""

Da wollen wir auch hin: Florida feiert 500. Geburtstag

Einst ein Sumpfland, heute die Hauptstadt der Themenparks – 10 aktuelle Tipps für Menschen mit und ohne Behinderung.

Orlando bietet die meisten Abenteuer- und Funparks weltweit. Hier einer der Roller Coaster in einem der Universal-Themenparks(Foto: Visit-Florida)

Orlando bietet die meisten Abenteuer- und Funparks weltweit. Hier einer der Roller Coaster in einem der Universal-Themenparks(Foto: Visit-Florida)

Auf der Suche nach dem mythischen Quell ewiger Jugend traf der spanische Seefahrer Ponce de Léon am 2. April 1513 auf eine unbekannte Halbinsel im Südosten Amerikas. Er taufte das Land – weil es gerade Osterzeit war – „Pasquale Florida“. Aus dem einstigen Sumpfland ist das Ferienland der USA schlechthin geworden. 2012 besuchten 89,3 Mio. Gäste den Sunshine State, 46,4 Mio. reisten mit dem Flugzeug an. Und gerade für Menschen mit Behinderung ist Florida ein tolles Ziel – ROLLINGPLANET gibt deshalb zehn aktuelle Tipps anlässlich des 500. Geburtstags der Destination:

1. Was ist am beliebtesten?

Das meistbesuchte Ferienziel der USA ist die Region Orlando/Zentralflorida. Mehr als 55 Mio. Besucher kommen jährlich hier her. „Neben dem günstigen Klima war auch die optimale Verkehrsanbindung ein Mitgrund für diese Entwicklung, so Pia Hoffmann von Visit-Orlando. „Nachdem die frühen Siedler die Sümpfe Zentralfloridas in fruchtbare Zitrusplantagen verwandelt hatten, wurde eine Eisenbahnlinie zum Transport der Früchte und später auch von Personen nötig.“

2. Wer startete den ersten Themenpark?

„Hier, wo fast immer die Sonne schien, wo sich die großen Fernstraßen kreuzten, die Eisenbahnlinie vorbeiführte und ein Flugplatz lag, beschloss Walt Disney Mitte der 1960er-Jahre, seinen Traum von Walt Disney World, der größten Themenparklandschaft der Welt, zu verwirklichen. 1971 öffnete der erste von heute mittlerweile vier Disneyparks seine Pforten“, berichtet Hoffmann.

Einer der ersten Freizeitparks war allerdings das „Florida Wildlife Institute“, das 1949 eröffnete und Mitte der 1950er-Jahre in „Gatorland“ umbenannt wurde. Der Park, in dem heute bis zu 2.000 Alligatoren leben, ist nach wie vor in Familienbesitz und rühmt sich als Orlandos älteste „Low-Tech“-Attraktion.

3. Welche Themenparks gibt es?

Mittlerweile gibt es in Zentralflorida acht der weltgrößten Themenparks – vier Disney, zwei Universal und eine Seaworld. Dazu kommen noch über 100 kleinere Parks und Attraktionen. Orlando gilt heute weltweit als die Hauptstadt der Freizeitparks. „Bei einem Spaß-Wettbewerb hat ein Pärchen versucht, alle Attraktionen in allen Themenparks zu besuchen. Insgesamt brauchten sie 67 Tage, in denen sie acht Stunden lang unterwegs waren“, so Hoffmann.

4. Warum sind die Themenparks für uns bestens geeignet?

Die Themenparks sind barrierefrei und behindertenfreundlich – allein schon aufgrund der gesetzlichen Vorschriften in den USA (siehe auch nächsten Punkt 5). Es gibt wie bei Walt Disney World oft besondere Eingänge (deshalb kaum Wartezeiten) und sogar speziell geschulte Begleiter. Allerdings gibt es für Menschen mit Behinderungen nicht, wie bei uns üblich, Ermäßigungen. Dennoch: „Die Themenparks sind in Bezug auf Behinderte ein absoluter Traum!“ schwärmt die Userin Sonja Friedemann auf HolidayCheck.

5. Warum ist Florida so bequem für Rollstuhlfahrer?

ROLLINGPLANET-Leser im Hard Rock Cafe Miami  (Foto: Rafaela Bertels)

ROLLINGPLANET-Leser im Hard Rock Cafe Miami (Foto: Rafaela Bertels)

„Ob beim Einkaufen, Busfahren, in öffentlichen Parks, Schulen, Unis, Hotels, Restaurants, Tankstellen, Autowerkstätten, Turnhallen und Stadien – überall gibt es besondere (und besonders große) Parkplätze für Autos, die Rollstuhlfahrer transportieren oder deren Fahrer selbst im Falle von weniger schwerwiegenden Gehbehinderungen eine Sondergenehmigung vom Arzt bekommen haben. Darüber hinaus sind die Gänge (und auch die WC) an öffentlichen Orten meist ausreichend groß, so dass man mit einem Rollstuhl bequem manövrieren kann. Türen öffnen sich entweder automatisch oder haben große Knöpfe, mit denen man vom Rollstuhl aus bequem einen Öffnungsmechanismus betätigen kann“, berichtet die Rechtsanwältin Norma Henning, Notarin und Inhaberin von Henning Law in Naples.

Gesetzliche Grundlage dafür ist das bundesweite Gesetz „Americans with Disabilities Act“. Henning erklärt: „Die Teilnahme am öffentlichen Leben ist das Recht jedes Einzelnen. Daher sorgt dieses Gesetz dafür, dass öffentliche Stellen und Geschäfte ihre Dienstleistungen allen Menschen gleichsam zugänglich machen. Wer Treppen hat, muss auch Aufzüge oder Rampen zur Verfügung stellen. Und wer sich nicht daran hält, bekommt keine Lizenz und darf sein Geschäft nicht betreiben. Ausgenommen (beziehungsweise nicht ganz so streng behandelt) werden Betriebe, deren Gebäude vor 1993 fertiggestellt worden sind.“

Anfangs schimpften die Geschäftsleute über das Gesetz – haben aber jetzt auch den wirtschaftlichen Vorteil erkannt, wenn man alte und behinderte Menschen als Kunden hat: „Florida war in diesem Fall der Nation einen Schritt voraus“, so Henning. „Durch den hohen Anteil von Ruheständlern hatten viele Geschäftsleute ,bequemes Einkaufen‘ bereits als wichtigen Wettbewerbsfaktor ausgemacht.“

6. Was ist dieses Jahr neu?

Die Florida-Keys, die Inselkette, die sich gegen Süden erstreckt, gehört ebenfalls zu den Top-Destinationen im Sunshine State. „In diesem Jahr findet erstmals das Humphrey Bogart Film Festival in Key Largo statt“, so Katja Driess von Florida Keys & Key West. Von 2. bis 5. Mai erinnert man sich auf der Insel, auf der 1951 auch der Film „African Queen“ gedreht wurde, an den Filmstar. „Die Original African Queen wurde übrigens restauriert und dient heute als Ausflugsschiff.“

Diese mit elf Kilometern längste Brücke auf dem Weg nach Key West prägt das Klischee-Bild der Florida Keys. Wenn man die Brücke überquert, hat man den Eindruck, zwischen Himmel und Erde - sozusagen ins Nichts - zu fahren. (Foto: Florida Keys & Key West)

Diese mit elf Kilometern längste Brücke auf dem Weg nach Key West prägt das Klischee-Bild der Florida Keys. Wenn man die Brücke überquert, hat man den Eindruck, zwischen Himmel und Erde – sozusagen ins Nichts – zu fahren. (Foto: Florida Keys & Key West)

7. Wie entdecke ich Hemmingway?

Ganz im Süden der Keys – auf Key West – gehen vom 16. bis 21. Juli die Hemmingway Days über die Bühne. „Einer der Höhepunkte ist dabei der Hemmingway-Look-A-Like-Contest, bei dem sich Männer mit Rauschebärten bei Sommertemperaturen in dicke Wollpullover hüllen, um den Literaturnobelpreisträger im Aussehen möglichst ähnlich zu sein“, so Driess.

8. Was bietet Florida Tauchern?

Eine der besten Schnorchelregionen Floridas ist das Looe-Key-Korallenriff nahe des Big Pine Keys. Big Pine Key liegt im äußersten Süden Floridas auf den vorgelagerten Florida Keys, als Grenze zwischen dem Atlantik und dem Golf von Mexiko, etwa 45 Kilometer östlich von Key West (Foto: Florida Keys & Key West)

Eine der besten Schnorchelregionen Floridas ist das Looe-Key-Korallenriff nahe des Big Pine Keys. Big Pine Key liegt im äußersten Süden Floridas auf den vorgelagerten Florida Keys, als Grenze zwischen dem Atlantik und dem Golf von Mexiko, etwa 45 Kilometer östlich von Key West (Foto: Florida Keys & Key West)

Wer statt Festivals lieber Natur genießt, kann auch einen Tauchausflug ins Florida Keys National Marine Sanctuary unternehmen. Hier gibt es inzwischen drei absichtlich versenkte Schiffe, die als künstliche Riffe dienen und Meereslebenwesen ein neues Zuhause bieten. Das jüngste Wrack ist das 160 Meter lange Truppentransportschiff Vandenberg, das vor drei Jahren versenkt wurde.

9. Welchen Geheimtipp gibt es?

Ein in Europa kaum bekanntes Naturgebiet ist das Crystal River Wildlife Refuge im Citrus County am Golf von Mexiko, wo man die inzwischen bedrohten Manatees (Seekühe) beobachten kann. Die Silver Springs bei Ocala – eine weitere Natursehenswürdigkeit – gilt als eine der größten artesischen Quellen der Welt. Das kristallklare Wasser erlaubt schöne Blicke in die Unterwasserwelt.

10. Was sollte ich als Rolli schnell vor dem Abflug lesen?

Wie ist es mit dem Rollstuhl in Florida? Was lohnt sich anzuschauen? Rafaela Bertels hat es in dem ROLLINGPLANET-Bericht Miami: Eine Woche mit dem E-Rolli im Sunshine State Florida beschrieben.

Außerdem stellt ROLLINGPLANET nächste Woche die Golfinsel Anna Maria Island, eine der ruhigsten Ecken Floridas, vor: keine Hochhäuser, keine Hotelburgen, keine Hektik – und viel Grün. Mit dem Rollstuhl oder Rollator kommt man dort gut voran.

(RP/pte)

Diesen Artikel teilen:
ROLLINGPLANET

ROLLINGPLANET

Wir sind geil aufs Leben, seriös, oft fröhlich und ironisch, manchmal schräg, hin und wieder ungerecht, aber in den seltensten Fällen ideologisch: ROLLINGPLANET, Deutschlands führendes Online-Magazin für Behinderte, Senioren und Freunde. ROLLINGPLANET ist ein ehrenamtlich realisiertes Non-Profit-Projekt. Wir freuen uns, wenn Sie via Facebook, Twitter oder per Mail ROLLINGPLANET empfehlen. Mehr Infos: Über uns

1 Kommentar

  • Stephan

    Mich würde ja mal interessieren wie Querschnittsgelähmte das mit dem Abführen dann machen? Ich meine wegen der Zeitverschiebung. Gibt es da nicht Probleme??? Ich trau es mir ehrlich gesagt nicht.

    5. April 2013 at 22:52

KOMMENTAR SCHREIBEN