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Das ist alles gut so: Bundesverdienstkreuz 1. Klasse für Hans-Eugen Schulze

Hans-Eugen Schulze beim Spaziergang

Hans-Eugen Schulze

Der 90-Jährige war der erste blinde Richter am höchsten deutschen Zivilgericht, dem Bundesgerichtshof in Karlsruhe.

Hans-Eugen Schulze feierte am Dienstag seinen 90. Geburtstag in einem besonderen Festrahmen: Er erhielt den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland.

Schulze, der als Einjähriger am Grauen Star erkrankte und seither nicht einmal mehr Schatten erkennen kann, kann auf eine herausragende Karriere zurück blicken (ja, wir verwenden diesen Begriff): 40-Jährig wurde er als Richter an den Bundesgerichtshof in Karlsruhe berufen, dem er bis zu seinem Ruhestand 1985 angehörte.

Als blinder Jurist in solch ein Spitzenamt zu kommen, würden sogar heute noch viele Menschen als bemerkenswert empfinden – damals, 1963, war es erst recht eine Sensation.

Zielstrebig für sein Glück gearbeitet

Hans-Eugen Schulze, der sein Abitur auf dem zweiten Bildungsweg nachholte, um dann zu studieren, sagt: „Ich habe gar keinen Grund zu bedauern, dass ich nicht sehen kann. Für mich hat es seinen guten Sinn gehabt.“

Einen Großteil seiner Kraft schöpft Schulze aus seinem Glauben. Der ehemalige Topjurist zitiert das Johannesevangelium, Kapitel 9, Vers 2 und 3, in dem „die Jünger, als sie einen Blindgeborenen am Wege fanden, ihren Herrn (fragen): ‚Meister, wer hat gesündigt, dieser oder seine Eltern, dass er blind geboren ist?‘ Jesus antwortete: ‚Es hat weder dieser gesündigt, noch seine Eltern, sondern es sollten die Werke Gottes offenbar werden an ihm‘. An mir sind sie offenbar geworden!“

Das Glück weitergegeben

Mit seiner Frau gründete er 1997 die Marga Schulze Stiftung für blinde und sehbehinderte Mädchen und Frauen in Afrika und Asien. Auch in Deutschland setzte er sich vielfach für Mitbetroffene ein, noch heute ist er unter anderem bei der Christoffel Blindenmission aktiv. „Sie, lieber Herr Dr. Schulze haben es wie nur ganz wenige Menschen verstanden, trotz großer persönlicher Opfer und einem vorbildlichen Einsatz angesichts äußerst erschwerter Bedingungen eine überaus bemerkenswerte berufliche Laufbahn zu absolvieren, die Sie in sehr wichtige Positionen gebracht hat“, betonte Staatssekretär Dr. Frank Mentrup bei der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes.

„Ich habe mein Leben bestmöglich gelebt“, sagt Schulze. „Das ist alles gut so.“

Link: Rede von Staatssekretär Dr. Frank Mentrup zur Verleihung des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse an Dr. Hans-Eugen Schulze (Deutscher Verein der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf e.V.)

Foto: Hans-Eugen Schulze

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