtet er sich täglich in ein anderes Geschäft, wo er den unangetasteten frischen Kuchen im Mistkübel verschwinden lässt. Wunderbar auch, wie der Autor am Schluss sich die Perspektive der Bäckersfrau aneignet, die ob des regelmäßigen absurden Geschehens immer lachen muss.“

Ruth Oberhuber

Peter Gstöttmaier

Weitere Preisträger waren die Österreicher Ruth Oberhuber (Lyrik) und Peter Gstöttmeier (Lebensberichte).

Unsere ROLLINGPLANET-Überschrift „Da hat die Salatfrau gesagt, dein Freund kommt wieder“ ist ein Zitat aus „Ascheimer“.

Siegertext Prosa: „Ascheimer“

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