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„Das ist der heilige Gral“: US-Wissenschaftler glauben an Durchbruch bei Therapie für Multiple Sklerose

Immunsystem soll umprogrammiert werden: Neues Verfahren kombiniert weiße Blutkörperchen mit Myelinfragmenten. Bei neun deutschen Patienten hat es geklappt.

Professor Stephen Miller (Foto: Feinberg School of Medicine)

Professor Stephen Miller (Foto: Feinberg School of Medicine)

Als einen „Durchbruch“ in der MS-Medizin „nach 30 Jahren Forschung“ bezeichnen Wissenschaftler der Feinberg School of Medicine in Chicago (USA) ihren neuen Therapieansatz, der den Körper daran hindern soll, sein eigenes Nervensystem anzugreifen.

Die schützende Myelinschicht rund um die Zellen wird bei MS zerstört. Die Nerven haben in der Folge Schwierigkeiten bei der Weitergabe von Nachrichten. Eine experimentelle Studie mit Teilnehmern – es handelt sich dabei um neun deutsche MS-Patienten, die in Hamburg behandelt wurden – habe das Immunsystem dazu gebracht, die Angriffe auf das Myelin zu unterlassen, heißt es in einem gestern veröffentlichten Forschungsbericht in der „Science Translational Medicine“.

Das Projekt wurde unter anderem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert.

Verfahren soll Immunsystem umprogrammieren

Verlieren die Nerven ihre Fähigkeit, miteinander zu kommunizieren, führt die Erkrankung zu Schwierigkeiten bei der Bewegung, dem Gleichgewicht und kann auch die Sehfähigkeit beeinträchtigen. Es gibt Medikamente, die die Anzahl und die Schwere der Anfälle verringern können. Eine Möglichkeit, MS zu heilen, gibt es allerdings bis heute nicht. Die Krankheit wird dadurch hervorgerufen, dass das Immunsystem davon ausgeht, dass Myelin ein Fremdkörper wie zum Beispiel ein Grippevirus ist.

Das Team um Professor Stephen Miller hat ein Verfahren entwickelt, das dem Immunsystem ein Umlernen ermöglichen soll. Die Wissenschaftler kombinierten weiße Blutkörperchen, also einen Teil des Immunsystems, mit Myelinfragmenten. Diese Kombination wurde dann den Patienten injiziert, um sicherzustellen, dass das Myelin vom Körper wieder angenommen wird. Laut den Forschern scheint dieses Verfahren sicher zu sein.

Immunsystem bleibt intakt

Laut Miller bleibt bei diesem Behandlungsansatz die Funktion des normalen Immunsystems erhalten. Es kam bei den Betroffenen zu einer Beruhigung des Immunsystems. Die aktuelle Studie war jedoch noch zu klein, um festzustellen, ob die Teilnehmer durch diese Behandlung wirklich profitierten.

Weitere Tests bei Patienten in frühen Stadien der Erkrankung sollen durchgeführt werden. „Wir wollen Patienten so früh wie möglich behandeln, bevor sie noch unter Lähmungserscheinungen durch die Schädigung des Myelin leiden. Ist das Myelin erst einmal zerstört, ist es sehr schwer, diesen Schaden wieder rückgängig zu machen.“

Weitere Infos: Mitteilung der Feinberg School of Medicine

(RP/pte)

Multiple Sklerose
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