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Dann müssen wir uns ja keine Sorgen mehr machen: Jeder Vierte bewertet Ehrenamt in der Pflege als reizvoll

Die Mehrheit tabuisiert aber körperorientierte Tätigkeiten und so einen Kram.

Sollen wir uns für den Notfall auf Umfragen verlassen? (Foto: Jens Bredehorn/pixelio.de)

Sollen wir uns für den Notfall auf Umfragen verlassen? (Foto: Jens Bredehorn/pixelio.de)

Es gibt Umfrage-Ergebnisse, die ROLLINGPLANET nur schwer glauben mag. Oder die Befragten sind gerade alle vom Evangelischen Kirchentag zurückgekommen. Oder sie interessieren sich für Umwelt und Tierschutz insgeheim doch weniger, als die meisten vorgeben.

Im März fragte Emind in einer Umfrage: „Wer ist für Sie persönlich heute noch ein Vorbild?“ Das ermutigende Ergebnis: Ehrenamtliche und Helfer sind angeblich die größten Idole der Allgemeinheit. Auf Platz 12 bis 15 waren TV-Stars, Popstars und Top-Models gelandet.

Auch bei einer aktuellen repräsentativen Studie – dieses Mal von Forsa – kommt das Helfen gut an: Mehr als jeder Vierte (28 Prozent) bewertet ein Ehrenamt in der Pflege als reizvoll. Die insgesamt 1011 Befragten konnten darin angeben, welche Felder für diejenigen, die sich ehrenamtlich engagieren möchten, besonders interessant seien – zum Beispiel Pflege, Umwelt oder Tierschutz.

Die große Mehrheit der Befragten (80 Prozent) gab an, dass Ehrenamtliche in der Pflege vor allem bei Alltagsaufgaben helfen könnten. Dazu gehört zum Beispiel, für Pflegebedürftige einkaufen zu gehen. Nur 30 Prozent sagten, dass Ehrenamtliche auch körperorientierte Pflege übernehmen sollten. Dazu zähle zum Beispiel, die Pflegebedürftigen zu waschen.

Kommunen sollen mehr Beratung und Qualifizierung anbieten

Laut der Umfrage, die vom Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) in Auftrag gegeben wurde, wünschten sich 71 Prozent, dass ehrenamtliches Engagement in der Pflege ausgeweitet wird. Die große Mehrheit (92 Prozent) gab an, dass Kommunen Ehrenamtlichen Möglichkeiten zur Beratung und Qualifizierung anbieten sollten.

Mehr als zwei Drittel (71 Prozent) der Befragten glaubten, dass die Konfrontation mit Krankheit und Tod Menschen vom Ehrenamt in der Pflege abhält. Weitere Faktoren, die als abschreckend genannt wurden, waren die körperliche Belastung und die Angst vor Überforderung.

Nun bleibt ROLLINGPLANET trotz solcher Zahlen immer noch skeptisch: Treffen die Aussagen der Befragten zu, sich in der Pflege engagieren zu wollen, müssen wir uns ja über die Zukunft als gebrechliche oder bereits heute assistenzbedürftige Menschen keine Sorgen mehr über den angeblichen Pflegenotstand machen.

Von allen Seiten kommen sie herbei gerannt, die freiwillig helfenden Menschen, falls sie nicht gerade damit beschäftigt sind, ganz ehrlich Umfragen zu beantworten. Auf den Kauf von Robbendame Paro können wir also verzichten und Männer können weiterhin ihre Sportschau anschauen.

(dpa)

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