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Das Magazin „Barrierefrei“ erscheint erstmals bundesweit

Nicht alles ist Gold, was glänzt – das gilt vor allem dann, wenn man Monique van der Vorst als Titelthema wählt. Eine schnelle Heftkritik.

Titelbild der neuen "Barrierefrei"-Ausgabe

Titelbild der neuesten "Barrierefrei"-Ausgabe

Nachtrag 15.4.2012: Bitte beachten Sie auch den ROLLINGPLANET-Kommentar ganz am Ende des Artikels.

Der GAU („größter anzunehmender Unfall“) für eine Zeitschrift ist, wenn sie mit einem Titelthema aufmacht, das kurz nach Erscheinen überholt oder widerlegt ist.

„Barrierefrei“, dem Magazin für Menschen mit Behinderung, ist genau dieses Unglück passiert. Und das ausgerechnet bei seinem bundesweiten Start. Das vor einem Jahr zunächst für Schleswig-Holstein ins Leben gerufene „Barrierefrei“ wagte sich im März erstmals auch in den Rest der Republik – das Cover grüßt mit einem Model und ohne Erklärung mit der Schlagzeile „Das Wunder“.

Wir vermuten deshalb, dass es um diese Dame und Geschichte auf den Seiten 72 und 73 geht: „Nach Komplikationen bei einer Operation saß die Niederländerin Monique van der Vorst 13 Jahre im Rollstuhl. Nach einem Trainingsunfall mit einem deutschen Radfahrer kann die zweifache Silbermedaillengewinnerin der Paralympics in Peking plötzlich wieder gehen. Eine Erklärung für das ‚Wunder von Mallorca’ haben die Ärzte aber nicht.“ Inzwischen gibt es freilich eine Erklärung: Das Wunder war gar keines. (Jetzt kann ihr auch Nietzsche nicht mehr helfen: Monique van der Vorst war offensichtlich nie gelähmt)

Mut für eine neue Zeitschrift

„Barrierefrei“ hat den Behindertenbeauftragten der Bundesregierung, Hubert Hüppe, für ein Grußwort gewonnen. Darüber hat sich die Redaktion offensichtlich so gefreut – oder angenommen, dass Hüppe bekannt ist wie ein Popstar –, dass sie seine freundlichen Worte auf einer ganzen Seite veröffentlicht, ohne zu sagen, wer der Autor ist. (Der Hinweis folgt klein im darauf folgenden Editorial.)

Peter Lange

Peter Lange

Ansonsten jedoch ist das 80-seitige „Barrierefrei“ gelungen, unterhaltsam, engagiert und inhaltlich breit angelegt. Dazu gehören Nachrichten und Berichte zu den Themen Sport (Paralympics, Porträt Anna Schaffelhuber), Tourismus (die ehemalige Weltklasseskisportlerin Gerda Pamler berichtet: „Mit dem Rollstuhl durch den Südwesten der USA“), Wohnen & Bauen, Gesundheit & Soziales (interessant: der Beitrag des Autisten Dr. Peter Schmidt, der von seinen Kindern erzählt: “Der Papa ist aber komisch“). Dazu viele kleine interessante Notizen („Als Olympiade wird der Zeitraum zwischen den Olympischen Spielen bezeichnet, nicht die Spiele selbst!“)

Eine neue Zeitschrift für behinderte Menschen herauszugeben, erfordert Mut und Engagement. Verleger Peter Lange hat diese offensichtlich. Er ist seit über 20 Jahren Tauchlehrer und leitet die „Ostsee-Tauchschulen – Tauchen für Menschen mit Behinderung“ in Kleinwaabs und auf Fehmarn. Für sein Engagement im sozialpädagogischen Tauchen sowie für das Magazin „Barrierefrei“ erhielt er jüngst den Integrationspreis 2012 von Schleswig-Holstein.

Das Magazin lässt sich für eine Schutzgebühr von 4,50 Euro/Ausgabe beziehen oder kostenlos im Internet herunterladen: www.barrierefrei-magazin.de

Die neue Ausgabe von „Barrierefrei“ empfiehlt ROLLINGPLANET. Unser Medientipp wurde unabhängig und ohne gegenseitige Absprache geschrieben.

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1 Kommentar

  • Rollingplanet

    Wie wir aufgrund von Mails festgestellt haben, ist der Tenor unseres Berichts möglicherweise nicht richtig „herübergekommen“.

    Wir finden es prima, dass es eine neue bundesweite Zeitschrift für behinderte Menschen gibt. Das redaktionelle Konzept ist – wie wir ausdrücklich betonen – engagiert und inhaltlich breit angelegt.

    Der von uns beschriebene GAU bedeutet nicht „größter anzunehmender Unfähiger“, sondern steht für „größter anzunehmender Unfall“, für den die Redaktion nichts kann und wie er immer wieder Journalisten widerfahren kann. (ROLLINGPLANET hat es da besser: Wir können im Internet sofort Änderungen/Korrekturen vornehmen).

    Außerdem informierte uns der Verlag von „barrierefrei“: „Sie können sicher sein, dass wir von der wundersamen Heilung der Monique van der Vorst bei Drucklegung nichts wussten. Wir haben intensiv mit dem Zeloo-Sports Team (Moniques Management) kommuniziert und haben bis zu unserem Redaktionsschluss nichts Gegenteiliges gehört.“

    15. April 2012 at 22:27

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