Das sensationelle Debut von „Bonsai“ Niko Kappel

Er ist Bankkaufmann, Stimmungskanone, CDU-Mitglied – und holt als Paralympics-Neuling die erste Goldmedaille für Deutschland. Von Sebastian Stiekel und Martin Kloth

Niko Kappel jubelt nach seinem Wurf. (Foto: Kay Nietfeld/dpa)

Niko Kappel jubelt nach seinem Wurf. (Foto: Kay Nietfeld/dpa)

Sein Spitzname ist Bonsai, wie der Baum. „Weil ich ein kleiner Mann bin und für einen kleinen Mann so viel Kraft habe“, sagte Niko Kappel aus Baden-Württemberg und lachte dabei. Wie viel Kraft genau in einem nur 1,40 Meter kleinen Körper steckt, zeigte der Leichtathlet, als er am Donnerstagabend im Kugelstoßen die erste Goldmedaille für das deutsche Team bei den Paralympics in Rio de Janeiro gewann.

Seine Lieblingsdisziplin ist so ziemlich das letzte, was man mit kleinwüchsigen Menschen in Verbindung bringt. Beim Kugelstoßen denkt jeder an große, massige Athleten, hinter denen sich jemand wie Kappel bequem umziehen könnte. Doch im Olympiastadion von Rio trat der 21-Jährige in den Ring und entwickelte aus seiner schnellen Drehung eine derart explosive Kraft, dass die Kugel satte 13,57 Meter weit flog. Das war mehr als ein halber Meter weiter als seine bisherige persönliche Bestleistung (13,26). Und vor allem die entscheidende Winzigkeit von nur einem Zentimeter weiter als der beste Versuch des Welt- und Europameisters Bartosz Tyszkowski aus Polen (13,56).

Einfach nur geil

Kann offensichtlich auch fliegen: Niko Kappel. (Foto: dpa)

Kann offensichtlich auch fliegen: Niko Kappel. (Foto: dpa)

„Das ist wahnsinnig geil. Ich kann das immer noch nicht glauben“, sagte Kappel nach seinem ersten Wettkampf überhaupt bei paralympischen Spielen. „Ich wollte natürlich eine Medaille holen, klar.“ Aber Gold? Das schien selbst bis zur Hälfte dieses Wettbewerbs außerhalb seiner Möglichkeiten zu liegen, weil der Pole Tyszkowski in den vergangenen vier Jahren jeden EM- und WM Titel gewann und auch diesmal zunächst klar in Führung lag.

Doch dann steigerte sich Kappel, 13,38 Meter im vierten und 13,57 Meter im fünften Durchgang. „Ich wusste, wenn ich ihn unter Druck setzen kann, dann habe ich eine Chance. Denn das ist er nicht gewohnt“, erklärte der Athlet des VfL Sindelfingen. „Er hat das Kugelstoßen bei uns über Jahre dominiert. Aber als ich an ihm vorbeigezogen war, konnte er nicht mehr kontern.“

Die Stimmungskanone

Niko Kappel ist so etwas wie die Stimmungskanone im deutschen Team. Es gibt einen PR-Film zu diesen Paralympics, in dem er Bundespräsident Joachim Gauck das Speerwerfen beibringt. „Eine Einladung ins Schloss Bellevue habe ich noch nicht gekriegt“, sagte er. Aber vielleicht ändert sich das bald. Kappel ist erst 21 Jahre alt, aber er ist schon ausgebildeter Bankkaufmann, sitzt für die CDU im Gemeinderat seiner Heimatstadt Welzheim bei Stuttgart – und hat jetzt eine paralympische Goldmedaille. Bislang waren seine größten Erfolge jeweils Silber bei der WM 2016 und der EM 2015 gewesen.

Und was kann jetzt noch kommen? „Es haben mir nur sieben Zentimeter bis zum Weltrekord gefehlt“, meinte Kappel – der liegt bei 13,64 Metern. „Ich bin noch jung, habe seit 2015 eine super Entwicklung genommen – mal sehen, was meine Karriere noch alles bringt.“

(RP/dpa)

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1 Kommentar

  • Andrea Bröker

    Lol, ich muss ja immer wieder über seine Eigenironie „Bonsai“ grinsen.

    9. September 2016 at 08:45

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