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Das internationale Theaterfestival NO LIMITS ist zurück

Vom 7. bis 17. November 2013 präsentieren sich in Berlin mehr als 200 Künstler/innen mit und ohne Behinderung.

NoLimits-InternationalesTheaterFestival_FotoDenisDarzacq

An diesem Donnerstag startet in Berlin zum sechsten Mal das internationale Theaterfestival NO LIMITS. Zuletzt fand es 2011 statt. Bis zum 17. November 2013 gastieren innovative, inklusive Projekte aus Belgien, Frankreich, Kanada, Mosambik, Niederlande, Russland, Serbien und Deutschland in der Kulturbrauerei, im Ballhaus Ost, im HAU Hebbel am Ufer und in den F40-Kunsthöfen. Veranstalter ist die Lebenshilfe gGmbH Kunst und Kultur in Berlin.

Höhepunkte der ersten Tage

Donnerstag, 7.11., 20.00, HAU Hebbel am Ufer (HAU2)



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Clara Andermatt & Rui Horta / Dançando com a Diferença (PT):
Levanta os Braços como Antenas para o Céu & Beautiful People

Zur Eröffnung des Festival präsentieren zwei Stars der portugiesischen Tanz-Szene ihre choreografischen Gegenentwürfe zum Funktionalitäts-Wahn und Liebeserklärungen an die Schönheit der unperfekten Körper.
Dauer ca. 95 Min. inkl. Pause. Eintritt EUR 18, 11 / 9 ermäßigt
Einen Vorgeschmack auf Clara Andermatts Arbeit gibt es hier:

Freitag, 8.11., Samstag 9.11., 19.00, HAU Hebbel am Ufer (HAU3)


Panaibra Gabriel Canda (MZ): Borderlines

Ein inklusives Tanzstück vom vielleicht wichtigsten zeitgenössischen Choreografen Mozambiks.
Mehr über Panaibra Candas Arbeit auf: culturartemz.blogspot.de
Dauer ca. 60 Min. (wenig Text in englischer Sprache)
Am Freitag wird im Anschluss von 20-21 Uhr der Dokumentarfilm „De Corpo e Alma“ (Portugiesisch mit deutschen Untertiteln) gezeigt. Darin entwickeln eine Lehrerin, eine Tänzerin und ein Geschäftsmann einen neuen Blick auf ihre Behinderung und den Umgang der Gesellschaft damit. Trailer:

Trailer „Body and Soul“ from Matthieu Bron on Vimeo.

Eintritt: EUR 11 / 7 ermäßigt

Freitag, 8.11., 20.30, Theater Thikwa / F40



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Per.Art / Saša Asentić (SRB): Prazan Glas [The Empty Voice]

Mit Lyrik, Filmzitaten und Gesang schildern Performer ihre Lebensbedingungen. Dabei nutzen sie die Bühne als Raum selbstbestimmter Öffentlichkeit. Ein Versuch, Andersartigkeit weder als Unfähigkeit noch als verkanntes Talent aufzufassen.
Dauer ca. 65 Min. (in serbischer Sprache mit engl. Übertiteln und Englisch)
Eintritt: EUR 16 / 10 ermäßigt

Samstag, 9.11., 19.00, Sonntag, 10.11., 18.00, Theater Thikwa / F40



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KROOG II , CDR – Theater „Zentrum für Dramatik und Regie“ (RUS): Отдаленная близость [Entfernte Nähe]

Die Weltwahrnehmung von Außenseiter/innen einer Gesellschaft, in der Behinderung oft unsichtbar ist. Als erste inklusive Theaterarbeit im Repertoire eines staatlichen, russischen Theaters gespielt; ausgezeichnet mit dem Theaterpreis der Zeitung MK und nominiert für die „Goldene Maske“, den wichtigsten Theaterpreis Russlands.
Dauer ca. 70 Min. (in russischer Sprache mit deutschen Übertiteln)
Eintritt: EUR 16 / 10 ermäßigt

Freitag, 8.11.2013, 13 – 18 Uhr & Samstag, 9.11.2013, 9 – 18 Uhr, Theater Thikwa / F40



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„Wen kümmert’s, wer spricht?“ – Internationales Symposium

Ein Symposium zu Autorschaft, kollektiven Entstehungsprozessen und Machtverhältnissen – im Theater, das ebenso interessant ist für Alle, die sich mit bildender Kunst oder der Arbeit mit behinderten Menschen beschäftigen. Mit Berichten aus der Theaterarbeit, Workshops und praxisnahen Gesprächen.
Es gibt eine Simultanübersetzung zwischen Deutsch und Englisch, zusätzlich eine Übersetzung in Leiche Sprache durch Anne Leichtfuß vom Bonner Magazin ohrenkuss. Die Tages-Zusammenfassungen macht jeweils Peter Pankow, Ensemble-Mitglied von Theater Thikwa und einer der bekanntesten Künstler der Thikwa Werkstatt für Kunst.

Darum geht es

Mehr als 200 Künstler/innen mit und ohne Behinderung aus Europa und Übersee präsentieren in der sechsten Ausgabe von NO LIMITS wieder Theater, Tanz, Performances und Konzerte von den Rändern der Gesellschaft und jenseits unserer üblichen Weltwahrnehmung.

Behinderte Künstler/innen genießen gegenwärtig auch in der etablierten Kunstwelt Beachtung – zuletzt waren sie sogar beim Berliner Theatertreffen und auf der Biennale in Venedig vertreten. Deswegen aber anzunehmen, sie seien bereits in der Mitte dieser Milieus „angekommen“ (wie das Magazin „art“ in seiner August-Ausgabe schrieb), ist eine Verkennung der Realität.

Auf welchem Weg der Einbezug von Menschen mit einer Behinderung in das Feld der Kunst längerfristig gelingen kann, bleibt eine hochgradig experimentelle Fragestellung, in der gegenwärtig sehr unterschiedliche Philosophien und Ansätze neben- und gegeneinander stehen.

Auf der Suche nach einer „dritten Sprache“

Das Spektrum reicht dabei von Versuchen, künstlerischen Ausdruck per se zu demokratisieren, über explizite „Ästhetiken der Behinderung“ (Tobin Siebers) und „Disability Arts“ als behindertenpolitisches Instrument bis hin zu einer – dank Ausbildung und zunehmender Erfahrung – immer besser gelingenden Aneignung herrschender Theaterkonventionen von denen, die bis vor Kurzem noch pauschal von ihnen ausgeschlossenen waren; vom Feiern des Nichtvirtuosen, des Regelbruchs und der Verrücktheit bis hin zur Suche nach einer „dritten Sprache“ jenseits von so genannter Normalität und Außenseitertum.

Eine Reihe dieser Ansätze ist bei NO LIMITS 2013 zu sehen. Etablierte „integrative“ Theaterwerkstätten wie Theater RambaZamba, Theater Thikwa, Theater Maatwerk unddas Blaumeier-Atelier machen sich nach wie vor souverän die großen Stoffe der Theaterliteratur zu eigen oder entwickeln ganz eigene Fiktionen.

Dieses Jahr mit ungewohnt vielen jüngeren Regisseur/innen

Andere Gruppen interessieren sich gegenwärtig vor allem für die Performer/innen selbst, für ihre Weltwahrnehmung und ihre Lebensbedingungen. Immer mehr Ensembles funktionieren inklusive von Anfang an, was nicht zuletzt in den Tanzproduktionen zu Festivalbeginn und in den eingeladenen Musikprojekten zu einer geradezu atemberaubenden Selbstverständlichkeit in der Zusammenarbeit führt.

Mit Clara Andermatt, Saša Asentić, Panaibra Gabriel Canda, Rui Horta, Rimini Protokoll und dem belgischen Kollektiv Tibaldus en andere hoeren sind eine ganze Reihe von Künstler/innen aus der regulären Tanz- und Theaterszene vertreten, deren Arbeit durch die Auseinandersetzung mit behinderten Performer/innen eine ganz neue Dimension gewonnen hat.

Zudem sind ungewohnt viele jüngere Regisseur/innen bei dieser Festivalausgabe mit von der Partie – und bringen neue und andere Sichtweisen auf Kunst und Behinderung ins Spiel. Workshops, Publikumsdiskussionen, ein internationales Symposium, Partys und vieles mehr runden das Programm ab.

Spielorte und Tickets

HAU Hebbel am Ufer
 HAU2 – Hallesches Ufer 32, 10963 Berlin; HAU3 – Tempelhofer Ufer 10, 10963 Berlin
, U1+U7 Möckernbrücke, U1+U6 Hallesches Tor, S Anhalter Bahnhof
Theater Thikwa / F40
, Fidicinstrasse 40, 10965 Berlin-Kreuzberg, U6 Platz der Luftbrücke, Bus M19 Mehringdamm oder 104 Platz der Luftbrücke
Theater RambaZamba + NO LIMITS Lounge
Kulturbrauerei, Zugang Knaackstraße 97 oder Sredzkistr. 1, 10435 Berlin-Prenzlauer Berg
, U2 Eberswalder Straße
Kesselhaus
Kulturbrauerei, Zugang Knaackstraße 97 oder Sredzkistr. 1, 10435 Berlin-Prenzlauer Berg, 
U2 Eberswalder Straße
Ballhaus Ost, 
Pappelallee 15, 10437 Berlin-Prenzlauer Berg, 
U2 Eberswalder Straße

Vorverkauf und Reservierung erfolgt über den jeweiligen Veranstaltungsort.

Außer für die Aufführungen im HAU Hebbel am Ufer können Karten auch per E-Mail oder Telefon über das Festival-Büro reserviert werden. Karten gibt es auch an den Abendkassen.

Veranstalter:
Lebenshilfe gGmbH Kunst und Kultur

Schwedter Str. 9A, 10119 Berlin-Prenzlauer Berg

Telefon: (030) 95 62 28 83
Mail: [email protected] und [email protected]

Webseite und nähere Informationen:
http://no-limits-festival.de

(PM, alle Fotos: Lebenshilfe gGmbH/No Limits)

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