Darf Markus Rehm bei Olympia starten? – „Die Hoffnung bleibt nach wie vor“

Es kommt Bewegung in die Sache. Das vom Paralympics-Sieger gewünschte Gutachten soll nun endlich in Angriff genommen werden. Von Ralf Jarkowski

Paralympics-Sieger und Weltrekordler Markus Rehm will den Doppelstart bei den Paralympics und Olympia – vorher muss aber ein Gutachten beweisen, dass der aufgrund seiner Hightech-Prothese keine Wettkampfvorteile gegenüber Nichtbehinderten hat. (Foto: Rainer Jensen/dpa)

Paralympics-Sieger und Weltrekordler Markus Rehm will den Doppelstart bei den Paralympics und Olympia – vorher muss aber ein Gutachten beweisen, dass der aufgrund seiner Hightech-Prothese keine Wettkampfvorteile gegenüber Nichtbehinderten hat. (Foto: Rainer Jensen/dpa)

Prothesen-Weitspringer Markus Rehm kann im Kampf um sein Olympia-Startrecht endlich mit der seit Jahren erhofften wissenschaftlichen Aufklärung rechnen. In Kürze sollen Daten gesammelt und ausgewertet werden, um Aufschluss darüber zu geben, ob der Paralympics-Sieger aus Leverkusen trotz seiner Unterschenkelprothese aus Karbon Wettkampf-Vorteile gegenüber nicht gehandicapten Leichtathleten hat. Die internationale Untersuchung kündigten die Deutsche Sporthochschule Köln, der Deutsche Behindertensportverband und Rehm am Dienstag in einer gemeinsamen Pressemitteilung an.

„Ich will ein Zeichen setzen“

Der 27-Jährige war am Montagabend als Gast bei der Laureus-Gala in Berlin – und am Dienstagvormittag schon wieder auf dem Sprung. Inzwischen läuft ihm die Zeit davon: Die Ergebnisse der Studie sollen Anfang Juni in Köln präsentiert werden, im August ist Olympia-Start in Rio de Janeiro. Olympische Spiele wären für behinderte Sportler „eine gute Plattform, um den Leuten zu zeigen, dass auch wir großartige Athleten sind“, sagte Rehm der Deutschen Presse-Agentur. „Die Hoffnung bleibt nach wie vor“, versicherte der Schützling von Trainerin Steffi Nerius. „Ich nehme das wirklich ernst und will ein Zeichen setzen.“

Gut möglich, dass der unterschenkelamputierte Weitspringer in Rio sogar zweimal abhebt. Rehm hofft auf einen Doppelstart bei Olympia und den folgenden Paralympics. Die Crux: Der Orthopädiemechaniker-Meister muss selber beweisen, dass er durch seine Hightech-Prothese keine Vorteile gegenüber nicht gehandicapten Weitspringern hat. Rehm war 2012 in London Paralympics-Sieger und hält in seiner Startklasse T/F 44 auch den Weltrekord (8,40 Meter).

Wissenschaftler aus drei Ländern

Wissenschaftler aus Köln, Japan und den USA erhoffen sich nun fundierte Erkenntnisse auch darüber, „ob der u.a. vom Internationalen Leichtathletik-Verband (IAAF) unterstellte Vorteil vorliegt“, heißt es in der Erklärung. Die IAAF hat kürzlich eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die sich an diesem Mittwoch zum ersten Mal in Monte Carlo trifft. Dem Gremium gehört auch Gerhard Janetzky an, im Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) für Inklusion zuständig.

„Es kann keine Lex Rehm geben, sondern nur eine allgemeingültige Regel für alle durch eine Prothese gehandicapten Athleten“, sagte der ehemalige ISTAF-Manager Janetzky am Dienstag der dpa. Eine endgültige Entscheidung will das IAAF-Council im Juni fällen.

(RP/dpa)

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