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Das ist und will Martin Zierold, Deutschlands erster gehörloser Abgeordneter

Martin Zierold (links): "Politik der fliegenden Hände"

Der 26-Jährige wurde im September für die Grünen in die Bezirksverordnetenversammlung von Berlin-Mitte gewählt. ROLLINGPLANET hat ihn um eine Kurz-Bio gebeten.

Normalerweise würde man sagen: Wow, so jung und schon mittendrin in der großen Politik. Bei ihm bieten sich aber offensichtlich andere Schlagzeilen an – weil Martin Zierold von Geburt an gehörlos ist und auf Gebärdensprache angewiesen ist, hat das Jugendmagazin „Jetzt“ („Süddeutsche Zeitung“) ihm flugs „Politik der fliegenden Hände“ attestiert.

Worum geht es ihm wirklich? Wir haben Martin Zierold gefragt – der ist uns alleine schon deshalb sympathisch, weil er sich ziemlich hemmungslos „taub“ nennt. Der Mann scheint vielbeschäftigt zu sein: Zwei Monate hat es gedauert, bis er uns geantwortet hat. Aber hier ist nun das von ihm autorisierte Kurzporträt.

Kindheit

Als Kind gehörloser Eltern wird Martin Zierold 1985 im Erzgebirge geboren. Schon als kleines Kind muss er ins Internat und wird in Lautsprache unterrichtet. Eine Spezialschule für Hörgeschädigte verlässt er mit Realschulabschluss und macht eine Ausbildung zum sozialpädagogischen Assistenten. 2008 zieht er nach Berlin. Hier arbeitet er als Betreuer im Jugendclub und als Gebärdensprachdozent.

Politischer Erfolg

Am 18. September wird er in die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Mitte gewählt. In Deutschland ist er der erste gehörlose Parlamentarier. Er ist in den Ausschüssen für Soziale Stadt, Schule und Bürgerbeteiligung und Transparenz tätig.

Was ihn auf die Palme bringt

Für ihn ist der Zustand, das immer noch nicht alle Lehrer an den Gehörlosenschulen die Gebärdensprache beherrschen, ein unhaltbarer Zustand. So auch an der Witzleben Schule in Berlin. Sie ist die einzige Schule in der Stadt, an der Schwerhörige und taube Schüler das Abitur machen können. Doch es wird nicht in der Sprache unterrichtet, die taube Menschen verstehen.

Was er in Berlin verändern will

In Berlin möchte er zu Diskussionen anregen. Im Augenblick gewinnt das Thema Bürgerbeteiligung und Transparenz immer mehr an Bedeutung. Doch dabei darf man den barrierefreien Zugang zu den Informationen nicht vergessen. Bald werden die Bemühungen zu einer live Übertragung der gedolmetschten BVV Sitzungen aus dem Rathaus Mitte umgesetzt.

Forderung an behinderte Menschen

Aber auch Menschen mit Behinderungen dürfen sich nicht passiv zurücklehnen und meckern. Es bedarf einer neuen demokratischen Kultur, politischer Bildung und das Bewusstsein, dass Einmischen auch etwas bringt.

Homepage: Martin Zierold

Zum Themenschwerpunkt Gehörlose Menschen

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1 Kommentar

  • Gudrun Gollasch

    Hallo Martin,
    ich finde Klasse, das Du in der Politik mitmischt, endlich mal ein Schwerbehinderter dabei! Es gibt noch viel zu tun für uns alle Behinderten, ich wünsche mir, das für alle Gehörlosengeld gerecht verteilt wird, denn bei manchen Ländern bekommen sie es und in anderen gar nix wie bei uns in Niedersachsen, das finde ich nicht gerecht, denn gerade Du weißt es das für Behinderte immer im Job schwer zu kriegen sind, ich bin 51 und habe bisher immer nur Absagen, ich fühle mich irgendwie diskrimiert, habe mich schon abgefunden überhaupt noch eine Chance zu kriegen, daher wäre doch das Gehörlosengeld für alle geeignet, denn manche sind mehr Kosten verbunden als Hörende. Vielen Dank und einen schönen Tag noch, gruß Gudrun

    18. März 2012 at 14:01

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