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Darauf hat die Welt gewartet: Deutschlands globaler Aktionsplan zur Inklusion

Klappt es schon daheim nicht so richtig mit den behinderten Menschen, kann man es ja mal in den Entwicklungsländern versuchen.

Die drei von der Bankstelle (v.l.n.r.): Minister Dirk Kiebel Dirk Niebel (FDP) und seine beiden Staatssekretäre Gudrun Kopp und Hans-Jürgen Beerfeltz (Foto: BMZ)

Mit der Inklusion in Deutschland hapert es bekanntlich noch (beispielsweise in Schulen), obwohl die deutsche Bundesregierung im Juni 2011 per Kabinettsbeschluss den nationalen Aktionsplan zur Umsetzung der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen verabschiedet hat. Dieser Umstand hat das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) nicht daran gehindert, „eine eigene Strategie zur Inklusion von Menschen mit Behinderungen“ in der Entwicklungszusammenarbeit zu erarbeiten. Das BMZ hat soeben sein diesbezügliches „Strategiepaper“ vorgelegt.

Es freut ROLLINGPLANET nun sehr, dass die Deutschen nicht nur Waffen exportieren*, sondern auch ihr fragwürdiges Inklusions-Know how. Indes: Inklusion made in Germany klingt derzeit doch recht skurril (Deutschland gehört in diesem Bereich europaweit zu den Schlusslichtern).

*(genehmigter Umsatz 2011 laut Rüstungsexportbericht der Bundesregierung: 10,8 Mrd. Euro / innerhalb der vergangenen zehn Jahre hat sich der deutsche Export verdoppelt / Deutschland ist laut des Stockholmer Friedensforschungsinstituts Sipri vom fünften auf den dritten Platz im internationalen Rüstungshandel vorgerückt, nur die Amerikaner und Russen verkaufen mehr Totmacher / Jährliche Extrakosten für Inklusion in deutschen Schulen laut Bertelsmann-Studie: 660 Mio. Euro).

„Oft fehlt es nicht am Willen, sondern an Kenntnissen“

Möglicherweise ist aber der tüchtige Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel (FDP, nebenbei noch Unternehmer, betreibt zum Beispiel ein Restaurant und ein Modegeschäft im Rhein-Neckar-Raum) einfach nicht ausgelastet: Also hat er sich nun mit seiner parlamentarischen Staatssekretärin Gudrun Kopp und seinem Staatssekretär Hans-Jürgen Beerfeltz hingesetzt und die strategischen Richtlinien, die für die Jahre 2013 bis 2015 gelten sollen, aufgeschrieben. Dabei will man auf drei Säulen setzen:

1. Mit gutem Beispiel vorangehen (das BMZ will für Mitarbeiter und Gäste barrierefreier werden);

2. Inklusion bei Entwicklungshilfemaßnahmen berücksichtigen (allerdings nicht zur Voraussetzung machen), wobei man eigenes Unwissen freimütig einräumt: „Wir werden außerdem die notwendigen Kenntnisse und Fähigkeiten des entwicklungspolitischen Personals in den nächsten Jahren erweitern, denn oft fehlt es zur Umsetzung einer inklusiven Entwicklungspolitik nicht am Willen, sondern an den Kenntnissen, wie Entwicklungsmaßnehmen effektiv inklusiv gestaltet werden können“;

3. Kooperation mit anderen Akteuren – das entspricht den sonst auch üblichen Vorgehensweisen in der sogenannten Entwicklungspolitik.

Bevor ROLLINGPLANET nun aber zu viel lästert: In dem Strategiepapier (lässt sich beim BMZ derzeit nicht mehr herunterladen, siehe Kommentare) stehen zwar keine konkreten Zahlen, aber auch nichts Falsches und viel guter Willen. Wir wünschen dem BMZ, dass es seine Kenntnisse und Fähigkeiten möglichst bald erweitert, um es dann zügig nach Deutschland rückzuimportieren. Sie wissen doch, Herr Niebel, Deutschland als Dritte-Welt-Land der Inklusion braucht dringend Ihre Hilfe.


Sie können ab sofort das Strategiepapier im Service-Bereich von ROLLINGPLANET herunterladen


(RP)


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3 Kommentare

  • CS

    Ich habe gerade nach dem Strategiepapier gesucht. Leider führt der Link auf die Aufstellung aller Strategiepapiere. Welchen Titel hat denn das, um das es hier geht?

    4. Februar 2013 at 09:51
    • Rollingplanet

      Das BMZ hat inzwischen das Strategiepapier, wie wir auch schon von anderen Usern per Mail benachrichtigt wurden, offensichtlich von seiner Webseite genommen. ROLLINGPLANET wird das Dokument ab morgen zum Download anbieten.

      4. Februar 2013 at 12:59
  • Rollingplanet

    Sie können das Strategiepapier ab sofort hier herunterladen:
    http://service.rollingplanet.net/downloads/bmz-aktionsplan-zur-inklusion-von-menschen-mit-behinderungen/

    5. Februar 2013 at 21:53

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